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Thanksgiving in der NFL - und die Detroit-Dallas-Geschichte

Drei Spiele am Feiertag: Erntedankfest ist in den USA besonders auch Zeit für Football

Thanksgiving in der NFL - und die Detroit-Dallas-Geschichte

Allseits beliebt und schon seit vielen Jahrzehnten in den USA etabliert: Thanksgiving in der National Football League.

Allseits beliebt und schon seit vielen Jahrzehnten in den USA etabliert: Thanksgiving in der National Football League. imago images

Am vierten Donnerstag im Monat November ist es ein jedes Jahr soweit: Die USA feiern den staatlichen Feiertag Thanksgiving - wenngleich die Bürger auch im zweiten Jahr in Folge aufgrund von Corona das Fest eher nicht so ausufernd gestalten sollen, auch wenn die Fallzahlen aktuell nicht so hoch steigen wie in Deutschland, weswegen das US-Außenministerium in diesen Stunden eindringlich seine Bürger vor Reisen nach Deutschland warnt. Zurück zum Football-Donnerstag in dieser Woche: Auf den Tisch kommt dabei wie jedes Jahr vielerorts ein gewaltiges Festmahl - und über die Flimmerkiste läuft von früh bis spät des Amerikaners liebster Sport.

Thanksgiving ist in Nordamerika schon seit 1863 ein besonderer Feiertag - und auch ein ganz besonderer Tag im American Football. Die ersten beiden Spiele werden dabei seit vielen, vielen Jahren immer in Detroit und in Dallas ausgetragen, das dritte und erst seit 2006 jährlich praktizierte Match findet zwischen zwei stets wechselnden Teams statt.

In diesem Jahr serviert die NFL der Anhängerschaft wieder ein volles Drei-Gänge-Menü, nachdem es im letzten Jahr aufgrund von Corona-Fällen bei den Baltimore Ravens (wären vergangenes Thanksgiving bei den Pittsburgh Steelers zu Gast gewesen) zu einer Spielverschiebung gekommen war.

Nun also wieder drei Spiele hintereinander: Los geht es dabei um 18.30 Uhr (MEZ) mit dem NFC-North-Divisionsduell zwischen den noch gänzlich sieglosen Detroit Lions (0:9:1) und Chicago Bears (3:7), bei denen es nach zuletzt fünf Niederlagen in Serie eng in Sachen Play-offs wird und die Fans obendrein schon Head Coach Matt Nagy in Dauerschleife mit Pfiffen bedacht haben. Es folgt ab 22.30 Uhr (MEZ) das obligatorische Heimspiel der Dallas Cowboys (7:3), die es zuletzt mit zwei Niederlagen in drei Spielen erwischt hat und die es in diesem Jahr am Feiertag mit den zuletzt ebenfalls strauchelnden Las Vegas Raiders (5:5) zu tun bekommen. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag dann (2.20 Uhr) folgt noch New Orleans Saints (5:5) vs. Buffalo Bills (6:4). Beide Teams haben sich zuletzt Niederlagen erlaubt und brauchen nun wieder einen Erfolg, um Druck auf die Spitze in ihrer jeweiligen Division zu machen und die Play-off-Chance zu erhalten.

Tradition - zugunsten zweier Teams

Doch warum dürfen eigentlich Detroit und Dallas stets vor heimischer Kulisse auftreten, müssen also keine weite Reise antreten und können sich so über ein besonderes Image freuen?

Ein cleverer Geschäftsmann

Story Detroit: Hierzulande dürfte es nicht so bekannt sein, dass die Lions seit vielen Jahrzehnten (!) stets am Thanksgiving-Feiertag ein Heimspiel austragen dürfen. In den USA dagegen ist dieses Thema allgegenwärtig - und stößt bei anderen Teams teilweise auch sauer auf. Schließlich möchte jedes Franchise von höheren Einschaltquoten und einem exklusiven TV-Slot sowie dem damit verbundenen gesteigerten Interesse profitieren. Doch hierzu passt ein altes, deutsches Sprichwort: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Und die Lions waren eben vor langer Zeit das erste Team, das bezüglich Thanksgiving vorpreschte und den Stein ins Rollen brachte.

