Auto

Test: Opel Combo-e Life

Hochdachkombi mit Elektroantrieb

Test: Opel Combo-e Life

Nur noch mit Kennzeichen E: Opel bietet seinen Hochdachkombi Combo ausschließlich mit Elektroantrieb an.

Nur noch mit Kennzeichen E: Opel bietet seinen Hochdachkombi Combo ausschließlich mit Elektroantrieb an. Hersteller

Wie er aussieht: So, wie es das Diktat unbedingter Praktikabilität vorschreibt. Kastenförmig umrissen also der Aufenthaltsort für Passagiere und Gepäck, die Dachlinie - 1,84 Meter - will hoch hinaus, beidseitig gewähren Schiebetüren Zugang in den Fond.

Für den großen Platzhunger offeriert Opel neben der - von uns gefahrenen - 4,40-Meter-Kurzversion noch eine XL-Variante, die sich dann 4,75 Meter lang macht.

Gemeinsam mit dem Opel Combo bewerben sich im Stellantis-Konzern noch die baugleichen Brüder Peugeot e-Rifter und Citroën ë-Berlingo um Kunden, aus dem Hause Toyota stößt der Proace City Verso zum Familienverbund, als einziger akzeptiert er Benzin oder Diesel als Futter.

Nicht unerwähnt lassen wollen wir auch die Nutzfahrzeug-Variante Combo Cargo, den tüchtigen Cousin gibt es sowohl mit E-Antrieb als auch nach alter Schule dieselnd oder benzinernd.

Opel Combo-e

Interieur: Hier zeigt der Combo zwar ein Faible für Hartplastik. Trotzdem geht es licht und wohnlich zu. Hersteller

Wie er eingerichtet ist: Die Dominanz schlichten Kunststoffs zeugt davon, dass der Combo aus der Nutzfahrzeug-Ecke kommt. Trotzdem vermittelt das Interieur keineswegs den Eindruck einer kärglichen Notunterkunft. Die bequemen, geschmackvoll bezogenen und mit Armlehnen ausgestatteten Sitze tragen ebenso zur Wohnlichkeit bei wie das Panoramadach samt elektrischem Sonnenschutz und Dachablage-Galerie - sie zieht sich von der Frontscheibe bis zum Gepäckabteil, wird von LEDs ambientebeleuchtet, beeinträchtigt nur leider auch den freien Blick zum Himmel.  1000 Euro kostet das entsprechende Paket, das außerdem eine große, geschlossene Ablagebox über dem Laderaum umfasst, die sowohl von innen als auch von außen zugänglich ist.

Der Fond lässt sich entweder mit drei Einzelsitzen oder einer durchgehenden Sitzbank möblieren, auch zwei zusätzliche Plätze in dritter Reihe sind zu ordern, für 600 Euro wird der Combo so zum Siebensitzer.

Combo Dachbox

Nicht nur für plüschige Passagiere: Die von beiden Seiten zugängliche Ablagebox unterm Dach. Hersteller

Ab "Elegance"-Ausstattung öffnet das Heckfenster separat und es gibt ein volldigitales Fahrerinfodisplay. Das Smartphone parkt auf einer induktiven Ladefläche, via CarPlay und Android Auto findet es Anschluss, und gegen Aufpreis kommen Annehmlichkeiten von der Zweizonen-Klimaautomatik über die 180-Grad-Rückfahrkamera bis hin zum Head-up-Display - Light-Version mit Plexiglasscheibe - ins Haus.

Wie viel Platz er hat: Erwartungsgemäß die Paradedisziplin des Combo. Das praktisch ausgeformte, über eine niedrige Ladekante und eine raumgreifend weit aufschwingende Heckklappe zugängliche Gepäckabteil besitzt mit 597 bis 2126 Liter schon fast Abstellraum-Format, über den Häuptern der Passagiere ist reichlich Luft nach oben, für Familien gibt es die gute Nachricht, dass sich im Fond drei Kindersitze mithilfe von Isofix-Halterungen nebeneinander installieren lassen.

