Europa League

Streich: "Die im Stadion sind mehr wert"

Corona-positiver SC-Coach vertraut seinen Kollegen - zwei Co-Trainer ebenfalls erkrankt

Streich: "Die im Stadion sind mehr wert"

Freiburgs Coach Christian Streich will nicht übertreiben, "mit dem Versuch, anwesend zu sein."

Freiburgs Coach Christian Streich will nicht übertreiben, "mit dem Versuch, anwesend zu sein." IMAGO/Jan Huebner

Ende August 2018 hatte Christian Streich zum ersten Mal auf der Bank gefehlt, seit er in der Winterpause der Saison 2011/12 die erste Mannschaft der Freiburger übernommen hat. Wegen eines Bandscheibenvorfalls verpasste er die ersten beiden Bundesligaspiele der Saison gegen Frankfurt und Hoffenheim, die der Sport-Club beide verloren hat. Für Streich übernahm damals federführend Co-Trainer Lars Voßler, der aber derzeit genauso Zuhause sitzt wie Streich und Co-Trainer Florian Bruns. Alle drei wurden positiv auf Corona getestet. Bei Streich schlug der Test am Mittwochmorgen an. Er habe Kopf- und Halsschmerzen und fühle sich "nicht sonderlich kraftvoll", berichtete er in der Pressekonferenz - digital zugeschaltet aus seiner Küche.

Voßler hatte schon beim Heimsieg am Samstag gegen Mainz gefehlt, so dass es eine kleine Chance gibt, dass er zurückkehren kann. Übrig bleiben derzeit noch Co-Trainer Patrick Baier sowie Verbindungstrainer und Ex-Kapitän Julian Schuster, die wohl auf der Bank sitzen würden, falls sich an der aktuellen Situation nichts ändert, erklärte Streich. Wird Voßler rechtzeitig negativ getestet, würde Baier wohl wie üblich seinen Platz auf der Tribüne einnehmen, um von dort die Analyse zu machen und in der Pause Hinweise zu geben.

Der Chefcoach will es in jedem Fall "nicht übertreiben mit dem Versuch, anwesend zu sein und zu helfen", schließlich sehe man am Fernseher viel weniger als im Stadion, "die im Stadion sind mehr wert". Allerdings muss der 57-Jährige erst noch herausfinden, wie er das Spiel im eigenen Heim überhaupt empfangen kann, gab er zu. Angesichts der eingespielten und erfolgreichen Mannschaft gibt sich Streich jedoch zuversichtlich: "Es ist alles besprochen, die taktische Ausrichtung ist klar, die Mannschaft ist stabil, von daher gibt es keine Probleme."

Streich: "Es ist alles besprochen, die taktische Ausrichtung ist klar, die Mannschaft ist stabil

Und wenn es ihm morgen nicht wesentlich schlechter geht, will er sich vor dem Spiel gegen Nantes kurz in die Kabine zuschalten lassen. Auch um noch ein bisschen was zu sagen "zum letzten Spiel, zum letzten Video und zwei, drei Hinweise" geben. "Es tut sicher gut, wenn der Trainer ein paar Worte an uns richtet", sagte Mittelfeldspieler Nicolas Höfler, der allein zwischen Pressesprecher und Übersetzer auf dem Podium saß. "Aber wir wissen, dass wir performen müssen, und wir sind auch heiß." Schließlich kenne die Mannschaft die gute Ausgangslage nach zwei Siegen zum Auftakt in der Europa League. Als Tabellenzweiter der Bundesliga gehe der Sport-Club zudem "mit breiter Brust" in die Partie gegen Nantes, auch wenn das Team Streich gerne dabei gehabt hätte. "Klar wird uns der Trainer fehlen mit seiner Art und Weise, wie er uns am Spielfeldrand und in der Kabine pusht", sagte Höfler, "aber wir wollen als Mannschaft zeigen, dass wir die Qualität haben, solche Spiele auch ohne ihn durch unsere Überzeugung auf dem Platz zu gewinnen."

Im Gegensatz zu den Freiburgern hatten die Franzosen keinen guten Saisonstart und hängen nach der jüngsten 1:4-Niederlage in Monaco im Tabellenkeller der Ligue 1 fest. In der Europa League folgte einem Sieg gegen Piräus (2:1) eine Niederlage bei Qarabag Agdam (0:3). "Sie sind eine technisch und individuell sehr gute Mannschaft, der im Moment sicherlich ein bisschen die Ergebnisse fehlen", sagte Streich. Sein Team wird Nantes sicherlich genauso wenig unterschätzen wie alle anderen bisherigen Gegner. Das machte auch Höfler klar: "Wir können Vollgas geben und werden unser intensives Spiel auf den Platz bringen, das uns ausmacht." Durch die Länderspielpause vor dem Sieg gegen Mainz hätten diejenigen nochmal Kraft tanken können, die nicht mit Nationalmannschaften unterwegs waren. Und im Kader gibt es bislang keine Corona-bedingten Ausfälle.

Auch Auswärtsspiel bei Hertha wohl zu früh

Für Streich wird es wohl auch für das Bundesliga-Auswärtsspiel bei Hertha BSC am Sonntag noch nicht reichen. Spätestens zum Rückspiel gegen den FC Nantes kommende Woche will er aber wieder fit sein. "Das hoffe ich doch sehr", sagte der SC-Trainer, "ich war noch nie in Nantes, da will ich unbedingt hin."

Daniela Frahm

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