Champions League

Kommentar zur Super League: Vorsicht, süßes Gift!

Kommentar zum Frontalangriff auf die Champions League

Super League: Vorsicht, süßes Gift!

Die Super League ist ein Frontalangriff auf die Champions League.

Die Super League ist ein Frontalangriff auf die Champions League. imago images

Zwölf der größten und reichsten Klubs sind am späten Sonntagabend aus dem stillen Kämmerlein getreten und haben offiziell wie nie zuvor konkrete Pläne für eine europäische Superliga vorgelegt.

Nach jahrelang wiederholten Geheimtreffen, die mehr oder weniger bewusst in die Öffentlichkeit lanciert wurden, liegen - man möchte fast rufen: endlich - die Karten auf dem Tisch. Es geht nicht mehr nur um Drohungen, ja: Erpressungsversuche, um bei der nächsten Europapokal-Reform die Reichen noch reicher zu machen. Es geht darum, den Wettbewerb und damit das Geschäft in die eigenen Hände zu nehmen.

Bleibt noch Raum und Zeit für eine Bestandsaufnahme?

Hat die Fußballwelt damit nicht längst gerechnet? War es nicht doch bloß eine Frage der Zeit, bis dieser Tag kommen würde? Bedeutet das jetzt den Untergang des Abendlandes? Oder ist noch Zeit und Raum für eine nüchterne Bestandsaufnahme?

Nach dem Europapokal der Landesmeister und der Champions League mit mehr als den nationalen Meistern taucht am Horizont ein neues Format auf: eine Eliteliga, die Formel 1 der Kickkünstler.

Finanziers der Topklubs wollen Sicherheiten und das Scheinargument Corona

Das vorgesehene Modell hat viel von einer geschlossenen Gesellschaft, einer Setzliste. Die Reals und Juves, die Unternehmungen US-amerikanischer Investoren wie Manchester United oder FC Liverpool gehen "all-in" - und letztlich konsequent den Weg weiter, den das Fußball-Volk heute schon beklagt: nämlich dass die Topteams ohnehin bereits in einer eigenen Liga spielen. Diese Klubs und ihre Finanziers wollen Sicherheiten, sie wollen die Unwägbarkeiten, die dem ehrlichen Sport innewohnen wie den Abstieg oder eine Nicht-Qualifikation, minimieren. Um den maximalen Gewinn zu erzielen.

Das Argument, den Folgen der Corona-Krise begegnen zu müssen, ist ein Scheinargument und ein Schlag ins Gesicht all der mittleren und kleinen Vereine auf diesem Kontinent, die unter der Pandemie leiden.

Kurz vor den vermeintlich entscheidenden Sitzungen der UEFA heute und morgen ist das im Poker um viele Milliarden Euro ein Frontalangriff auf die Champions League mit noch nicht ganz absehbaren Folge für die nationalen Ligen wie die Bundesliga.

Die Fans laufen Sturm - auch die einiger Giganten, die sich ihrer Sache offenbar sehr sicher sind. Juristisch gibt es durchaus die Perspektive, dass FIFA oder UEFA kein Monopol auf Wettbewerbe besitzen.

Neue globale Kunden-Generationen versus leidenschaftliche Fans zuhause

Marketingmäßig kalkulieren diese Klubs brutal kühl: Globalisierung und Digitalisierung haben ihnen jeweils eine "Fanbase" auf dem gesamten Planeten ermöglicht. Die neuen Kunden-Generationen erscheinen ihnen mindestens so wertvoll wie der leidenschaftliche Fan zuhause, wenn nicht noch wertvoller.

Etliches ist noch offen: Wer genau sind die Investoren hinter diesem Geschäftsmodell? Welche drei Klubs fehlen noch zu den "Big 15"? Sind es doch PSG, der FC Bayern und der BVB, die sich (noch) zurückhalten?

Vielleicht weil die katarischen Besitzer des Pariser Klubs einen weiteren Imageschaden jetzt gerade nicht gebrauchen können? Und weil gerade in Deutschland der Gegenwind von Fanorganisationen so kräftig ist wie in keinem anderen Land?

Von allem nur den Superlativ - und natürlich Solidaritätszahlungen

Die schillerndsten Klubs, die größten Stars, die besten Teams, der attraktivste Sport, das heißt auch: die höchsten Gehälter, die gewaltigsten Transfers, das meiste Geld, die größte Macht. Bedeutet das auch in Zukunft die besten Einschaltquoten?

Verpackt wird das süße Gift mit Versprechen: mehr "Solidaritätszahlungen" an die kleineren Klubs und bald auch eine Super League der Frauen. Selbstverständlich ist das mit höchster Vorsicht zu genießen!

Wohin also geht die Reise? Es heißt, Reisende soll man nicht aufhalten. Sollen sie doch ihr Ding machen! Am Ende wird das Publikum entscheiden.

Wenn es so einfach wäre! Der Fußballfreund findet sich in einem klassischen Dilemma wieder: zwischen Herz und Verstand.

Zumal er weiß: diese Katze ist ein Raubtier.

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