Bundesliga

Strategischer Partner: Schippers erklärt die Gründe für Gladbachs "Ja"

Interview zum Investoren-Deal auf der DFL-Versammlung am Montag

Strategischer Partner: Schippers erklärt die Gründe für Gladbachs "Ja"

Erklärt das "Ja" der Borussia für einen Investor der DFL: Gladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers

Erklärt das "Ja" der Borussia für einen Investor der DFL: Gladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers IMAGO/Ulrich Hufnagel

Für Stephan Schippers, seit 1999 als Finanz-Geschäftsführer "Herr der Zahlen" bei Borussia Mönchengladbachder, steht fest, dass es ein "Weiter so" nicht geben darf und sich die Liga jetzt für die Zukunft aufstellen muss. Im exklusiven Interview mit dem kicker erläutert der 56-Jährige, warum aus Sicht des Traditionsklubs die Einbindung eines strategischen Partners der richtige Weg.

Herr Schippers, welche Entscheidung hat die Borussia für sich getroffen: Ja zum Investoreneinstieg - oder wird mit einem Nein gestimmt?

Die Liga muss investieren und sich zukunftsfähig aufstellen, das steht außer Frage. Wir als Borussia Mönchengladbach werden für den Weg einer strategischen Partnerschaft stimmen. Das ist das Ergebnis eines langen Prozesses, in dem wir uns in allen Gremien intensiv mit allen Kriterien und Argumenten, die dafür und dagegen sprechen, auseinandergesetzt haben. Ich hoffe sehr, dass wir am Montag auf der DFL-Mitgliederversammlung die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erreichen.

Herrschte Einstimmigkeit in Borussias Führung?

Bei so einer komplexen Aufgabenstellung ist es wichtig, unterschiedliche Positionen zu beleuchten und zu diskutieren. Das haben wir intensiv getan und dann eine Entscheidung für uns getroffen.

Die Liga muss sich weiterentwickeln - und zwar jetzt.

Stephan Schippers

Welche konkreten Gründe haben zu dieser Entscheidung geführt?

Die Liga muss sich weiterentwickeln - und zwar jetzt. Wir stehen mit unserer Bundesliga in einem Wettbewerb zu den anderen großen europäischen Ligen. Wir wollen konkurrenzfähig sein, sportlich erfolgreich sein, aber das bedeutet auch, dass wir dafür die wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen müssen. Daher müssen wir die Weiterentwicklung des Modells vorantreiben und auch den Medienpartnern zeigen, dass wir bereit sind, in unser Medienprodukt zu investieren, es attraktiver zu machen.

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2024 steht die Neuvergabe der nationalen Medienrechte an.

Ja, bis zur Vergabe der nationalen TV-Rechte für die Jahre 2025 bis 2029 ist es nicht mehr lange hin. Und nicht zu vergessen: Bei der letzten Vergabe für die Jahre 2021 bis 2025, inmitten der Pandemie, büßte die Liga im Vergleich zum vorherigen Vertrag 200 Millionen Euro ein - pro Jahr! Das gilt es zunächst einmal aufzuholen. Aber das noch größere Ziel heißt Wachstum. Was wir mit einem sehr guten Produkt Fußball, technisch sauber abgerundet - Stichworte: Digitalisierung, Aufbau einer globalen Bundesliga-Plattform, effektives Vorgehen gegen digitale Piraterie - erreichen wollen.

Borussias aktive Fanszene ist gegen eine Investoreneinstieg. Haben Sie sich mit der Fanszene ausgetauscht?

Ja, der Austausch fand statt, schon im Frühjahr, als wir damals in der Liga über den Investorenprozess sprachen. Wir haben auch dieses Mal wieder unsere Beweggründe erläutert und auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass die Liga etwas machen muss für die Werthaltigkeit ihres Produkts. Es ist wichtig außerdem zu vermitteln, dass die Besonderheiten des deutschen Fußballs nicht angetastet werden: die Zentralvermarktung, 50+1, keine Bundesligaspiele im Ausland. Ebenso wird ein strategischer Partner keinen Einfluss auf die Hoheitsrechte der DFL wie Spieltagansetzungen und Anstoßzeiten haben.

Kritiker sagen, 700 Millionen Euro an Investitionen ließen sich auch über Abgaben und neue Sponsoren finanzieren. Warum ist die sogenannte "Binnenfinanzierung" für Sie im Vergleich zum Investoren-Modell weniger sinnvoll?

Weil es unsere Aufgabe ist, die Situation aller 36 Klubs zu berücksichtigen. Wenn wir als Borussia Mönchengladbach pro Jahr fünf Millionen Euro für diese Investitionen zahlen müssten, könnten wir das wirtschaftlich stemmen. Für uns wäre das machbar, auch wenn es wehtut. Aber es gibt auch Klubs, die es sich nicht leisten könnten, auf einen beträchtlichen Teil ihrer TV-Einnahmen zu verzichten. Und einen Teil der benötigten Summe über einen Namenssponsor der Liga zu generieren, ist theoretisch zwar möglich, aber zeitnah doch eher nicht realistisch.

Dieses Modell schließt mit ein, dass der Partner das Risiko mitträgt, bei sinkenden TV-Einnahmen zum Beispiel.

Stephan Schippers

Aus diesem Grund auch Ihr Ja zum Strategischer-Partner-Modell mit der Aufnahme von Eigenkapital?

Das ist aus unserer Sicht der richtige Weg. Die Einbindung eines Partners, der als Gegenleistung eine Beteiligung an den TV-Einnahmen erhält, im Bereich von sechs bis acht Prozent bei einer Laufzeit von 20 Jahren. Dieses Modell schließt mit ein, dass der Partner das Risiko mitträgt, bei sinkenden TV-Einnahmen zum Beispiel. Und was auch wichtig ist in der Diskussion: Nach diesen 20 Jahren fallen die Rechte komplett an die Liga zurück. Mit allen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, und wir belasten damit nicht die zukünftigen Generationen.

Welches Meinungsbild herrscht Ihrer Meinung nach vor unter den 36 Profiklubs?

Um im internationalen Vergleich konkurrenzfähig zu bleiben und gleichzeitig an unseren fanfreundlichen Errungenschaften wie z.B. 50+1 und Zentralvermarktung in der Bundesliga festhalten zu können, müssen wir etwas tun und schaffen das nur gemeinsam. Wir halten die Lösung mit einem strategischen Partner für den besten Weg und hoffen, dass sich die deutliche Mehrheit der Klubs am Montag genauso dafür entscheidet.

Schließen Sie sich der Meinung von Hans-Joachim Watzke an, dass das Thema Investor endgültig erledigt sei, falls es dieses Mal keine Zustimmung dafür gibt?

Wir setzen auf die Abstimmung am Montag. Und klar ist auch: Wir müssen etwas machen, wir müssen investieren. Ein "Weiter so" kann nicht die Alternative sein.

Interview: Jan Lustig

Thema
Die Liga und der "strategische Partner"

Die Diskussion um einen DFL-Investor

zum Thema
  • Für Investitionen u.a. in Digitalisierung wollte die DFL-Führung Kapital von einen Investor einholen.
  • Die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit wurde bei der geheimen Abstimmung auf die Stimme genau erreicht.
  • Nach einer außerordentlichen Sitzung hat die DFL beschlossen, den Partnerprozess nicht weiterzuführen.