Bundesliga

VfL Wolfsburg: Renato Steffens alarmierender Appell

Wolfsburg weiter in der Negativ-Spirale

Steffens alarmierender Appell: "Vielleicht mal deutlicher ansprechen"

Würde die Wölfe gerne wachrütteln: Renato Steffen.

Würde die Wölfe gerne wachrütteln: Renato Steffen. imago images/Hübner

Ganz so schlimm, wie Renato Steffen die Bilanz des VfL Wolfsburg in seiner Antwort noch mal aufgriff, ist sie dann doch noch nicht. Von zehn aufeinanderfolgenden Spielen ohne Sieg hatte der Schweizer am Dienstagabend irrtümlicherweise gesprochen, als eine entsprechende Frage im Raum stand - dabei waren es mit dem da nur wenige Minuten zurückliegenden 1:3 in der Champions League bei RB Salzburg "erst" sieben. An den überaus deutlichen Worten Steffens änderte das allerdings wenig, zumal die dritte Wolfsburger Pflichtspielniederlage in Serie zusätzlich alarmierte.

"Wir schlafen nach zwei Minuten", sagte der 29-Jährige mit Blick auf die drei Gegentore; erst leistete sich der VfL einen Blitz-Rückstand, später ein zweifaches Verteidigungschaos nach Salzburger Standardsituationen im eigenen Strafraum: "Es war amateurhaft, wie wir die Ecken verteidigt haben." Gerade die defensive Anfälligkeit der Mannschaft nimmt immer eklatantere Züge an, belegt von zwölf Gegentreffern in den vergangenen fünf Spielen. Dass der Bundesliga-Sechste zuletzt mal ohne Gegentor blieb, liegt bereits sieben Spiele zurück, beim 0:0 in Lille.

Wolfsburg hat seinen Trumpf verloren

Jene defensive Stabilität, die maßgeblich - vielleicht sogar ursächlich - für die zurückliegende Entwicklung des Klubs in der jüngeren Vergangenheit gewesen ist, ist der Mannschaft nunmehr abhandengekommen. Und offenbar noch einiges mehr. "Ein paar Sachen sind ein bisschen verloren gegangen in den letzten Wochen", verdeutlichte Steffen. Der Offensivspieler sprach von Tugenden, von Arbeit. Und davon, dass die Wolfsburger in Salzburg beides vor allem im kollektiven Zusammenspiel über weite Strecken hatten vermissen lassen. Eine fatale Schlussfolgerung.

"Ich glaube, man muss das in den nächsten Tagen vielleicht doch mal deutlicher ansprechen", befand Steffen. Womit sich auch Mark van Bommel angesprochen fühlen dürfte. Der Trainer hielt sich in seiner eigenen Replik zum Spiel jedoch einmal mehr an der Oberfläche auf, sagte etwa zur Sieglos-Serie: "Das macht natürlich etwas mit dem Vertrauen." Und einige der Ergebnisse zuletzt hätten auch anders ausfallen können. Ob sein Tenor intern anders ausfällt, ist nicht bekannt, sollte er aber wohl besser. Zumal seine Mannschaft - nachdem sie sich in Folge des 0:1 zwar zwischenzeitlich gefangen hatte - in der zweiten Halbzeit offensiv so gar nicht mehr in Erscheinung trat.

Der Weg für den Mitspieler

Steffen forderte, dass man wieder "gemeinsam verteidigen, gemeinsam angreifen" müsse. Den Weg für den Mitspieler auf sich zu nehmen, "auch, wenn es weh tut", sei jene Voraussetzung gewesen, die "uns letztes Jahr ausgezeichnet hat, und auch am Anfang der aktuellen Saison". Aktuell ist davon nicht mehr viel übrig. Auch van Bommel stimmte ein: "Wir sind eine Mannschaft, die über den Zusammenhalt kommt. Und wenn der nicht bei 100 Prozent liegt, dann sind wir eine normale Mannschaft."

Wie also kommt der VfL wieder raus aus dieser Spirale, in die man laut Steffen hineingeraten sei? "Wenn man einander hilft - und den Gegner nicht laufen lässt". Die nächste Gelegenheit für eine Wende wird sich am Samstag auftun, gegen den SC Freiburg in der Bundesliga. "Aber das geht nur über Arbeit", so Steffen. Er wirkte ernst, selbstkritisch - aber nicht konsterniert: "Wenn wir das wieder hinkriegen, dann werden wir auch die Spiele in der Champions League gewinnen." Bei nur einem Punkt Rückstand auf den zweiten Tabellenplatz bleiben dem VfL weiterhin alle Chancen.

Tim Lüddecke

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