Bundesliga

Toppmöllers "maßloser Ärger" über den Leichtsinn im Spielaufbau

Marmoush bleibt die Lebensversicherung - Sorgen um Kalajdzic

Toppmöllers "maßloser Ärger" über den Leichtsinn im Spielaufbau

SGE-Coach Dino Toppmöller geht mit seinem Team hart ins Gericht.

SGE-Coach Dino Toppmöller geht mit seinem Team hart ins Gericht. IMAGO/HMB-Media

Durch das 3:3 im Breisgau verpasste Frankfurt die Chance, sich mit sechs Punkten vom 7. Rang abzusetzen und einen großen Schritt in Richtung internationaler Wettbewerb zu gehen. Wieder einmal kosteten Leichtsinn und schwaches Abwehrverhalten den Sieg.

Das erste Gegentor resultierte aus einem eigenen Einwurf, den Philipp Max in die Pressingfalle zu Omar Marmoush warf. Den Torschützen Ritsu Doan ließ er anschließend laufen. Auch Keeper Kevin Trapp sah nicht gut aus, als er Roland Sallais Schuss zu kurz abwehrte. Noch ärgerlicher war aus Frankfurter Sicht die Entstehung des zweiten Gegentreffers kurz vor dem Pausenpfiff. Es lief bereits die Nachspielzeit, als sich Trapp unverständlicherweise dazu entschied, einen Abstoß kurz auszuführen.

Spielaufbau aus dem Gruselkabinett

Was sich in den folgenden elf Sekunden abspielte, grenzte an Slapstick. Der von Trapp angespielte Makoto Hasebe spielte einen riskanten Querpass zu Willian Pacho, der den Ball im eigenen Sechzehner zu Mario Götze weiterleitete. Der entschied sich für einen überflüssigen Chipball quer zu Tuta, der nach hinten in Hasebes Richtung köpfte statt ins Mittelfeld zum freien Ellyes Skhiri. Lucas Höler sprintete dazwischen und holte gegen Hasebe clever den Strafstoß zum 2:2 heraus. Spielaufbau aus dem Gruselkabinett.

"Das ärgert einen natürlich maßlos, weil wir das vor dem Spiel auch angesprochen haben. Es ist kurz vor der Halbzeit, du führst hier 2:1, dann darfst du auch mal einen Abschlag lang wegspielen, das ist okay. Das war auch die Ansage für die zweite Hälfte, weil ich keine Lust mehr darauf hatte, dass wir hinten noch mal einen einfachen Ballverlust haben", moniert Toppmöller und fordert: "Wir müssen aus den Situationen lernen und wissen, wann wir herauszuspielen und wann nicht." Markus Krösche kommentiert die Szene ähnlich. "Da musst du einfach klar bleiben, den Ball nach vorne spielen und darfst nicht so viel Risiko eingehen. Das ist unnötig", hadert der Sportvorstand.

"Momentan häufen sich die Fehler zu sehr und werden sofort bestraft"

Schon unter der Woche beim 2:2 in der Conference League bei Union Saint-Gilloise hatten die Hessen einen Gegentreffer durch einen haarsträubenden Ballverlust (Skhiri) im eigenen Sechzehner kassiert. Von den leichten Aufbaufehlern bei den Spielen in Darmstadt (2:2) und in Köln (0:2) ganz zu schweigen. Bereits zum vierten Mal in diesem Kalenderjahr spielten die Hessen trotz zwischenzeitlicher Führung nur Unentschieden. In Darmstadt und Anderlecht lagen sie sogar mit zwei Toren vorne. "Momentan häufen sich die Fehler zu sehr und werden sofort bestraft", sagt Krösche. Beim dritten Gegentreffer musste Hasebe (1,80 Meter) ins Duell mit dem 13 Zentimeter größeren Michael Gregoritsch - ein Mismatch, das es mit dem gelbgesperrten Robin Koch (1,92 Meter) nicht gegeben hätte.

Böse Erinnerungen bei Kalajdzic

Ein Fortschritt ist, dass die Eintracht nach den Gegentoren diesmal nicht vom Kurs abkam. "Die Mannschaft hat in jeder Situation eine gute Reaktion gezeigt", lobt Toppmöller. Den ersten Schock gab es schon nach wenigen Minuten, als Sasa Kalajdzic ohne Einwirkung des Gegners zu Boden ging und mit Schmerzen am rechten Knie ausgewechselt werden musste. Das weckt böse Erinnerungen an die Spielzeit 2022/23, die er wegen eines Kreuzbandrisses im linken Knie nahezu komplett verpasst hatte. Ob es diesmal ähnlich schlimm ist, vermochte nach dem Schlusspfiff keiner zu sagen. Als die Pressekonferenz lief, war Kalajdzic schon auf dem Weg ins Krankenhaus.

Marmoush erzielt sein 14. Saisontor

Omar Marmoush rückte nach dem Wechsel ins Sturmzentrum, wo er sich schon in der Hinrunde zu einer Art Lebensversicherung der Eintracht entwickelt hatte. Mit einem Tor und zwei Assists zeigte er wie auch Doppeltorschütze Ansgar Knauff, der für den kicker der Spieler des Tages ist, eine bärenstarke Leistung. Den Afrika-Cup scheint der Ägypter gut weggesteckt zu haben; bereits eine Woche zuvor gegen Bochum (1:1) hatte er getroffen. Wettbewerbsübergreifend steht der 25-Jährige nun bei 14 Toren - eine Top-Ausbeute, die ihm vor der Saison kaum einer zugetraut hatte.

Ohne eine bessere defensive Stabilität dürfte es auf Sicht dennoch schwer werden, den 6. Rang zu verteidigen. Der Fünftplatzierte Leipzig ist inzwischen schon enteilt. Viel Zeit, um die Probleme in den Griff zu bekommen, bleibt nicht: Am Donnerstag empfängt Frankfurt in der Conference League Union Saint-Gilloise zum Rückspiel. Der Einzug ins Achtelfinale ist Pflicht.

Julian Franzke

Bilder zur Spielpaarung Freiburg gegen Frankfurt