Opel Combo Rucksitze

Aufgetischt: Aus den Lehnen der Vordersitze lassen sich Tischchen herausklappen. Hersteller

Verschiebbar sind die Rücksitze zwar nicht, ihre Lehnen aber können zu einer komplett ebenen Ladefläche flachgelegt werden, das funktioniert auch vom Kofferraum aus. Und dann wären da noch die gefühlt zahllosen Ablagen, von Dachbox und Galerie ist bereits die Rede gewesen, außerdem hält der Combo gleich zwei Handschuhfächer vor, das obere sogar mit Kühlmöglichkeit. Die Antriebsbatterie tut den raumgreifenden Gegebenheiten übrigens nicht weh, denn sie ist platzsparend im Unterboden verbaut.

Auch als Zugpferd dient sich der Combo-e an, gebremst nimmt er bis zu 760 Kilogramm in Schlepp, und abgesehen davon ermöglicht es die Anhängerzugvorrichtung (440 Euro), einen Kupplungsträger für Fahrräder aufzusetzen.

Was ihn antreibt: Ein 100 kW/136 PS starker Elektromotor, der ein Drehmoment von 260 Newtonmetern produziert. Als Energielieferant dient eine Lithium-Ionen-Batterie mit der eher bescheidenen Kapazität von 50 kWh.

Wie er sich fährt: Zunächst einmal so, wie man es vom Elektroauto kennt und schätzt - ansatzlos zügig beschleunigend also und wohltuend leise. In höheren Temporegionen verebbt der anfängliche Elan dann etwas, bei 135 km/h ist sowieso Schluss. An die Arbeit macht sich der Combo-e immer im "Normal"-Modus, die volle Leistung stellt er nur in "Power" bereit, auf Sparflamme bewegt ihn das "Eco"-Programm. Wird der Mini-Shifter der Automatik auf "B" gerückt, initiiert das den Rekuperationsmodus mit extra-ertüchtigter Verzögerungswirkung, die aber nicht bis zum sogenannten One-Pedal-Driving reicht, bei dem es zumindest im Stadtverkehr auch ohne Bremspedal geht.

Dass der Hochdach-Kombi beim Kurvenslalom um die Goldmedaille mitwedelt, wird ihm keiner abverlangen, unproblematisch unschwammig lässt er sich aber allemal bewegen, und zufriedenstellendes Komfortbewusstsein entwickelt er außerdem.

Combo Rueck

Elektrisch auf Tour: Mehr Reichweite wäre wünschenswert.

Wie weit er kommt: Die verhältnismäßig kleine - und im Übrigen alternativlose - Batterie lässt keine Großtaten erwarten, auch die wenig strömungsgünstige Karosserieform nicht, und so ist es keine Überraschung, dass das Datenblatt nur 260 bis 285 Kilometer in Aussicht stellt. Dass es dabei im wirklichen Leben nicht bleibt und eher wenig urlaubstaugliche Distanzen um die 180 bis 200 Kilometer machbar sind, hätten wir dem Combo-e noch verziehen, die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis kennt man schließlich auch von anderen E-Autos. Wirklich geärgert hat uns aber, dass die Reichweitenanzeige das ist, was Kindergartenkinder auf dem Rücksitz wohl als "Lüger" bezeichnen würden. Aufgrund welcher Parameter sie ihre Berechnungen anstellt, bleibt unklar. Auch nachdem sie unser defensives Fahrprofil eigentlich verinnerlicht haben müsste, reduzierte sie ihre stets optimistische Anfangs-Prognose auf geheimnisvolle Weise ziemlich schnell. Die Abwärtsfahrt von Ebene 14 des Frankfurter Flughafen-Parkhauses kostete uns gleich 15 Kilometer, auf der 17 Kilometer langen Weiterfahrt schmolzen zusätzliche 50 Kilometer dahin. Ein ähnlich unkalkulierbarer Schwund war - trotz verhaltenen Tempos um 100 bis 110 km/h - auch auf der Autobahn zu verzeichnen, was die Routenplanung samt Ladestopps dann ziemlich rüde über den Haufen warf.

