Nationalelf

WM 2022 - Statement von Thomas Müller zur "One Love"-Binde

Nationalspieler verteidigt DFB-Team

Statement von Müller: "Kann Kritik nachvollziehen, teile diese Ansicht aber nicht"

Thomas Müller.

Thomas Müller. IMAGO/Ulmer/Teamfoto

Die Entscheidung der FIFA, der deutschen und anderen europäischen Nationalmannschaften das Tragen der "One Love"-Binde unter Androhung sportlicher Konsequenzen zu verbieten, hat für einen großen Aufschrei und viel Entrüstung gesorgt. Kritik gab es in diesem Zusammenhang aber nicht nur an der FIFA, sondern auch unter anderem am Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Die Frage lautet: Ist dieser vor dem Weltverband eingeknickt? Mediendirektor Steffen Simon rechtfertigte sich und sprach von "Erpressung", ungeachtet dessen zog ein erster Sponsor des DFB bereits Konsequenzen. Derweil zeigte sich Joshua Kimmich auf der Pressekonferenz am Dienstag vor dem ersten Spiel gegen Japan verwundert über das Echo im Hinblick auf den Verzicht der Binde. Kimmich war aber nicht der einzige Münchner, der sich zu dem Thema äußerte. 

"Ich kann die Kritik nachvollziehen und akzeptieren, teile diese Ansicht aber nicht!", schrieb Thomas Müller in einem ausführlichen Statement am Dienstagabend. Der 33-Jährige fand dabei auch kritische Worte für die FIFA, sprach von "befremdlichen Aktionen und Äußerungen" des Weltverbandes. Sowohl der Standpunkt der FIFA als auch die Art und Weise der Kommunikation zum Bindenverbot seien "für uns in keiner Weise zu verstehen."

Andererseits warb er aber auch für Verständnis für die Spieler. "Wer von uns Fußballern erwartet, dass wir unseren Pfad als Sportler komplett verlassen und unsere sportlichen Träume, für die wir ein Fußballerleben lang gearbeitet haben, aufgeben, um uns politisch noch deutlicher zu positionieren, der wird enttäuscht sein", schrieb Müller.

Der Routinier hofft auf eine differenzierte Sichtweise und Unterstützung für das Team. "Wir wollen euch zeigen, dass wir mit Teamgeist, Geschlossenheit und Fußballfinesse unsere deutsche Fußballnation begeistern können. Am besten schon gegen Japan."

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Das Statement von Thomas Müller im Wortlaut:

"Morgen geht's endlich los mit dem ersten Gruppenspiel. Wir haben uns akribisch auf diesen Moment vorbereitet und freuen uns, dass morgen der Ball rollt.

Ich will außerdem vor unserem ersten Spiel meinen Standpunkt klar machen und die Dinge, die in den letzten Tagen und Wochen abseits des Platzes passiert sind, einordnen.

Die Unruhe rund um die Begebenheiten im Vorfeld des WM Turniers in Katar, das Verbot der "One Love"-Binde und weitere befremdliche Aktionen und Äußerungen der FIFA beschäftigen uns Spieler und das gesamte Team. Der Standpunkt der FIFA, als auch die Art und Weise der Kommunikation zum Bindenverbot, ist für uns in keiner Weise zu verstehen.

Aufgrund der Entscheidung aller betroffenen Fußballverbände, die Binde bei den Spielen nicht zu tragen, stehen auch der DFB und wir Spieler in der Kritik. Ich kann die Kritik nachvollziehen und akzeptieren, teile diese Ansicht aber nicht!

Der DFB hat Stellung bezogen und seine Haltung gegen die FIFA deutlich zum Ausdruck gebracht. Der Verband und wir Spieler engagieren uns seit Jahren weit über den grünen Rasen hinaus. Viele Nationalspieler haben eigene Stiftungen oder unterstützen seit Jahren mit großem Einsatz unterschiedliche soziale Einrichtungen. Mit unserer Mannschafts-Stiftung haben wir diverse Initiativen nicht nur im Zusammenhang mit dem Turnier in Katar, sondern auch in ganz Deutschland auf den Weg gebracht.

Wer von uns Fußballern erwartet, dass wir unseren Pfad als Sportler komplett verlassen und unsere sportlichen Träume, für die wir ein Fußballerleben lang gearbeitet haben, aufgeben, um uns politisch noch deutlicher zu positionieren, der wird enttäuscht sein.

Wer die ganze Situation differenziert betrachten kann, der wird uns hoffentlich in den nächsten Wochen voll unterstützen und uns den Rücken stärken. Wir wollen euch zeigen, dass wir mit Teamgeist, Geschlossenheit und Fußballfinesse unsere deutsche Fußballnation begeistern können. Am besten schon morgen gegen Japan."

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