Bundesliga

Huub Stevens: "Der Verlust meines Vaters hat mich für mein Leben geprägt"

"Mein neues Leben": Ex-Trainer gewährt in Doku sehr private Einblicke

Stevens: "Der Verlust meines Vaters hat mich für mein Leben geprägt"

Lieferte persönliche Einblicke: Huub Stevens.

Lieferte persönliche Einblicke: Huub Stevens. imago images

Huub Stevens, warum wollen Sie im Sommer nicht erneut für ein Aufsichtsratsamt beim FC Schalke 04 kandidieren?

Huub Stevens (67): Ich werde Schalke 04 immer zur Verfügung stehen, wenn mein Rat gefragt ist - nur eben nicht mehr in offizieller Funktion. Ich möchte keine Verpflichtungen dieser Art mehr haben. Der Knurrer hat seine Zeit gehabt, künftig sind andere Leute gefragt. Es gibt genug, die genauso Schalke-verrückt sind wie ich, die aber noch deutlich jünger sind und viel mehr Kraft haben. Ich hatte ein langes und erfülltes Leben in der Fußballbranche, nun will ich das Leben auf andere Weise genießen.

Die Doku trägt den Titel "Ein neues Leben - Huub Stevens privat". Wie sieht dieses neue Leben aus?

Stevens: Über allem steht: entspannen und genießen! Ich möchte vor allem das Leben mit meinen vier Enkelkindern und mit meiner Frau Toos genießen, möchte weiterhin mehrmals die Woche Sport treiben und zwischendurch ein bisschen beim Golf abschalten. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich das noch alles kann.

Ihre Briefmarkensammlung nicht zu vergessen! Stevens (lacht): Ja, genau. Ich sammele seit einem halben Jahrhundert. Ich versuche nicht, die Sammlung ständig zu erweitern - die Blaue Mauritius wird niemals mir gehören. Mein jüngstes Enkelkind ist knapp zwei Monate alt, mein ältestes 13 Jahre, und ich würde mich freuen, wenn zumindest eines von den vieren irgendwann mal Lust hat, die Briefmarkensammlung vom Opa zu übernehmen.

Die Doku ist eine Reise in Ihre Vergangenheit als Spieler und Trainer, aber stark aus menschlicher Sicht dargestellt. Eine der wesentlichen Botschaften ist, dass Sie mit Ihren eigenen beiden Kindern früher viel verpasst haben. War der Fußball das wert?

Stevens: Es ist schwierig, die Frage mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten, ich entscheide mich aber für Ja und erkläre auch gerne warum: Obwohl ich natürlich wegen meines Berufs, der unserer Familie ein gutes Leben ermöglicht hat, viel unterwegs war, habe ich versucht, meinen Kindern immer viel Liebe zu geben. Und ich glaube, dass mir das auch gelungen ist. Dazu hat sich meine Frau sehr aufopferungsvoll darum gekümmert, dass unsere Kinder gut und behütet aufwachsen. Ich habe zwei tolle Kinder, auf die ich sehr stolz bin.

Sie selbst verloren Ihren Vater durch einen Autounfall, als Sie 16 Jahre alt waren. Wie schwer fiel es Ihnen, gemeinsam mit den Filmemachern das Grab zu besuchen?

Stevens: Ich gehe recht offen mit dem Tod meines Vaters um, das ist mir schon früher nicht allzu schwergefallen. Auch deshalb, weil ich weiß, dass mein Vater alles dafür gegeben hat, meinen Geschwistern und mir ein guter Vater zu sein und zu versuchen, uns ein besseres Leben zu ermöglichen, als er es hatte. Dafür habe ich noch heute viel Respekt vor ihm.

Wie hat sich Ihr Leben durch den Tod Ihres Vaters verändert?

Stevens: Der Verlust damals hat mich sicher für mein Leben geprägt und seinen Teil dazu beigetragen, dass ich so geworden bin, wie ich bin. Vielleicht kann ich auch aufgrund dieser Erfahrungen, die weh taten, gut Entscheidungen treffen, auch sehr harte. Ich musste schnell erwachsen werden - sicher schneller, als manch anderer in dem Alter, in dem ich damals war. Ich hatte keine andere Möglichkeit, als nach vorne zu blicken und den Weg weiterzugehen und dabei auch meine jüngeren Geschwister zu unterstützen.

Auch der Schicksalsschlag Ihrer Frau, die zeitweise dem Tode näher war als dem Leben, wird thematisiert. Was motiviert die Familie Stevens dazu, der Öffentlichkeit so tiefe Einblicke zu gewähren?

Stevens: Wir haben darüber gesprochen, ob wir da so offen sein wollen, waren uns aber schnell einig darüber, dass wir anderen Leuten auch Mut machen und ihnen zeigen wollen: Wo ein Wille ist, ist ein Weg. Man darf niemals aufgeben.

Sie wirken ruhig, ausgeglichen, demütig. Schlummerten diese Eigenschaften schon immer in Ihnen, oder ist aus dem Knurrer von Kerkrade der sanfte, nahbare Huub Stevens geworden?

Stevens: Das kann man so sagen - es hat sich über die Jahre so entwickelt. Ich denke, dass das auch viel mit meinen Enkelkindern zu tun hat. Sie machen aus mir auch in meinem Alter noch einen besseren Menschen.

Interview: Toni Lieto