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Tischtennis: Bolls altes Achtelfinal-Leid - und Olympia 2024?

Ovtcharov ist noch im Rennen

Tischtennis: Bolls altes Achtelfinal-Leid - und Olympia 2024?

Es hat wieder nicht gereicht: Timo Boll ist abermals im Olympischen Achtelfinale ausgeschieden.

Es hat wieder nicht gereicht: Timo Boll ist abermals im Olympischen Achtelfinale ausgeschieden. picture alliance / SVEN SIMON

Timo Boll trottete mit einem schwarzen Rollkoffer im Schlepptau aus der leeren Halle, die nächste olympische Einzel-Enttäuschung hatte ihn unerwartet und daher tief getroffen. "Tischtennis ist meine große Liebe - natürlich bin ich frustriert. Ich dachte, dass ich ganz gut drauf bin", sagte der 40-Jährige. Wenige Minuten zuvor war in Tokio sein Traum von der ersten Einzel-Medaille bei Olympischen Spielen erneut geplatzt.

Der 40 Jahre alte Europameister schied durch ein 1:4 gegen den Südkoreaner Jeoung Young Sik zum vierten Mal in Folge im Achtelfinale aus. Seine Liebe zu den fünf Ringen, sie bleibt im Einzel seit seinem Debüt 2000 in Sydney auf rätselhafte Art unerwidert. "Ich habe heute immer aufs falsche Pferd gesetzt. Nichts hat funktioniert", sagte der Europameister mit leiser Stimme. Noch im Rennen ist dagegen Dimitrij Ovtcharov, der ab 14.30 MESZ um den Einzug ins Viertelfinale kämpft.

Boll fand in seinem vielleicht letzten Olympia-Einzel nur schwer ins Spiel, auch der 1:1-Satzausgleich half ihm nicht. Im vierten Durchgang vergab er eine 9:7-Führung und musste sich nach 50 Minuten geschlagen geben. "Ich habe verschiedene Taktiken versucht, aber keine hat funktioniert", so Bolls Analyse im Anschluss. Interessant: Gegen Jeoungs Trainer Oh Sang Eun war Boll 2008 in Peking ebenfalls im Achtelfinale ausgeschieden. Weiter geht es für den früheren Weltranglistenersten im am Sonntag beginnenden Teamwettbewerb.

Im Einzel bei Olympia glücklos

Boll hat bei sechs Olympischen Spielen nie das Halbfinale erreicht, das Viertelfinale 2004 war sein größter Erfolg. Mit dem Team gewann er einmal Silber (2008) und zweimal Bronze (2012, 2016). Ob er 2024 noch einmal antritt, ist Stand jetzt offen. Das langjährige Ass an der Platte könnte sich seine siebte Olympia-Teilnahme aber vorstellen: "Wenn ich immer noch in der Form bin, um zum Team zu gehören, warum nicht? Aber es ist auch noch lange hin." Bei den Spielen 2024 in Paris wäre Boll in jedem Fall schon 43 Jahre alt. "Ich fühle mich noch fit. Tischtennis besteht aus Flexibilität, da hat es mir vielleicht heute gefehlt. Ich schaue von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat und habe weiter Spaß an dem Sport. Wenn's passt, warum nicht", zeigte er sich im ARD-Interview aber durchaus optimistisch.

Er hat ja auch schon Medaillen bei allen großen Turnieren, das können nicht viele sagen. Eine Medaille im Einzel würde sein Leben nicht mehr verändern.

Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf

Auch Bundestrainer Jörg Roßkopf (52) könnte sich einen weiteren Olympia-Start seines Vorzeige-Athleten vorstellen: "Er ist körperlich topfit, hat Spaß am Tischtennis, 2024 ist in drei Jahren, das sollte machbar sein." Doch so oder so: Für Roßkopf ist Bolls Karriere ohnehin schon "perfekt", auch ohne Einzel-Medaille. "Er hat ja auch schon Medaillen bei allen großen Turnieren, das können nicht viele sagen. Eine Medaille im Einzel würde sein Leben nicht mehr verändern."

Klares 4:0 gegen Russen Skatschkow für Ovtcharov

Ovtcharov derweil, in Tokio vor Boll an Nummer sieben gesetzt, war bereits am Mittag zum vierten Mal in Folge ins Achtelfinale eingezogen. Der Bronzemedaillengewinner von London 2012 startete mit einem 4:0 gegen den Russen Kirill Skatschkow und trifft nun auf Koki Niwa. Bei der WM 2017 in Düsseldorf hatte Ovtcharov im Achtelfinale gegen den Japaner verloren.

Bei den Frauen zog Han Ying (Düsseldorf/Tarnobrzeg) als einzige Deutsche ins Achtelfinale ein. Die 38-Jährige bezwang die noch einmal zehn Jahre ältere Australierin Jian Fan Lay 4:0 und trifft am Abend auf Feng Tianwei aus Singapur. Die zweite deutsche Starterin Petrissa Solja (Langstadt) war bereits am Montag ausgeschieden.

dpa/sid

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