Int. Fußball

Solskjaer nach ManUnited-Schmach: "Wir sind zu nah dran"

Nach 0:5-Debakel gegen Liverpool

Solskjaer schließt Rücktritt aus: "Wir sind zu nah dran, um aufzugeben"

Der "dunkelste Tag": Läuft die Zeit für Ole Gunnar Solskjaer als Trainer von Manchester United ab?

Der "dunkelste Tag": Läuft die Zeit für Ole Gunnar Solskjaer als Trainer von Manchester United ab? imago images/PA Images

Direkt nach der niederschmetternden 0:5-Niederlage gegen den FC Liverpool, der höchsten gegen den Erzrivalen seit Oktober 1895, suchte ein konsternierter Ole Gunnar Solskjaer bei "Sky Sports" nach Worten. Es sei sein "dunkelster Tag" als Trainer von Manchester United. "Wir waren nicht gut genug - individuell und als Team. Man kann einer Mannschaft wie Liverpool nicht solche Chancen geben, aber wir haben es leider getan", wirkte der Norweger wieder einmal ratlos. "Wir wissen, dass wir ganz unten angekommen sind, wir wissen, dass sich nichts schlechter anfühlen kann als das."

An einen Rücktritt denkt Solskjaer aber nicht. "Wir sind als Gruppe zu weit gekommen, um jetzt aufzugeben. Wir sind zu nah dran, um aufzugeben." Zu nah dran? Die letzten Auftritte der Red Devils, allen voran der Offenbarungseid vom Sonntag lassen nicht den Schluss zu, dass der 20-malige englische Meister auch nur annähernd nah dran ist am eigenen Selbstverständnis. Annähernd nah dran, ernsthaft um den Titel mitspielen zu können.

Wieder einmal gab Solskjaers Team in vielerlei Hinsicht ein schwaches wie rätselhaftes Bild ab. Eine erkennbare taktische Ordnung? Eine sichtbare Spielidee? Ein funktionierendes Team? Fehlanzeige. Erst recht im krassen Kontrast zum Gegner.

TV-Experte Neville: "Dieses Team ist nicht in der Lage zu pressen"

Uniteds halbherzigen Versuch eines Pressings überspielte Liverpool immer wieder mit Leichtigkeit. "Dieses ManUnited-Team ist nicht in der Lage zu pressen", wetterte auch TV-Experte Gary Neville. "Rashford, Greenwood, Ronaldo - mit diesen dreien wirst du nie den Ball zurückerobern. Da musst du auf Konter spielen. Solskjaer hat drei Jahre lang auf Konter spielen lassen. Ich habe keine Ahnung, warum er heute versucht hat, zu pressen." Zur Pause lag United mit vier Toren in Rückstand - das hatte es in der Premier League noch nicht gegeben.

"Es tut weh. Die Jungs sind am Boden zerstört", konstatierte Harry Maguire gegenüber der BBC. "Jeder Spieler sollte auf sich selbst schauen, denn das Spiel auf diese Art und Weise zu verlieren, ist nicht ansatzweise gut genug." Bei den Fans entschuldigte sich der United-Kapitän: "Sie haben mehr verdient."

Ich habe mich noch nie schlechter gefühlt, das ist mein absoluter Tiefpunkt.

Ole Gunnar Solskjaer

Wie geht es nun weiter bei United nach dieser Schmach? "Ich habe nichts anderes gehört", sagte Solskjaer bei der Pressekonferenz später auf die Frage, ob er weiterhin die Rückendeckung des Klubs habe: "Ich denke immer noch an die Arbeit von morgen. Natürlich sind alle am Boden. Ich habe mich noch niemals schlechter gefühlt, das ist mein absoluter Tiefpunkt. Ich akzeptiere die Verantwortung. Ich trage sie heute und in Zukunft."

Ob und wie lange Solskjaer noch weitermachen darf, werden die kommende Tage zeigen. Schon oft rettete sich der United-Coach aus ausweglos erscheinenden Situationen. Dass es ihm auch diesmal gelingt, erscheint nach der ungeahnten Demütigung im heimischen Stadion durch den größten Rivalen unwahrscheinlich, eigentlich fast schon unvorstellbar.

ski