Tennis

Spektakel in Paris: Alcaraz nach Fünfsatzsieg über Sinner im Finale

French Open, Halbfinale

Spektakel in Paris: Alcaraz nach Fünfsatzsieg über Sinner im Finale

Siegerfaust: Carlos Alcaraz.

Siegerfaust: Carlos Alcaraz. IMAGO/MAXPPP

Jannik Sinner startete überragend in die Partie, nahm dem Spanier gleich die erste beiden Aufschlagsspiele ab und zog schnell auf 4:0 davon. Carlos Alcaraz wirkte verunsichert, ob der traumwandlerisch sicheren Leistung des kommenden Weltranglistenersten, der scheinbar unmöglich zu erreichende Bälle noch erlief. Auch nach einem Alcaraz-Break blieb der Italiener cool, konterte sofort mit dem Re-Break. Der 6:2-Satzgewinn nach einer knappen Dreiviertelstunde war der verdiente Lohn.

Auch im zweiten Durchgang ging es zunächst so weiter: Sinner spielte beinahe fehlerfrei, ließ Alcaraz verzweifeln und breakte gleich im ersten Spiel des zweiten Durchgangs erneut. Doch der Spanier kämpfte sich nun ins Match, passte seine Position auf dem Feld leicht an und übernahm peu à peu die Kontrolle. Zwei aufeinanderfolgende Breaks des Spaniers zum 4:2 brachten nun Sinner aus dem Konzept, plötzlich haderte der Italiener und kassierte alsbald den Satzausgleich.

Sinner bekommt Probleme

Im dritten Satz war das Match wieder ausgeglichen: Nach je einem Break von Sinner und Alcaraz stand es schnell 2:2. Während seines dritten Aufschlagsspiels forderte der Südtiroler dann den Physio an, in plagten schon früh Krämpfe, doch musste er sich noch bis zur nächsten Pause durchbeißen und verhinderte nur knapp das nächste Break.

War Alcaraz lange der aktivere Spieler, so wurde nun der Italiener wieder mutiger und sicherte sich das nächste Break. Allerdings wirkte Sinner angeschlagen, musste immer wieder behandelt werden und mied vor allem lange Rallys. Er verkürzte die Punkte, ging mehr ins Risiko und belohnte sich dann auch. Mit einem starken letzten Serve sicherte sich der Italiener aber noch Satz drei.

Spektakel in Satz vier - und ab in den Fünften

Unter Druck: Jannik Sinner.

Unter Druck: Jannik Sinner. IMAGO/MAXPPP

Im vierten Durchgang schaukelten sich beide Spieler gegenseitig hoch und lieferten beste Tennisunterhaltung. Die Zuschauer im Philippe Chatrier saßen teils wie gebannt auf ihren Sitzen und quittierten die starken Leistungen beider Spieler immer wieder mit viel Applaus. Ein bisschen mehr Liebe bekam in dieser Phase Alcaraz ab, der sich vor allem bei eigenem Aufschlag enorm gesteigert hatte - der Iberer hatte in Satz vier mit 17:8 Winnern klar das Momentum auf seiner Seite.

Es war spürbar, dass die Fans sich einen fünften Satz wünschten - und sie bekamen diesen Wunsch erfüllt. Beachtlich: Im entscheidenden Spiel führte Sinner bei eigenem Aufschlag schon 30:0, doch auf einmal riss der Faden, Alcaraz hatte plötzlich Satz- und Breakball - und erzwang den entscheidenden Fünften. Der Spanier ging in dem Wissen, dass er in seiner Karriere satte zehn von elf Fünfsatzmatches gewonnen hatte, in selbigen; Sinners Bilanz war da mit 6:7 durchaus bescheidener.

Ob Sinner daran gedacht hatte, weiß wohl nur er selbst. Ganz sicher durch den Kopf gegangen ist ihm aber die Frage, wie er dem auf einmal furios aufspielenden Spanier denn beikommen könnte. Alcaraz traf alles, spielte wie von einem anderen Stern und breakte seinen Gegner früh. Sinner spielte alles andere als schlecht, aber Alcaraz hatte das Momentum auf seiner Seite - und stets die richtige Antwort auf Sinners Angriffsversuche.

Am Ende zog der 21-jährige Spanier nach 4:10 Stunden das Spiel mit 2:6, 6:3, 3:6, 6:4, 6:3 und steht damit als erster Spieler im Finale der French Open. Er ist damit der jüngste Spieler aller Zeit, der auf allen drei Belägen (Hartplatz, Gras und Sand) ein Major-Finale erreichte. Am Sonntag geht es dann gegen den Sieger des zweiten Halbfinales: Alexander Zverev, der Casper Ruud am Abend in vier Sätzen schlug.

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