Bundesliga

Streich über den SC, Corona, Boykotte im US-Sport und Autokraten

Freiburgs Trainer bezieht Stellung

Streich über den SC, Corona, Boykotte im US-Sport und Autokraten

Klare Meinung: Freiburgs Trainer Christian Streich.

Klare Meinung: Freiburgs Trainer Christian Streich. imago images

Christian Streich sprach zum Ende des zehntägigen Trainingscamps im österreichischen Schruns über ...

... sein generelles Fazit nach dem Trainingslager: "Die Jungs waren sehr engagiert und konzentriert im Training, die Jungen haben es gut gemacht, aber sie haben es auch nicht schwer, sind gleich voll integriert. Wenn sie Dinge gut machen, kriegen sie sofort ein Lob von etablierten Spielern. Es gibt keine Ausgrenzung wie früher und sicherlich auch an anderen Orten, wo einige Spieler Claims abstecken und keinen reinlassen. Die Älteren fühlen sich hier auch verantwortlich für die Entwicklungen der Jungen. Es war auch genug Leichtigkeit drin, wir haben genug Erholungsphasen gekriegt, um den Akku aufzutanken. Ich bin sehr zufrieden, wir hatten Glück mit dem Wetter, die Rahmenbedingungen in Schruns sind super. Wir fühlen uns hier wahnsinnig wohl, es ist ein guter Ort und es gehört für die Leute hier im Sommer auch dazu, dass wir im Ort mit dem Fahrrad rumgurken."

Es gehört für die Leute hier im Sommer auch dazu, dass wir im Ort mit dem Fahrrad rumgurken.

Christian Streich

... den Wechsel von Robin Koch zu Leeds United: "Positiv, dass wir gewisse Einnahmen tätigen konnten, aber wir verlieren Qualität, fußballerisch und in nicht unerheblichem Maße in Sachen Athletik und Körperlichkeit. Er ist ein guter Fußballer, und war auch flexibel, kann die Innenverteidiger- und Sechserposition spielen. Auf Strecke wird er sicher ein sehr guter Innenverteidiger werden, das ist klar. Aber wir haben ihn auch auf der Sechs gebraucht."

... über die Ausleihkandidaten Mohamed Dräger, Brandon Borrello und Woo-Yeong Jeong: "Die Jungs brauchen Perspektiven, dass sie zum Spielen kommen. Brandon hat Qualität und gut trainiert. Zwischendurch war es letzte Saison schwierig, weil er wenig gespielt hat. Bei ihm und Mo Dräger schauen wir nach Vereinen, wo sie häufiger zum Einsatz kommen. Woo-Yeong hat eine gute Entwicklung gemacht, steht körperlich nochmal anders da. Er ist eh ein sehr guter Junge, sehr fleißig und ist mittendrin in der Mannschaft, ich bin sehr zufrieden mit ihm. Er soll hier bei uns bleiben."

... die Lage in der Mittelfeldzentrale: "Im zentralen Mittelfeld fehlt mindestens ein Spieler, der noch kommen soll. Lino Tempelmann war Ende letzter Saison verletzt und ist jetzt angeschlagen. In der Offensive müssen wir schauen, wie wir die Kreativität von Luca Waldschmidt kompensieren, die Torgefährlichkeit, Flexibilität, seine Positionen. Janik Haberer konnte vieles spielen, Mike Frantz, Robin Koch, die beide weg sind. Wir müssen schauen, wie wir das kompensieren können, auch über gute Entwicklungen von Spielern. Zu Haberer kann ich nicht mehr sagen, weil ich nicht mehr weiß, aber es kann sein, dass er am Ende der Transferphase nicht mehr bei uns ist."

Günter neuer Freiburg-Kapitän - Was der SC noch sucht

alle Videos in der Übersicht

... seine Saisonprognose: "Ich würde mal so sagen, wenn wir in der Liga bleiben, wäre ich nicht unglücklich. Das ist meine Prognose. Die kennen Sie ja schon, aber sie können sie gerade wieder schreiben, weil sie stimmt wieder. Ich könnte gar nichts anderes sagen. Doch, ich kann natürlich auch sagen, wir würden gerne Sechster werden, das stimmt auch."

Wenn wir in der Liga bleiben, wäre ich nicht unglücklich. Ich könnte gar nichts anderes sagen. Doch, ich kann natürlich auch sagen, wir würden gerne Sechster werden, das stimmt auch.

Christian Streich

... den statistischen Vorteil für Auswärtsteams in Stadien ohne Zuschauer: "Es spielt eine Rolle, weil drumherum nichts ist, aber es spielt keine Rolle, wie wir Fußball spielen wollen. Mit Zuschauern würden wir nicht defensiver oder offensiver spielen als mit. Die Rahmenbedingungen sind andere und offensichtlich hilft das den Mannschaften, die auswärts spielen, statistisch gesehen signifikant. Das ist das das Ergebnis der neun Spiele nach dem Re-Start. Schauen wir mal, wie sich das weiterentwickelt, aber natürlich ist es für alle unruhiger mit Zuschauern, für Schiedsrichter und auch Spieler. Aber es gibt auch Mannschaften, die schon vor Corona daheim wenig gewonnen haben, weil der Druck hoch war, weil erwartet wurde, dass du daheim gewinnst, das kann immer in beide Richtungen gehen. Jetzt ist die Tendenz, dass ohne Zuschauer auswärts erfolgreicher gespielt wird."

