3. Liga

SVWW-Rekordtrainer Rüdiger Rehm kritisiert Entlassungen in der 3. Liga

Wiesbadens Coach feiert vierjähriges Jubiläum

SVWW-Rekordtrainer Rehm kritisiert Entlassungen in der 3. Liga

Rüdiger Rehm ist seit vier Jahren fester Bestandteil des SV Wehen Wiesbaden.

Rüdiger Rehm ist seit vier Jahren fester Bestandteil des SV Wehen Wiesbaden. imago images

Es gibt sie doch noch, die langfristigen Bindungen im Profifußball. Man muss nur einen Blick in die hessische Landeshauptstadt werfen: Rüdiger Rehm ist so etwas wie der Christian Streich der 3. Liga. Bereits Ende Januar feierte Rehm die erste Bestmarke: Am 24. Januar war der 42-Jährige genau seit 1441 Tagen im Amt - länger war bislang niemand Coach des SVWW. Damit löste er Djuradj Vasic als Rekordtrainer ab.

Am 13. Februar 2017 unterschrieb der gebürtige Heilbronner einen Vertrag bei den Hessen, die damals auf einem Abstiegsrang standen. Dieser Tag jährt sich am Samstag nun bereits zum vierten Mal - er beschreibt eine Erfolgsgeschichte. Das erste Spiel gegen den FSV Zwickau konnte Rehm prompt gewinnen und führte den SVWW noch auf den 7. Platz in der Abschlusstabelle. Nach knapp verpasstem Aufstieg in der folgenden Saison (Platz vier) folgte durch den Sieg im Rückspiel in der Relegation gegen den FC Ingolstadt der Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Kontinuität auch nach Abstieg

"Die Zeit ging brutal schnell rum. Wir haben unglaublich viel erlebt, viele positive Seiten, aber auch etwas Negatives", erinnert sich Rehm. "Das gehört aber auch zum Leben dazu - vor allem, wenn man über so einen großen Zeitraum miteinander arbeitet." Wiesbaden hielt auch nach dem direkten Wiederabstieg an seinem nicht unumstrittenen Trainer fest - durchaus eine Seltenheit im heutigen Profigeschäft.

Ich wünsche mir von vielen Vereinen da mehr Ruhe, Gelassenheit und Weitsicht - und nicht immer diesen kurzfristigen Moment, wenn mal zwei, drei Spiele nicht so funktionieren.

Rüdiger Rehm

"Ein Trainer wird immer an Erfolg und Ergebnissen gemessen, aber man braucht natürlich auch eine gewisse Zeit, um eine gewisse Philosophie und Struktur reinzubringen. Das geht nicht innerhalb von drei, vier Monaten", so der 42-Jährige. Viele Trainer-Entlassungen hält er deshalb oft für übereilt. Erst am Dienstag verkündete Türkgücü die Trennung von Alexander Schmidt, wenig später trat Thomas Hoßmang in Magdeburg freiwillig zurück. Beide Trainer hatten ihre Vereine erst im Sommer übernommen. "Ich wünsche mir von vielen Vereinen da mehr Ruhe, Gelassenheit und Weitsicht - und nicht immer diesen kurzfristigen Moment, wenn mal zwei, drei Spiele nicht so funktionieren", erklärte Rehm.

Aufstiegsplätze in Reichweite

Auch in der laufenden Saison klappte für den Absteiger nicht alles auf Anhieb: Lange befanden sich die Hessen im Niemandsland der Tabelle - doch nun zählt der SVWW nach sieben ungeschlagenen Drittligaspielen (3/4/0) in Folge als Fünfter (drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz) wieder zum Kreis der Aufstiegsaspiranten. "Ich glaube, dass wir insgesamt immer noch auf einem sehr guten Weg sind", so der Trainer. "Jetzt nach vier Jahren kann man schon sagen, dass wir den Weg eingeschlagen haben, den wir auch wollen." Das Festhalten an Rehm hat sich Stand jetzt also gelohnt - und könnte möglicherweise sogar mit dem direkten Wiederaufstieg belohnt werden.

kon

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