Bundesliga

Wie Freiburgs Spielanlage Stuttgart Probleme bereitete

SC wich von probaten Grundformationen ab - und kombinierte sie

Taktik: Wie Freiburgs variable Spielanlage Stuttgart Probleme bereitete

Lukas Kübler war beim 2:0-Sieg gegen Stuttgart eine Schlüsselfigur im Freiburger Positionsspiel.

Lukas Kübler war beim 2:0-Sieg gegen Stuttgart eine Schlüsselfigur im Freiburger Positionsspiel. imago images/Beautiful Sports

Das seit vielen Jahren unter Christian Streich erprobte 4-4-2 mit hängender Spitze (sehr nah an einem 4-2-3-1 im Angriffsspiel) oder ein seit einigen Spielzeiten praktiziertes 3-4-3 - zwischen diesen beiden Standardsystemen entscheidet sich das Freiburger Trainerteam Woche für Woche. Auf dem Platz sind mit und gegen den Ball ab und an kleinere Änderungen zu sehen, mal ein Zehner statt einer Spitze im 3-4-3, auch mal ein 4-2-3-1 in Phasen ohne Ball wie beim 6:0-Rekordsieg in Gladbach.

Doch beim Spiel gegen Stuttgart am Samstag ließ sich die SC-Formation überraschenderweise gar nicht in ein bekanntes Grundschema pressen. Streich und Co. setzten offensiv wie defensiv auf eine sehr ausgeprägte Variabilität in der Spielanlage - und reagierten damit auch auf das meist asymmetrisch angeordnete 3-4-3 der Stuttgarter mit einem höher postierten rechten Außenspieler (Führich) im Vergleich zu seinem linken Pendant (Sosa).

Günter rückt weit nach vorne

Das Freiburger Personal, dasselbe wie beim 4:1-Pokalerfolg über Hoffenheim am Mittwoch, deutete auf ein 4-4-2 hin, doch auf dem Platz waren deutliche Abweichungen zu beobachten. Im eigenen Aufbau- und Positionsspiel rückte Linksverteidiger Günter weit nach vorne, stand oft sogar höher als Grifo, der sich vom linken Flügel kommend nach innen orientierte und das linke offensive Zentrum besetzte, um sich der gegnerischen Dreierkette zu entziehen. Rechts außen postierte sich Schade oft auf der vordersten Linie mit Zentrumstürmer Demirovic, Höler als so genannte "Neuneinhalb" band entweder zwischen den beiden Kollegen ganz vorne eine weitere VfB-Defensivkraft, oder bot sich im rechten Zehnerraum an.

Für Probleme beim VfB sorgte Freiburg beispielsweise dann, wenn sich Rechtsverteidiger Kübler, der manchmal hinten das rechte Glied einer etwas nach rechts verschobenen Dreierkette bildete, über die Außenbahn mit in die Offensive einschaltete. Dann ließ sich Sechser Nicolas Höfler zum Dreieraufbau mit den Innenverteidigern Lienhart und Schlotterbeck nach hinten fallen und Achter Eggestein allein im Zentrum. So entstand etwa die erste Freiburger Großchance in der 28. Minute.

Zuordnungsprobleme beim VfB

Höfler passte auf Eggestein, der schickte Kübler mit einem langen Ball zur Grundlinie, dessen Hereingabe setzte dann der nachgerückte Grifo freistehend übers Tor. Da Stuttgarts linker Außenspieler Sosa schon durch Schade gebunden war, war öfter Dribbler Tibidi gefordert, die eher ungewohnten Wege mit Kübler nach hinten mitzugehen, was ihm nicht immer gelang. Kübler hatte auch Eggesteins frühe Kopfballgelegenheit (5.) über einen Lauf zur Grundlinie mit eingeleitet. Der SC sorgte somit rechts und auch links, wo sich Mavropanos, Endo und Führich nicht immer einig waren, wie sie Grifo und Günter aufnehmen sollten, für Zuordnungsprobleme beim VfB.

Die etatmäßige Offensivkraft Schade deckte darüber hinaus die gesamte rechte Bahn ab. Gerade nach der Führung und während einiger VfB-Ballbesitzphasen ließ sich der U-21-Nationalspieler als Gegenspieler von Sosa auf die letzte Defensivlinie fallen und verbreiterte sie zu einer Fünferkette. Besonders diese kompakte 5-2-3-Fomation vermochten die Gäste nicht zu knacken.

Letztlich gewann die Freiburger das Spiel natürlich auch dank einer Portion Glück in der Schlüsselminute vor der Führung - die sehr variable, so ähnlich auch schon im Pokal in Sinsheim praktizierte, Spielanlage war jedoch definitiv ein positiver Faktor. Vor allem, weil sie von den SC-Profis diszipliniert, engagiert und mit kernigem Zweikampfverhalten umgesetzt wurde, beispielsweise im effektiven Gegenpressing.

Der Kader des SC Freiburg auf einen Blick

Carsten Schröter-Lorenz

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