Bundesliga

Borussia Dortmund: Marco Rose ist der Favorit für die Zukunft

Wie Dortmund nach der Favre-Entlassung plant

Terzics Weg vom Scout zum BVB-Chef - Rose ist der Favorit für die Zukunft

Der eine ist, der andere soll BVB-Trainer werden: Edin Terzic und Marco Rose.

Der eine ist, der andere soll BVB-Trainer werden: Edin Terzic und Marco Rose. imago images

Auf Krisenfälle vorbereitet sein - das ist wichtig für ein Unternehmen, aber auch für einen Fußballverein. Und erst recht, wenn beides - wie im Falle von Borussia Dortmund - zusammenkommt. Und so lautete in den vergangenen Jahren das Ziel der BVB-Verantwortlichen, sich intern für den Fall zu rüsten, dass die sportliche Situation einen Trainer-Wechsel erforderlich macht. Man wollte nicht allein auf externe Kandidaten vertrauen, die dann möglicherweise nicht verfügbar sein würden. Man wollte flexibel reagieren können und den Zeitpunkt selbst bestimmen. Das Ziel war zwar nie, sich vorzeitig von Lucien Favre zu trennen, dessen Vertrag man am Saisonende hätte auslaufen lassen. Sollte Tag X aber eintreten, wollte man umgehend handeln können.

Das 1:5 gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Samstag war dieser Tag X. Zu gravierend war der Zerfall des BVB in den 90 Minuten gegen den in allen Belangen überlegenen Aufsteiger gewesen, als das ein einfaches "Weiter so" gereicht hätte. Zu bedrohlich wirkte der jüngste Abwärtstrend, zu gering schien die Hoffnung auf Besserung in der aktuellen Konstellation. Also reagierten Klubboss Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc und Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl.

Terzic war bereits in Istanbul und London tätig

Das Trio stellte Favre und seinen Assistenten Manfred Stefes am Sonntag frei - und installierte umgehend Edin Terzic, bislang zweiter Co-Trainer im Stab, bis zum Saisonende als neuen Chefcoach. In Enrico Maaßen, der seit Saisonbeginn die U 23 des BVB erfolgreich betreut, hätte sogar noch eine zweite interne Alternative bereitgestanden.

Der 38-jährige Terzic hat sich nicht erst seit seinem Start als Favre-"Co" im Juli 2018 einen exzellenten Ruf bei den Bossen der Borussia erarbeitet. Von 2010 bis 2013 arbeitete der gebürtige Sauerländer bereits für den Klub, damals als Scout und Assistenztrainer an der Seite des heutigen U-18-Nationaltrainers Hannes Wolf im Nachwuchsbereich des BVB. Anschließend startete er seine Wanderjahre: Als Co-Trainer von Slaven Bilic arbeitete er zunächst bei Besiktas in Istanbul, später dann bei West Ham United. In England erwarb Terzic auch die UEFA-Pro-Lizenz.

Aus Respekt vor Favre musste Terzic sich bremsen

Die Ansprache des früheren Regionalliga-Spielers, der unter anderem für Wattenscheid 09 und Westfalia Herne kickte, ist anders als die des eher ruhigen und bedächtigen Duos Favre und Stefes. Er ist emotionaler, direkter, schon allein aufgrund seines Alters näher dran an der Lebenswirklichkeit der Profis. Wirklich ausleben allerdings konnte er das in der bisherigen Konstellation nicht. Insider berichten, Terzic habe sich aus Respekt vor Favre bremsen müssen - und sei, wenn er doch mal vorpreschte, vom Cheftrainer zusätzlich ausgebremst worden. Auch deshalb, weil er grundsätzlich für andere Fußball-Ideen steht als der stets Geduld predigende Favre. Terzic will aggressiven Fußball sehen, er fordert koordiniertes, zupackendes Pressing und ein schnelles Spiel, kein verschlepptes.

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Im Kader kommt er mit diesen Ideen und auch mit seiner Art gut an. Entsprechend wohlwollend nahm es die Mannschaft auf, als die Lösung mit Terzic am Sonntagnachmittag von den Führungskräften des BVB vorgestellt wurde. An seiner Seite soll Toptalente-Trainer Otto Addo noch näher an die Profi-Mannschaft heranrücken. In Sebastian Geppert, der bisher die U 17 des BVB trainierte, stößt zudem ein weiterer Assistent dazu.

Rose soll im Sommer kommen

Terzics Anstellung als Chef ist bis zum Saisonende datiert. Dann soll - so lautet zumindest der aktuelle Plan - ein profilierter und international erfahrener Erstliga-Trainer übernehmen. Als klarer Favorit gilt intern Gladbachs Marco Rose. Dessen aktueller Chef, Sportdirektor Max Eberl, sagte am Samstag im Sportstudio: "Momentan ist er beim richtigen Verein, das soll auch noch lange so bleiben." Man kenne aber ja die Geschichte. Irgendwann kämen die "ganz großen Vereine", um ein offizielles Angebot zu unterbreiten. Es könnte schon sehr bald so weit sein. Nach kicker-Informationen ist Rose im Sommer für den BVB verfügbar - und prinzipiell auch gewillt.

Dabei hätte auch die Idee, einen Trainer aus dem eigenen Stall dauerhaft zu befördern, besonderen Charme - erst recht beim stets für seine im Klub ausgebildeten Toptalente gepriesenen BVB. Die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich so kommt, ist allerdings verschwindend gering.

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Matthias Dersch

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