Bundesliga

SC Freiburg: Christian Streich und das Problem in der Schaltzentrale

Was bleibt, ist die Hoffnung auf Steigerung bei Santamaria und Höfler

Streich und das Problem in der Schaltzentrale

Christian Streich ist seit Dezember 2011 Cheftrainer des SC Freiburg.

Christian Streich ist seit Dezember 2011 Cheftrainer des SC Freiburg. Getty Images

Zehn Millionen Euro hat der SC im Sommer für Baptiste Santamaria bezahlt, um die Abgänge von Robin Koch (Leeds United, spielte Innenverteidiger und Sechser beim SC) und Mike Frantz (Hannover, spielte 2019/2020 nur noch selten) sowie das anhaltende Fehlen von Janik Haberer (Wadenbeinbruch und Syndesmoseanriss) im zentralen Mittelfeld mit der Verpflichtung einer neuen potenziellen Stammkraft aufzufangen. Nach vielversprechendem Debüt gegen Wolfsburg und vereinzelt guten Ansätzen, lässt sich nach sieben Einsätzen jedoch festhalten: Der Franzose fremdelt noch mit der Bundesliga.

Trotzdem erklärte Sportdirektor Klemens Hartenbach vergangene Woche im kicker: "Er befindet sich noch in einem Prozess der Eingliederung und Gewöhnung an den deutschen Fußball, hat außer in Berlin schon eine gute Ballsicherheit gezeigt. Wir sind froh, dass er bei uns ist." Das unerwartet heftige Leistungstief der langjährigen Stammkraft Nicolas Höfler, der mit Santamaria die Doppelsechs bilden soll, trug und trägt derweil nicht zur Stabilisierung des Sommerzugangs bei.

Hartenbach ist "vollständig von diesem Duo" überzeugt

"Schade, dass Chicco Höfler bisher einige Fehler gemacht hat", sagte Hartenbach vor dem Wochenende: "Trotzdem sind wir vollständig von diesem Duo auf der Sechs überzeugt". Das ist die grundsätzlich vorgesehene Besetzung. Dennoch war es von Streich unerlässlich und überfällig, den von ihm hoch geschätzten Höfler gegen Mainz erstmals nicht für die Startelf zu nominieren, um den Teamkollegen zu zeigen, dass das Leistungsprinzip auch für etablierte Stammspieler gilt.

Die Ersatzlösung Lino Tempelmann erwies sich gegen Mainz allerdings als Fehlgriff. Der 21-Jährige, der zuvor in Leipzig im ungewohnten 3-5-2-System als dritter zentraler Mittelfeldspieler vor Santamaria und Höfler eine ordentliche Leistung gezeigt hatte, war gegen die pressingstarken und schnellen Offensivspieler der Gäste schlichtweg überfordert, kam erst gar nicht in die Zweikämpfe und wurde obendrein von den Kollegen oft im Stich gelassen. Er wirkte zu langsam. Da Tempelmann mit 33,04 km/h jedoch den drittbesten Topspeed im Kader hinter Christian Günter (34,92) und Woo-Yeong Jeong (34,25) aufweist, lag es vor allem an mangelnder Handlungsschnelligkeit und Erfahrung im Stellungsspiel.

Tempelmann nutzte seine Chance gegen Mainz nicht

Was bewog Streich zu dieser personellen Maßnahme? "Tempelmann hat in Leipzig gut gespielt und es war einfach an der Zeit, dass der Chicco jetzt mal draußen war, weil wir einen Weg suchen, dass er zu alter Stärke zurückfindet", erläuterte der Trainer und fand: "Die zweite Halbzeit war der erste Schritt in die richtige Richtung, als der Chicco wieder gespielt hat." Obwohl Höfler erneut unnötige Fehler (Pass ins Seitenaus ohne Bedrängnis, Brustablage zum Gegner, aus der eine gefährliche Umschaltsituation entstand) unterliefen, wurde der in den ersten 45 Minuten desolate SC-Auftritt nach der Pause mit ihm als ordnendes Element auf der Sechs besser und strukturierter. Das lag jedoch auch an Mainz, das mit der 3:0-Führung im Rücken nicht mehr viel investierte.

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In Augsburg deutet vom Start weg also wieder viel auf das Duo Höfler/Santamaria hin. Das hat viel mit den Alternativen zu tun. Tempelmann verdiente sich seine Chancen im Training, setzte aber vor allem die gegen Mainz in den Sand. Mit den Trainingsleistungen des zu Saisonbeginn im Sechserrennen gut positionierten und zur U 21 berufenen Yannik Keitel (20) war Streich zuletzt nicht zufrieden.

Der dritte Youngster, Carlo Boukhalfa (21), ist offiziell noch bei der U 23 beheimatet, trainiert fest bei den Profis und bot schon gute Testspielauftritte, scheint aber nicht in der Form zu sein, dem SC in der aktuell schwierigen Lage in der Bundesliga zu helfen.

Abrashi spielt auch wegen einer Verletzung noch keine Rolle

Das konnte auch Amir Abrashi (30) noch nicht. Der Routinier hat schon 56 Bundesliga-Einsätze absolviert und als mit Zweikampfgift ausgestatteter "Kettenhund" immer mal wieder seinen Wert fürs Team unter Beweis gestellt, kommt seit Sommer aber nur auf zwei Jokerminuten und zwei weitere Kadernominierungen. Im Oktober durfte er deswegen komplett mit Albaniens Nationalteam unterwegs sein, um Spielpraxis zu sammeln. Wegen der anschließenden Pflichtquarantäne fiel er als Option für das folgende Heimspiel gegen Bremen aus und fehlte für ihn bittererweise danach zwei Wochen wegen einer Muskelverletzung.

Um durch Spielpraxis den Rückstand aufzuholen, reiste er auch im November mit Albanien durch Europa, stand etwa beim Nations-League-Sieg gegen Kasachstan (3:1) in der Startelf.. Danach das gleiche Spiel: Pflichtquarantäne, keine Option im Heimspiel gegen Mainz. Jetzt muss Abrashi gesund bleiben und sich dem Trainerteam mit seinen Qualitäten als Alternative aufdrängen.

Was bleibt bis dahin für Streich und Co.? Vor allem die Hoffnung, dass sich Höfler und Santamaria schnell steigern und wenigstens mit Verzögerung zum geplanten verlässlichen Anker-Tandem für die gerade insgesamt schlingernde Mannschaft werden.

Carsten Schröter-Lorenz

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