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Thiago könnte Klopps Schlüssel werden - Liverpool im Check

Premier-League-Vorschau, Teil 3

Thiago könnte der Schlüssel werden - Liverpool im Check

Jürgen Klopp will sein Meisterteam mit Thiago verstärken - dafür gibt es gute Gründe.

Jürgen Klopp will sein Meisterteam mit Thiago verstärken - dafür gibt es gute Gründe. imago images/picture alliance

Bis zum 23. August um 22.53 Uhr war der FC Liverpool offiziell alles gleichzeitig: die beste Mannschaft Englands, Europas und der Welt. Dann pfiff Daniele Orsato das Champions-League-Finale ab. Jürgen Klopp gratulierte dem FC Bayern zum Titel, aber auch zum "sensationell bestückten" Kader mit "absoluten Weltklasse-Spielern auf allen Positionen". Einen davon hätte er jetzt ganz gern.

Doch braucht eine Mannschaft, die in den vergangenen beiden Saisons erst 97, dann 99 Punkte holte, die mit 18 Punkten Vorsprung Meister wurde, die seit drei Spielzeiten kein Liga-Heimspiel und seit Philippe Coutinho im Januar 2018 keinen Leistungsträger mehr verloren hat - braucht diese Mannschaft Thiago? Zumindest wird schnell klar, warum Liverpool seit Wochen mit dem 29-jährigen Spanier in Verbindung gebracht wird.

Thiago könnte Liverpools heimliches Kreativzentrum entlasten

"Wenn sich andere Teams entwickeln, müssen wir uns entwickeln", hatte Klopp nach dem ersten Meistertitel seit 30 Jahren gesagt. Thiago könnte dabei eine Schlüsselfigur werden. Mit ihm wollen die Reds nicht nur einem möglichen Völlegefühl im Kader vorbeugen, den seit Sommer 2018 in Takumi Minamino (Januar 2020, Salzburg) und Linksverteidiger-Backup Kostas Tsimikas (Sommer 2020, Olympiakos) nur zwei externe Feldspieler-Neuzugänge aufgefrischt haben. Vor allem würde Thiago sie noch ein wenig unberechenbarer machen.

Liverpools gar nicht so heimliches Kreativzentrum befindet sich nämlich auf den Außenbahnen: Nur ManCitys Kevin De Bruyne (20) sammelte in der vergangenen Premier-League-Saison mehr Torvorlagen als Trent Alexander-Arnold (13) und Andy Robertson (12). Die fleißige, passstarke, aggressive Mittelfeld-Dreierreihe hält ihnen den Rücken frei, Thiago aber könnte sie noch auf andere Weise entlasten. Müssen die Gegner bald auch noch diesen Künstler in Schach halten? Als wären die meisten nicht jetzt schon überfordert!

Liverpools wahrer Trumpf ist unverändert - doch ist der Kader tief genug?

Auch ohne Thiago, für den erst ein Mittelfeldspieler wie der von Barcelona und Landsmann Ronald Koeman umworbene Georginio Wijnaldum Platz machen müsste, wäre Liverpool Titelfavorit. Der Kader ist weiterhin im besten Alter und immer noch entwicklungsfähig, wie etwa Naby Keita seit dem Re-Start bewies. Vor allem aber hat sich am wahren Trumpf nichts geändert: Während die Konkurrenz gerade hier verzweifelt Lösungen sucht, stellt Liverpool nun schon seit zwei Jahren die beste Defensive der Liga.

Gegen eine weitere meisterwürdige Saison spricht also wenig, einen erneuten Durchmarsch sollte aber erst mal niemand erwarten. Die Konkurrenz erscheint stärker als zuletzt, der Kader, aus dem nach Dejan Lovren (Zenit) und Adam Lallana (Brighton) noch weitere Ergänzungsspieler mit einem Wechsel liebäugeln, nach jetzigem Stand nicht tief genug - auch wenn mit Rhian Brewster, Harvey Elliott, Curtis Jones und Neco Williams vielversprechende Talente nachdrängen. Timo Werner hätte da gutgetan, war Liverpool aber zu teuer.

Unter Klopp ging es für Liverpool tabellarisch noch nie bergab

Dass die Motivation nachlässt, die sich vor allem aus dem Meister-Drama 2019 und der 30-jährigen Durststrecke speiste, glaubt Klopp nicht ("Wir fühlen uns, als ob wir in der Mitte, nicht am Ende von etwas sind"), ein Risiko aber bleibt es. Andererseits: Unter diesem Trainer ging es in Anfield tabellarisch noch nie nach unten (Endplatzierungen: 8, 4, 4, 2, 1), und in Dortmund verteidigte er 2012 den Meistertitel nicht nur - er legte noch den DFB-Pokal drauf.

Platzierung letztes Jahr: 1.
Wer ist neu? Kostas Tsimikas (Olympiakos Piräus, 13 Millionen Euro)

Jörn Petersen

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