3. Liga

Die heikle Personalie des FCK-Geschäftsführers

1. FC Kaiserslautern: Nachfolgersuche für Finanzchef Voigt birgt Brisanz

Starker Chef oder Marionette? Die heikle Personalie des FCK-Geschäftsführers

Nicht immer einer Meinung: Ex-Sportdirektor Boris Notzon, Beiratschef Markus Merk und Ex-Finanzchef Soeren Oliver Voigt (von links). 

Nicht immer einer Meinung: Ex-Sportdirektor Boris Notzon, Beiratschef Markus Merk und Ex-Finanzchef Soeren Oliver Voigt (von links).  imago images/Jan Huebner

Wenn die Trennung von einem Geschäftsführer durch eine Bekanntmachung im Handelsregister des Amtsgerichts bekannt wird, spricht das nicht für die Kommunikation des Vereins. Konkret nicht für die Kommunikation des Beirats um den Ex-Schiedsrichter Dr. Markus Merk, der für die Bestellung der Geschäftsführung zuständig ist. Mit einem Tag Verspätung gab der FCK die einvernehmliche Trennung von seinem kaufmännischem Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt dann bekannt - inklusive der obligatorischen Lobeshymnen.

Harmonie? Von wegen!

Die Abschiedsworte von Merk erwecken den Eindruck, als würde eine durchweg harmonische Zusammenarbeit enden: "Mit seiner ruhigen, professionellen, sachlichen und analytischen Art hat er sich bei Geschäftspartnern, Sponsoren, den Gremien sowie den Mitarbeitern eine hohe Akzeptanz und große Vertrauensbasis erarbeitet." Doch der Schein trügt, der Blick hinter die Kulisse offenbart größere Risse in der Beziehung beider. Immer wieder überschritten die Räte im Aufsichtsgremium um Merk in der Vergangenheit ihre Kompetenzen und mischten sich ins Tagesgeschäft ein. Genauso musste sich Voigt regelmäßig der versuchten Einflussnahme von Investoren erwehren.

Dem früheren Sportdirektor Boris Notzon erging es ähnlich. Rund um die Trainerverpflichtung von Marco Antwerpen Ende Januar gipfelte die Situation. Notzon wurde von Merk öffentlich demontiert, Voigt war nicht bei der Trainerpräsentation zugegen. Der eigentlich als Kontroll- und Beratungsgremium fungierende Beirat hatte die Macht faktisch übernommen. Kurz nachdem Notzon in einen internen, später auch öffentlich gewordenen Brandbrief harsche Kritik an den Vorgängen übte, musste er im März gehen. Doch wozu die ganzen alten Themen? Weil es wichtig ist, sich diese rund um die bevorstehende Neubesetzung nochmal in Erinnerung zu rufen.

Gesundheitliche Probleme waren nicht ausschlaggebend

Voigt war zwar in den vergangenen Monaten wegen eines Bandscheibenvorfalls krankgeschrieben, dies war jedoch nicht ausschlaggebend für die einvernehmliche Auflösung des Vertrags, ein halbes Jahr vor Ablauf im Juni 2022. Nach kicker-Informationen wird sich die gesundheitliche Situation des gebürtigen Dortmunders bis zum Jahresende auch wieder normalisiert haben.

Viel mehr gab es keine Basis für eine gemeinschaftliche Zusammenarbeit. Voigt ist in seiner Zeit auf dem Betzenberg - im Dezember 2019 noch vom frisch gewählten Gremium um Merk verpflichtet, als sich der Klub in einer höchst instabilen Lage befand - stets meinungsstark und geradlinig aufgetreten. Am erfolgreichen Abschluss des Insolvenzverfahrens hatte der  52-Jährige maßgeblichen Anteil, gerade weil er sich gegen fortwährende Unruhen und interne wie externe Widerstände zur Wehr setzte.

Das Machtgefüge droht sich weiter zu verschieben

Doch nicht alle Beteiligten hatten auf Dauer Freude daran, denn in einigen Fragen gingen die Meinungen nach kicker-Informationen stark auseinander, insbesondere was die strategische Ausrichtung der Zukunft angeht. Es liegt auf der Hand, dass die Trennung dem Beirat jetzt in die Karten spielt. Das Machtgefüge droht sich weiter zu verschieben - weg von der eigentlich im operativen Geschäft verantwortlichen Geschäftsführung, hin zu Beirat und Investorenkreisen.

Dass der Beirat um eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Geschäftsführer bemüht ist, ist selbstverständlich. Doch nach den Erfahrungen der Vergangenheit liegt es nahe, dass die Voigt-Nachfolge eben mit einer Person besetzt wird, die nach der Pfeife des mächtigen Gremiums tanzt. Dass Merk mit einem meinungsstarken Mann und konträren Meinungen nur bedingt harmoniert, hat die Trennung von Voigt gezeigt.

Der neue Finanzchef an der Seite von Geschäftsführer Sport Thomas Hengen, dessen Suche der Beirat "möglichst zeitnah, aber ohne Zeitdruck und mit der notwendigen Ruhe und Sorgfalt" abschließen will, sollte sich dessen bewusst sein. Wer beim FCK das Geld gibt (Investoren) und vermeintlich bei der Beschaffung hilft (Beirat) wird künftig kaum darauf verzichten, seinen Einfluss geltend machen zu wollen. Weniger, wenn es sportlich läuft, wie aktuell. Warum auch? Doch wehe, die Fußballer des Traditionsvereins verlieren mal wieder das ein oder andere Spiel ...

Moritz Kreilinger