Handball

Handball-EM: Spanien krönt sich gegen Kroatien zum Europameister

Duvnjaks Kroaten gehen die Kräfte aus

Titel verteidigt: Spanien erneut Europameister

Spaniens Handballer freuen sich über den EM-Titel.

Spaniens Handballer freuen sich über den EM-Titel. imago images

Die Kroaten starteten besser in das gefühlte Heimspiel. Erneut peitschten tausende kroatische Schlachtenbummler ihr Team mit "Hrvatska"-Sprechchören nach vorne - unter ihnen befand sich auch der Fußballprofi Ivan Perisic vom FC Bayern München. Von einem Kräfteverschleiß nach dem harten Halbfinale gegen Norwegen war zunächst nichts zu sehen. Stück für Stück erarbeiteten sich die "Cowboys" ein Polster und gingen nach Duvnjaks Zuckerpass auf Maric erstmals mit drei Toren in Führung (10:7, 19.).

Perez de Vargas nimmt starken Einfluss

Dagegen bekamen die Torhüter auf beiden Seiten zu Beginn überhaupt nichts zu greifen. Beide Trainer reagierten und wechselten den Keeper - das Spiel sollte eine Wendung nehmen. Perez de Vargas (FC Barcelona) vernagelte nun das spanische Gehäuse und ließ über elf Minuten lang keinen Gegentreffer mehr zu. Die Steilvorlage ihres Schlussmanns nutzte die spanische Offensive: "La Roja" kam immer besser ins Rollen und ging mit einer 12:11-Führung in die Kabine.

Kroatien wackelt, fällt aber nicht

Nach Wiederanpfiff schien sich das zu bestätigen, was sich bereits in den letzten Minuten des ersten Abschnitts angedeutet hatte: Die kroatischen Handballer wirkten in der neunten Partie binnen 17 Tagen am Ende ihrer Kräfte. Eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe für Horvath spielte den Spaniern zudem in die Karten. Kroatiens Trainer-Legende Lino Cervar nahm den Torhüter für einen sechsten Feldspieler aus dem Spiel und bezahlte dafür teuer. Ein 12:12 (31.) verwandelte sich in Windeseile in ein 16:12 (35.).

Die Kroaten wackelten bedenklich, doch sie fielen nicht. Mit den Fans im Rücken und ihrem Dreh-und Angelpunkt Duvnjak, der etwas überraschend vor dem norwegischen Torschützenkönig Sagosen zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt wurde, kämpften sie sich zurück. Plötzlich war es das spanische Angriffsspiel, das hakte. Erneut fütterte Duvnjak Maric, der auf 18:18 stellte (48.).

Karacic und Dujshebaev entscheiden das Finale

In der Folge entwickelte sich eine wahre Abwehrschlacht, Stepancic durchbrach den Reigen und traf fünf Minuten später zum 19:18 für Kroatien (53.). In der Schlussphase behielt allerdings die spielerische Klasse der Spanier gegen die kroatische Leidenschaft die Oberhand. Kroatiens Spielmacher Karacic leistete sich in der letzten Minute einen Schrittfehler, im Gegenangriff entschied Alex Dujshebaev mit dem 22:20, einem Wurf durch die Beine des kroatischen Keepers Sego, das Finale in Stockholm für Spanien.

Guardiola: "Man hat gemerkt, wie müde beide Mannschaften waren"

Gedeon Guardiola

Krönte sich mit Spanien zum Europameister: Gedeon Guardiola. imago images

Kapitän Entrerrios reckte im Konfettiregen von Stockholm um 18.25 Uhr die EM-Trophäe in die Höhe, seine Teamkollegen freuten sich mit der Goldmedaille um den Hals und sangen "Campeones, campeones". "Heute war es ein Spiel für die Abwehrreihen, man hat gemerkt, wie müde beide Mannschaften waren", erklärte Gedeon Guardiola von den Rhein-Neckar Löwen im Anschluss bei der ARD. "Wir hatten heute sehr große Probleme im Angriff, aber in den letzten fünf Minuten waren wir da und haben es für uns entschieden."

Erfolgreichster Werfer des neuen und alten Europameisters war Rechtsaußen Gomez Abello (FC Barcelona). Torhüter Perez de Vargas überragte mit einer Fangquote von 42 Prozent (8/19). Die nächste Europameisterschaft findet 2022 in der Slowakei und Ungarn statt.

Spanien für Tokio qualifiziert

Während sich Spanien durch den EM-Titel ein Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio gesichert hat, muss Kroatien bei einem Qualifikationsturnier in Frankreich im April noch darum spielen. Dort geht es für die Kroaten gegen den Gastgeber, Portugal und den Sieger der Partie zwischen Ägypten und Tunesien (Finale der Afrikameisterschaft). Die deutschen Handballer haben beim Kampf um einen der begehrten Plätze ebenfalls eine schwere Gruppe erwischt.

Das EM-Finale im Stenogramm

Spanien - Kroatien 22:20 (12:11)

Spanien: Corrales, Perez De Vargas - Gomez Abello 5/3, Entrerrios 3, Maqueda 3, Aguinagalde 2, Canellas 2, Sarmiento 2, A. Dujshebaev 1, Fernandez 1, Figueras 1, Goni 1, Solé 1, Arino, Guardiola, Morros
Kroatien: Asanin, Sego - Duvnjak 5/3, Karacic 4, Maric 3, Stepancic 3, Horvat 2/1, Brozovic 1, Mamic 1, Mandic 1, Cindric, Hrstic, Matanovic, Musa, Sarac, Sipic
Schiedsrichter: Gjorgji Nachevski/Slave Nikolov (Nordmazedonien)
Zuschauer: 17.769
Strafminuten: 4/4

tow

Pekeler zum besten Abwehrspieler gewählt - Duvnjak ist MVP