Über den Eco-Modus lassen sich zwar ein paar Extra-Kilometer herauskitzeln, dies allerdings auch zum Preis einer reduzierten Heizleistung, im Winter sollte man sich also warm anziehen, bevor es auf längere Strecken geht.

Opel Combo-e

Praktisch in engen Parklücken: Der Zugang in den Fond erfolgt über Schiebetüren. Hersteller

Was er verbraucht: 19,3 bis 21,5 kWh/100 km, sagt Opel. Unser Schnitt belief sich auf 25,3 kWh, nicht selten kamen wir über 30 kWh.

Wie er lädt: Wechselstrom aus der Wallbox oder öffentlichen Ladesäule holt sich der Combo-e dreiphasig und mit bis zu 11 kW, die Gleichstrom-Schnellladestation kann er mit 100 kW anzapfen. Das bringt den Akku in einer guten halben Stunde auf 80 Prozent Ladestand.

Was er bietet: Das Basismodell "Life" bringt nur eine beifahrerseitige Schiebetür mit, ferner Geschwindigkeitsregler und -begrenzer, Spurhaltesystem, Verkehrsschild- und Müdigkeitserkennung sowie Frontkollisionswarner, außerdem Radio, Klimaanlage und beheizbare Außenspiegel. Die zweite Schiebetür gibt es ab Level "Edition", ab "Elegance" addieren sich beispielsweise die separat öffnende Heckklappe, Rückfahrkamera, Multimedia-Radio, LED-Tagfahrlicht, Regensensor, Fernlichtassistent, Smartphone-Integration und volldigitales Fahrerdisplay hinzu. Das Topmodell heißt "Ultimate" und fährt unter anderem mit Dachreling, Alurädern, Zweizonen-Klimaautomatik vor.

Opel Combo Dachgalerie

Beleuchtet: Die Ablagegalerie ist ein sehenswertes Detail. Hersteller

Was er kostet: Ab 38.850 Euro. Die empfehlenswerte "Elegance"-Ausstattung ist ab 41.200 Euro zu buchen, sie ist auch Voraussetzung für das lange XL-Modell, der Aufpreis beträgt 1700 Euro.

Was wir meinen: Ungemein praktisch, wohnlich eingerichtet, auf Wunsch mit allerlei Luxus auszustatten und obendrein mit dem, was digitalaffine Autofahrerende brauchen - der Opel Combo-e ist ein tolles Auto für Familien. Aber nur, wenn hauptsächlich Kurzstrecken auf der Agenda stehen. Urlaubsfahrten hingegen dürften zum Abenteuer werden. Zumindest sollte dafür großzügig Zeit eingeplant werden. Vor diesem Hintergrund erscheint der Anschaffungspreis doch recht hoch - trotz des abzugsfähigen Umweltbonus.

Ulla Ellmer

Die Daten des Opel Combo-e Life

Leistung 100 kW/136 PS

max. Drehmoment 260 Nm

Batterietyp Lithium-Ionen, Kapazität 50 kWh

Ladeanschluss AC dreiphasig 11 kW, DC bis 100 kW

Höchstgeschwindigkeit 135 km/h

Beschleunigung 0 auf 100 km/h 11,7 sec

Normverbrauch WLTP 19,3 bis 21,5 kWh/100 km Strom

Testverbrauch 25,3 kWh/100 km

CO2-Emission 0 g/km

Schadstoffnorm Euro 6d

Energie-Effizienzklasse A+++

Länge 4,44 m

Breite 1,92 m ohne, 2,11 m mit Außenspiegeln

Höhe 1,84 m

Kofferraum 597 bis 2126 l

Leergewicht 1441 bis 1505 kg

zulässiges Gesamtgewicht 2050 bis 2130 kg

Anhängelast 760 kg (gebremst), 750 kg (ungebremst)

Automatik-Elektroantrieb mit fester Getriebeübersetzung, Frontantrieb

Preis ab 38.850 Euro