Detroit Lions

Fest verankert an Thanksgiving: die Detroit Lions. imago images/Icon SMI

Die Lions wurden 1929 in Portsmouth als Spartans gegründet. George Richards, ehemaliger Direktor der Radiostation World Junior Records (WJR), verfrachtete das Team schließlich in die Großstadt Detroit.

Um in der Folgezeit mehr und mehr Fans anzuziehen, ordnete der Besitzer im Jahr 1934 an, Football am Thanksgiving Day steigen zu lassen. Hier haben die potenziellen Anhänger schließlich frei, können Zeit und Geld für ihr Football-Team aufwenden. Der Plan ging auf: Da der clevere Manager Richards nämlich mit seiner Radiostation Teil von "NBC Blue Network" war, brachte er die Vorgesetzten dazu, das erste Spiel (16:19-Niederlage gegen Chicago) über 94 Stationen landesweit zu übertragen.

Und wenngleich der Erfolg aus rein sportlicher Sicht für die Lions nicht festzustellen ist (überschaubare Bilanz von 37:41:2, zuletzt 2020 ein 20:24 gegen NFC-North-Rivale Chicago), so ist klar: Detroit hat merklich dazu beigetragen, dass Thanksgiving für unzählige Amerikaner ein Football-Festtag im Kreise der Familie geworden ist.

Für die NFL selbst entpuppte sich der Umzug mitsamt den Maßnahmen im Nachhinein ebenfalls als sehr erfolgreich, da sie im fünften Anlauf endlich ein Team in der "Motor City" etablieren konnte. Zudem sicherten sich die Detroit Lions 1935 erstmals den NFL-Titel, im gleichen Jahr, als die Detroit Tigers zum ersten Mal die World Series gewannen und kurz bevor die Detroit Red Wings den Stanley Cup zweimal in Folge (1936, 1937) gewinnen konnten.

Cowboys sichern sich den zweiten Platz

Tom Landry

Hat die Dallas Cowboys auch dank Thanksgiving so groß gemacht, wie sie heute sind: Legende Tom Landry. imago images

Story Dallas: Die stolzen Cowboys durften an Thanksgiving erstmals im Jahr 1966 ran, ehe das Prozedere ab 1978 und bis heute regelmäßig wurde. Und genau wie die Lions hofften die Macher der Texaner ebenfalls darauf, ihr Image mit diesem besonderen Feiertags-Auftritt aufzupolieren. Gesagt, getan - und wieder waren hier clevere Planer am Werk. Denn das Franchise etablierte sich in dieser Zeit unter Legenden-Coach Tom Landry, der zwischen 1960 und 1988 trainierte und die Cowboys 1971/72 (24:3 gegen Miami) und 1977/78 (27:10 gegen Denver) zum Super-Bowl-Sieg führte. "America's Team" ward geboren. Der damalige General Manager Tex Schramm trug in dieser Zeit enorm viel zum marketing-technischen Erfolg bei - unter anderem etablierte er die "Dallas Cowboys Cheerleaders".

Die Thanksgiving-Bilanz von Dallas, das gemeinhin aufgrund der heutzutage vielen, vielen Fans - wie erwähnt - einfach als "America's Team" bezeichnet wird und vergangenes Jahr mit 15:26 gegen die Buffalo Bills verloren hat, sieht derweil wie folgt aus: 31 Siege, 20 Niederlagen, ein Remis.

Spiel Nummer 3

Kurzum: Seit 1934 tragen die Lions nun schon das erste Thanksgiving-Heimspiel aus, ehe seit 1978 Dallas immer an Detroit mit einer Partie vor heimischer Kulisse anschließt. Um allerdings auch andere der insgesamt 32 NFL-Teams in den Genuss kommen zu lassen, lässt die Liga seit 2006 ein drittes, stets flexibles Duell austragen (dieses Mal eben Steelers vs. Ravens). Der Zusatzgewinn daraus: Aus über sechs Stunden Football-Unterhaltung werden somit weit über neun - und der US-Feiertag Thanksgiving ist medial in der Hand von Football, was für die NFL natürlich Erlöse satt abwirft. Speziell, weil von etlichen Wirtschaftsunternehmen mächtig Werbung für den bevorstehenden Black Friday plus den anschließenden Cyber Monday geschaltet werden kann.

mag

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