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Tesla-Gegner Lucid Air: Laden in Rekordzeit

Elektrische Luxuslimousine - 1000 PS und 830 km Reichweite - Start 2021

Tesla-Gegner Lucid Air: Laden in Rekordzeit

Lucid Air

Lucid Air: Für den Bau der elektrischen Luxuslimousine wird derzeit in Casa Grande/Arizona ein Werk gebaut. Lucid Motors

Für Tesla wird die Luft allmählich dünner. Nachdem der E-Pionier aus Kalifornien lange Zeit allein auf weiter Flur mit seinen Elektro-Modellen stand, holt die Konkurrenz jetzt auf. Nicht nur etablierte deutsche Hersteller wie VW, Audi, Porsche und Mercedes stocken ihr Porfolio um Stromgefüttertes auf. Mit dem Polestar 2 schickt die Elektromarke von Volvo/Geely einen schlagkräftigen Opponenten für das Model 3 auf die Straße. Und auch Lucid Motors (ehemals Atieva) aus Kalifornien will auf die Überholspur und an Tesla vorbeiziehen: Die elektrische Luxuslimousine Air wendet sich dezidiert gegen das Model S, aber auch gegen den Mercedes EQS, der 2021 auf den Markt kommen soll.

Megaschnelle Ladeleistung

Ursprünglich sollte der Air schon im Frühjahr dieses Jahres auf der Autoshow von New York sein Debüt feiern, dem hat Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt ist eine Online-Premiere vorgesehen, die am 9. September zelebriert werden soll.

Wenn das Serienmodell hält, was der Hersteller verspricht, dann leistet der Air tatsächlich Rekordverdächtiges. Die viertürige Limousine soll in einer Minute Strom für 32 Kilometer Strecke ziehen können. Möglich wird die megaschnelle Ladeleistung durch maßgefertigte Lithium-Ionen-Batteriezellen, ein leistungsfähiges Batterie- und Wärmemanagementsystem sowie durch einen extra-effizienten Antriebsstrang - vor allem aber durch die extrem hohe 900-Volt-Elektroarchitektur. Um das einzuordnen: Üblich sind bei Elektroautos - auch bei Tesla - 400 Volt. Ansonsten verfügt der Porsche Taycan über Hochvolttechnik, er arbeitet mit einer 800-Volt-Architektur.

Lucid Air

Air-Interieur: Den Touchscreen im Tablet-Stil kennt man von Tesla, dazu gibt es aber noch weitere Displays. Lucid Motors

An der Haushaltssteckdose lässt sich das schnelle Laden freilich nicht bewerkstelligen. Dazu braucht es eine 350-kW-CCS-Schnellladestation, von denen es in Deutschland derzeit allerdings erst wenige gibt. Sukzessive sollen mehr 350-kW-Säulen verfügbar werden, auch, um dem Porsche Taycan rasch Futter zu geben, der ab nächstem Jahr mit bis zu 350 kW laden kann (derzeit sind es nur 270 kW). Auch Audi e-tron GT oder der bereits erwähnte Mercedes EQS sind 350-kW-Kandidaten.

Wissen muss man freilich, dass sich die Rechnung "eine Minute für 32 Kilometer, zwanzig Minuten für 640 Kilometer" nicht aufmachen lässt. Weil die ultrahohe Stromaufnahme nur kurzfristig erfolgt, sind die elektrischen Reserven nach den besagten zwanzig Minuten "nur" für weitere 483 Kilometer aufgefüllt.

Lucid Air

Liegesitze: Später sollen für den Fond diese "Executive Seats" zu bestellen sein. Lucid Motors

Ähnlich rekordverdächtig wie die Ladeleistung stellt sich die Reichweite dar: 832 Kilometern sollen möglich sein. Dies ergibt sich durch den ungewöhnlich großen Akku der Kapazität 130 kWh. Zum Vergleich: Der Audi e-tron bietet 71 bis 95 kWh, beim Polestar 2 sind es 78 kWh, beim Tesla Model S 100 kWh.

Kann Strom auch abgeben

Und noch eine besondere Kompetenz wird der Lucid Air mitbringen: Er kann Strom nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder ins Netz abgeben und beispielsweise das Haus, das Ferienhaus oder ein anderes Fahrzeug mit Strom versorgen. Die entsprechende bidirektionale Technik nennt sich Vehicle-to-Grid (V2G), Vehicle-to-Everything (V2X) oder Vehicle-to-Vehicle (V2V).

Ansonsten ist über den Lucid Air zu sagen, dass seine beiden Elektromotoren 1000 PS an alle vier Räder transferieren, dass er ein Luftfahrwerk bekommt, in weniger als 2,5 Sekunden von 0 auf 60 mph (umgerechnet 96,6 km/h) sprintet und ein Spitze von über 320 km/h erreicht.

Lucid Air

Bereits reservierbar: Lucid Motors ruft für den Air rund 100.000 Dollar auf. Hersteller

Anfang 2021 sollen die ersten Kundenfahrzeuge ausgeliefert werden. Zu reservieren ist der Lucid Air bereits, aufgerufen werden 100.000 Dollar (umgerechnet rund 84.830 Euro). Die Reservierungsgebühr beträgt 1000 Dollar beziehungsweise 900 Euro für deutsche Kunden.

Der Chef kommt von Tesla

Der Mann, der dem Model S das Leben schwer machen will, kennt sich übrigens bestens aus bei Tesla. Bevor er 2013 zu Lucid Motors stieß, war Firmenchef Peter Rawlinson als Chefingenieur ausgerechnet für das Model S zuständig. Inzwischen hat er wissen lassen, dass der Air nur der erste Streich von Lucid Motors war. Anfang 2023, so sagte Rawlinson dem Portal "Green Car Reports", solle die Produktion eines SUVs starten.

Ulla Ellmer