... die politische Richtlinie, in der Bundesliga zunächst weiter keine Zuschauer in die Stadien zu lassen: "Ich finde es richtig, weil es Leute gibt, die studiert haben und seit zehn, 20 oder 30 Jahren ihrem Beruf nachgehen, sich einer menschlichen Ethik verschrieben haben, mit einem Schwur verbunden - wem soll ich sonst vertrauen? Ich meine Mediziner und die Politiker werden beraten von Medizinern in unserem Land, das ist in anderen Ländern anders. Da gibt es Menschen, die so dermaßen unverantwortlich sind - man muss fast schon von geistig nicht mehr zurechnungsfähig sprechen - die sich anmaßen zu bestimmen, welche Maßnahmen ergriffen werden, ohne Ärzte hinzuzuziehen und dafür tausende und zehntausende Menschen sterben. Ich will jetzt nicht von Mördern reden, aber eigentlich sind es Mörder. Bei uns ist das zum Glück anders. Wem soll ich sonst vertrauen, als diesen Menschen? Sicherlich nicht mir, der keine Ahnung hat von Virologie, weil ich es gar nicht beurteilen kann, weil ich jeden Tag auf dem Kickplatz stehe. Das einzige, was wir machen können, ist, diesen ganzen unsäglichen Verschwörungsgeschichten, die natürlich für manche Menschen spannend sind, aber die seriöse Herangehensweise von Medizinern und Politikern torpedieren, eigene Geschichten entgegenzustellen und positive Sachen darzustellen. Zum Beispiel, wie geholfen wurde, welche Solidaritäten entstanden sind, wie positiv viele Menschen in der Krise miteinander umgehen."

... die Lage der Menschen in Norditalien und im Elsass: "Gehen Sie mal nach Como oder Bergamo, schauen Sie mal, unter welchem Schock die Menschen dort noch stehen. Ich war vor ein paar Wochen in der Nähe von Como, da gibt es nicht viele Familien, die nicht im engeren oder weiteren Kreis betroffen waren. Oder im Elsass. Das ist schrecklich, was da passiert ist. Da sind viele Leute gestorben, die keinen Arzt gesehen haben innerhalb von ein paar Tagen. Das weiß ich nicht aus der Zeitung, sondern habe es persönlich von Leuten erfahren, die Angehörige verloren haben. Weil wir gesehen haben, wie an anderen Orten das Virus eingeschlagen ist, haben wir in Deutschland Maßnahmen getroffen und gewisse Dinge relativ gut überstanden. Daher habe ich absolutes Vertrauen, dass bei uns verantwortungsvoll gehandelt wird."

... die Einschränkungen der Corona-Krise für ihn selbst: "Ich hatte ein paar Einschränkungen, aber im Großen und Ganzen, verglichen mit vielen anderen Menschen, ging es uns perfekt. Ich hatte bis jetzt vollständiges Glück in unserer Familie, auch gesundheitlich, deswegen kann ich nicht sagen, dass ich unter irgendetwas gelitten hätte - das wäre Hohn."

Proteste und Boykotte im US-Sport: "Das ist extrem wichtig"

... den Boykott vieler US-amerikanischen Athletinnen und Athleten sowie Sportligen wegen der anhaltenden Polizeigewalt im Land: "Das was dort passiert, ist extrem wichtig. Es überrascht mich in letzter Konsequenz nicht, dass sich jetzt auch viele weiße Mitbürger und Spieler in vielen Sportarten bekennen. Das ist extrem wichtig, weil es letztlich um Leben und Tod geht, um Gewalt und Mord, elementare Menschenrechte, die missachtet werden. Davor kann man nicht die Augen verschließen. Deshalb ist es total wichtig, was gerade passiert, weil diese Leute in dem Land dort gehört werden."

... die zunehmende Zahl an Nationen auf der Welt, die autokratisch regiert werden: "Das Problem ist, dass wir in der Welt eine Tendenz haben, dass sich leider wieder ein gewisser Teil der Menschen nach autoritären Strukturen sehnt, auch wenn diese sie letztlich in ihrer Freiheit einschränken. Das ist mit Blick auf die Geschichte ein Phänomen, dass immer wieder passiert und leider gerade an vielen Orten der Welt stattfindet. Dass die Leute nach großen Figuren suchen, die sagen, wo es langgeht, aber eigentlich nur auf ihren eigenen Profit aus sind und menschenverachtende Maßnahmen ergreifen. Das ist leider in vielen Ländern der Welt gerade der Fall."

Aufgezeichnet von Daniela Frahm und Carsten Schröter-Lorenz

Wer soll kommen, wer könnte gehen? So planen die Bundesligisten