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EM: Yann Sommer mit Hollywood-Spiel: "Rufe mal bei Robert De Niro an"

Neuer Rekordkeeper führt die Schweiz ins EM-Viertelfinale

Sommers Hollywood-Spiel: "Rufe mal bei Robert De Niro an"

Geschichte geschrieben: Yann Sommer (grün) und die Schweiz stehen erstmals in der Landeshistorie in einem EM-Viertelfinale.

Geschichte geschrieben: Yann Sommer (grün) und die Schweiz stehen erstmals in der Landeshistorie in einem EM-Viertelfinale. Getty Images

Schon vor dem Anpfiff war das Achtelfinalspiel gegen Frankreich etwas besonderes für Yann Sommer. Zum 65. Mal betrat der 32-Jährige am Montagabend ein Fußballfeld im Schweizer Torwarttrikot und wurde damit zum Rekordkeeper der Eidgenossen. Doch es sollte noch viel emotionaler werden für den Gladbacher Rückhalt: Nach 120 Minuten leidenschaftlichem Kampf schaffte es die Schweiz gegen den uninspirierten Weltmeister ins Elfmeterschießen. Die ersten neun Schützen trafen, dann kam es zum Duell von Sommer und Ausnahmekönner Kylian Mbappé - und der Torwart hielt.

"Ich stehe immer noch ein bisschen neben mir", sagte Sommer später am ZDF-Mikrofon. "Es war ein unglaublicher Fußballabend, wir haben sehr, sehr viel Moral und Herz gezeigt." Nach einem frühen Führungstor durch Haris Seferovic vergab der Schweizer Ricardo Rodriguez nach einer knappen Stunde vom Elfmeterpunkt - und die Eidgenossen kassierten innerhalb von zwei Minuten zwei Gegentreffer durch Karim Benzema. Nach 75 Minuten erhöhte Paul Pogba sehenswert auf 3:1.

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"Überhebliche" Franzosen eiskalt erwischt

"Es hat niemand mehr wirklich an uns geglaubt. Aber wenn man gegen den Weltmeister zwei Tore aufholt, in einer Phase, in der man eigentlich schon down ist, dann ist das unglaublich", sagte Sommer. Neun Minuten vor dem Ende traf Seferovic erneut, in der Nachspielzeit glich der eingewechselte Mario Gavranovic unter tosendem Jubel aus. "Wir haben uns vor dem Spiel geschworen, egal wie es läuft, wir gehen bis zum Schluss. Ich bin unglaublich stolz auf diese Mannschaft", erklärte der Keeper.

Man habe gemerkt, dass die Franzosen nach dem 3:1 "ein bisschen überheblich" waren - und das dann eiskalt ausgenutzt. "Ich glaube, wir haben alles, was wir in uns drin haben, heute auf dem Platz gelassen", sagte Sommer, der mit der Nati damit den ersten Sieg über Frankreich seit 29 Jahren feiern konnte. Zudem stehen die Eidgenossen in ihrem ersten EM-Viertelfinale überhaupt. "Das ist Geschichte. Wir haben ein paar Mal die Möglichkeit gehabt, sind ein paar Mal gescheitert. Aber heute haben wir uns angeschaut, in die Gesichter gesehen und haben gesagt: Heute packen wir das Ding", berichtete Sommer.

Das ist Geschichte.

Yann Sommer

Für den Keeper entwickelte sich die Partie zu seiner ganz persönlichen Geschichte. Im ersten Spiel als Rekordtorhüter hielt Sommer sein Team mehrfach im Turnier und parierte am Ende den entscheidenden Strafstoß. "Ich rufe nachher mal Robert De Niro an, ob er Lust hat, die Rolle zu spielen", sagte Sommer scherzhaft auf die Frage, ob sein Spielverlauf ein gutes Hollywood-Drehbuch hergeben würde. Der Amerikaner De Niro ist mittlerweile 77 Jahre alt - ob er als Darsteller für den 45 Jahre jüngeren Sommer noch die körperlichen Voraussetzungen mitbringt, ist eher fraglich.

Auch der Schweizer Kapitän Granit Xhaka sagte nach dem Spiel bei "Sky": "Wir haben Geschichte geschrieben für diese Fußballnation. Jetzt haben wir Spanien im Viertelfinale, es wird schwierig, aber wir träumen jetzt." Nati-Trainer Vladimir Petkovic sagte über das Elfmeterschießen: "Einige Liter habe ich sicher verloren."

fbs

Bilder zur Partie Frankreich - Schweiz