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Streich analysiert deutsches WM-Aus und kritisiert TV-Experten

Freiburgs Trainer über Deutschlands Defizite und Ginter

Streich analysiert deutsches WM-Aus und kritisiert TV-Experten

Vermisste das kollektive Verteidigen der DFB-Elf bei der WM 2022: Christian Streich.

Vermisste das kollektive Verteidigen der DFB-Elf bei der WM 2022: Christian Streich. picture alliance/dpa

Es war mehr drin. Dieses Gefühl beschlich nicht nur die deutschen Nationalspieler unmittelbar nach dem abermals frühen WM-Ausscheiden, es beschlich auch Christian Streich, als er die DFB-Auftritte in Katar vor dem Fernseher verfolgte.

"Deutschland hat wahnsinnig viele Torchancen gehabt, nur halt nicht gut genug verteidigt", bilanzierte der Trainer des SC Freiburg im SWR. "Das war extrem ärgerlich. Wenn du schon so offensiv spielst, musst du auch extrem gut verteidigen - und zwar alle. Und das hat gefehlt. Sonst hätten sie viel erreichen können, glaube ich."

"Die Nationalmannschaft ist nicht Manchester City"

Für Streich haben die Defizite nicht nur mit fehlender Qualität zu tun. "Natürlich haben wir auf manchen Positionen nicht die absolute Weltklasse, das muss man schon sagen. Deshalb wäre es umso wichtiger gewesen, wenn die Mannschaft - koste es, was es wolle - gemeinsam verteidigt hätte. Die Nationalmannschaft ist nicht Manchester City, wo man auf einer Position für 100 Millionen einen Neuen holt. Das geht nicht. Aber im Kollektiv kann man vieles machen." So wie 2014, als Benedikt Höwedes als zweikampfstarker Linksverteidiger aushalf.

Auch deshalb hätte sich Streich mehr Einsatzminuten für seinen Schützling Matthias Ginter gefreut, der lediglich gegen Costa Rica für wenige Minuten eingewechselt worden war. Der Freiburger Abwehrmann sei in der Bundesliga-Vorrunde "sicherlich der Verteidiger" gewesen, "der sich das Wort 'Verteidiger' am meisten auf die Brust heften kann. Das hat mir dann schon leidgetan. Aber ich weiß ja, wie das ist als Trainer: Manche Leute verstehen auch nicht, wen ich aufstelle."

"Die schwätzen teilweise Sachen, bei denen du dir denkst: Das kann nicht wahr sein"

Noch mehr als über das frühe deutsche WM-Aus ärgerte sich Streich aber offenbar über das, was danach passierte. Die Äußerungen der TV-Experten seien "teilweise völlig daneben" gewesen; von Leuten, "die teilweise vor ein paar Jahren selbst noch gekickt und sich über die Kritik von denen, die dort saßen, aufgeregt haben. Und jetzt hocken sie selber da und schwätzen teilweise Sachen, bei denen du dir denkst: Das kann nicht wahr sein."

Für sich persönlich hat Streich deshalb bereits Konsequenzen gezogen. "In der Regel schalte ich nach dem Spiel sofort aus. Jetzt habe ich es einmal nicht gemacht, jetzt werde ich es in Zukunft wieder so machen. Dann brauche ich keine Werbung zu schauen und auch keine unqualifizierten Kommentare."

jpe

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