Bundesliga

Streich: "Ich möchte nie jemanden beim Guten-Tag-Sagen vergessen"

Freiburgs Trainer zum 10-jährigen Jubiläum im großen kicker-Interview

Streich: "Ich möchte nie jemanden beim Guten-Tag-Sagen vergessen"

Zehn Jahre als Cheftrainer auf der der Bank der Freiburger Profis: Christian Streich.

Zehn Jahre als Cheftrainer auf der der Bank der Freiburger Profis: Christian Streich. AKE

Am Mittwoch, dem 29. Dezember, arbeitet Christian Streich seit zehn Jahren als Cheftrainer des SC Freiburg. Ein stolzes Jubiläum des 56-Jährigen, der in puncto Trainer-Dynastien längst auf den Spuren großer Vorgänger wie Hennes Weisweiler (über elf Jahre in Gladbach), Thomas Schaaf und Otto Rehhagel (beide über 14 Jahre bei Werder Bremen) sowie Volker Finke wandelt, dessen 16 Jahre währende Tätigkeit in Freiburg nach wie vor den Rekord im deutschen Profifußball bedeutet.

So lange wie Finke? Streich sagt bestimmt "Nein"

Streich sagte mal, 16 Jahre seien für ihn nicht vorstellbar. An seinem Fünfjährigen konnte er sich auch keine weiteren fünf Jahre am Stück vorstellen. Ist der Finke-Rekord jetzt also doch vorstellbar? "Nein", sagt Streich im ausführlichen, achtseitigen kicker-Interview (Montagsausgabe). Und was fällt ihm zu den zehn Jahren ein? "Brutal. Wahnsinn." Typische Streich-Wortwahl.

Ist diese Dekade schnell vorbeigegangen? "Im Rückblick schon, währenddessen nicht", findet der Fußballlehrer, bei dem das Fass der Erinnerungen längst übergelaufen ist: "Es sind so unzählige Sachen passiert. Ich habe so viele Dinge in meinem Kopf abgelegt, die nicht da sind, aber wenn einer auf den Kopf drücken würde oder ich sehe einen Ex-Spieler aus einer bestimmten Zeit, kommt alles wieder zum Vorschein. Man erlebt so viel, das muss man echt irgendwo hinpacken. Ich weiß gar nicht, wo das alles ist, ich habe zwar einen großen Kopf, so groß ist er aber auch wieder nicht."

Man erlebt so viel, das muss man echt irgendwo hinpacken. Ich weiß gar nicht, wo das alles ist, ich habe zwar einen großen Kopf, so groß ist er aber auch wieder nicht.

Christian Streich

"Menschen, die gerne kommen" und "unzählige enge Verbindungen"

In jedem Fall ist Streich ein Charakterkopf, der zusammen mit seinem Trainerteam exzellente Arbeit leistet, die aktuell vorerst in der besten Halbserie unter seiner Regie und Hinrundenplatz 3 gipfelte. Die größte Errungenschaft von ihm und seinen Mit-Trainern? "Dass wir neun Zehntel der Zeit in der Bundesliga gespielt haben und im Jahr nach dem Abstieg Meister geworden sind. Wir hatten Erfolg im Rahmen der Möglichkeiten des SC Freiburg und spielen so Fußball, dass die Menschen gern zu uns ins Stadion kommen." Was ihm darüber hinaus besonders wichtig ist: "Wir haben über die Jahre ein sehr gutes Verhältnis zu den Jungs. Da sind unzählige enge Verbindungen und Freundschaften entstanden, zwischen den Physios, Spielern, uns Trainern und weiteren engen Mitarbeitern. Wir sind und waren immer eine Gemeinschaft. Dieser Begriff ist leicht ausgesprochen, Gemeinschaft im positiven Sinne zu leben ist aber nicht so einfach."

Das nicht unkomplizierte Leben im Rampenlicht

Trotz dieser Gemeinschaft nehmen große Teile der Öffentlichkeit Streich als Gesicht des SC Freiburg wahr, er steht im Rampenlicht. Schon in seiner Anfangszeit räumte er ein, diesen Job auch aus Eitelkeit auszuüben, um Anerkennung für die Leistungen zu erhalten. Mit Lob und Komplimenten, gerade auch von Gegnern, werden er und der SC seit Jahren förmlich überschüttet. "Es gibt Gründe, warum es in den letzten Jahren, respektive Jahrzehnten, also auch vor mir, gut lief. Das sehen die Leute, und es ist schön, wenn sie einen loben", freut sich Streich, dem es allerdings lieber wäre, weniger im Fokus zu stehen.

"Wenn man eine öffentliche Person ist, hat man nie einen ganz ruhigen Puls. Ich zumindest nicht", verrät der SC-Coach, "weil ich zum Beispiel nie jemanden beim Guten-Tag-Sagen vergessen möchte. Das ist auch anstrengend und zehrt. Man muss aufpassen, was man sagt, wobei ich nicht wahnsinnig aufpasse, was ich sage - zum Glück. Aber wahrscheinlich passe auch ich immer mehr auf. Das Rampenlicht ist mir immer noch manchmal fremd und der Umgang mit Medien und den Erwartungen ist nicht unkompliziert."

Was sich in den zehn Jahren verändert hat - bei ihm selbst, in der Bundesliga, beim SC und im privaten Bereich, warum er bei Kameras in der Kabine nach wie vor emotional wird, wann Schluss ist mit dem Trainerjob, ob er sich eine Tätigkeit ohne Fußball vorstellen kann, welchen Luxus er sich gönnt, wie er über seinen Status als Millionär denkt, wie Spielerweiterentwicklung konkret funktioniert und worin er selbst besser geworden ist - lesen Sie das große Jubiläumsgespräch mit Streich im aktuellen kicker (Montagsausgabe - oder am schon am Sonntagabend im eMagazine).

Carsten Schröter-Lorenz

Streich schon auf Platz 6: Trainer mit den meisten Spielen für einen Klub