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Team Liquids Victor Goossens: "Können viel von Sport lernen"

Mitbegründer zur Entwicklung von eSport

Team Liquids Victor Goossens: "Können viel von Sport lernen"

Victor Goosens hat seine Organisation Team Liquid zu einer großen Marke im eSport entwickelt.

Victor Goosens hat seine Organisation Team Liquid zu einer großen Marke im eSport entwickelt. Team Liquid

Wie kann eSport kontinuierlich wachsen? Die Branche wächst stetig, hat jedoch noch einen weiten Weg vor sich, um in Reichweite und monetärer Kraft ebenbürtig mit traditionellen Sportarten zu sein. Was kann eSport also von traditionellem Sport lernen, um die Entwicklung voranzutreiben?

Diese Frage wurde im Rahmen der BMW Esports Boost 2021 an ein Panel von Experten gestellt. Mit von der Partie war auch Victor Goossens, seines Zeichens Mitbegründer der eSport Organisation Team Liquid.

Ligastrukturen nach bekannten Mustern – auch im eSport?

"Wir können viel von Sport lernen", behauptet Goossens. Und das unabhängig von der Diskussion, ob eSport genauso Sport ist wie Fußball oder Basketball.

Für Goossens ist ein wichtiger Punkt, wo das eSport-Geschäft sich an Realsport orientieren kann, die Frage nach Ligastrukturen. Hier sieht der Niederländer einen Aspekt, den Zuschauer im digitalen Sport vermissen.

"Es geht um den Aufbau von Ligastrukturen. Wenn sich Zuschauer Fußball oder Basketball anschauen, gehen sie davon aus, dass dahinter Ligastrukturen stehen." Der allgemeine Zuschauer geht von einem "ganzen Ökosystem" aus, der hinter dem Sport steht. Dies ist im eSport kaum der Fall.

Das liegt unter anderem daran, dass kompetitives Gaming, im Vergleich zu organisiertem Sport noch sehr jung ist. Videospiel-Wettbewerbe müssen sich diese Strukturen also erstmal aufbauen. Daher basieren eSport-Kategorien in der Regel immer noch auf einzelnen, zerstreuten Turnieren, die oft unabhängig von den Publishern und Entwicklern organisiert werden.

Zwar finden sich in vielen Games immer mehr offizielle Top-Wettbewerbe, auf denen der größte Fokus liegt, wie die World Championship in League of Legends oder The International in Dota 2. Dies ist jedoch wie eine Champions League zu haben, ohne im vorlaufenden Jahr einem spannendem und durchorganisierten Ligaverlauf mitzuerleben.

Laut Goossens ist es daher für die Weiterentwicklung von eSport "essenziell, dass Ligastrukturen aufgebaut werden". Dies steht auch im Einklang mit der Diskussion um die kontinuierliche Professionalisierung von eSport, die auch in diesem Panel angeschnitten wurde.

Kreativer Umgang mit Sponsoring und Vermarktung

Einen wichtigen Unterschied zwischen eSport und Realsport sieht Goossens in den Arten, wie monetärer Umsatz generiert wird. Im digitalen Sport sind die Haupteinnahmequellen Sponsoring und Partnerschaften, im traditionellen Sport sind es Medien- und TV-Rechte.

Diese Kluft wird wohl auch erstmal bestehen bleiben: Es ist schwer vorstellbar, dass sich eSport von kostenlosen Plattformen wie Twitch und YouTube lösen und Pay-Per-View oder Abo-Modelle einführen wird.

Doch auch im Bereich Sponsoring sieht Goossens Potenzial für den eSport, etwas aus etablierten Strukturen der Sport- und Unterhaltungsbranchen zu lernen: "Wenn man mit potenziellen Partnern spricht, wie man sich und seinen Wert verkauft, da können wir viel vom Sport lernen."

Der Team Liquid Co-CEO betont dabei jedoch, dass in diesem Bereich schon viel gute Arbeit geleistet wird und der Umgang mit Partnerschaften "kreativer und flexibler" sein soll als im traditionellen Sportgeschäft.

Nichtsdestotrotz bestärkt er die Ambitionen von eSport und dass man, auch im Bereich Vermarktung, über das Erreichte "hinausgehen muss".

Sollte das generelle Wachstum von eSport weitergehen wie bisher, steht ähnlichen Entwicklungen wie es die Realsportarten vormachen, nichts mehr im Weg.

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Faris Delalic