Bundesliga

RB Leipzig: Neuzugang Alexander Sörloth im Porträt

Leipzigs kommender Neuzugang im Check

Sörloths neuer Anlauf: Was in der Premier League alles schieflief

16 Premier-League-Spiele, kein Tor: Alexander Sörloth bei Crystal Palace.

16 Premier-League-Spiele, kein Tor: Alexander Sörloth bei Crystal Palace. imago images

Zwei Dinge wusste Alexander Sörloth über Crystal Palace, aber diese beiden Dinge waren entweder gelogen oder einfach so typisch floskelhaft, wie das heutzutage eher üblich ist.

Jedenfalls gab der Norweger, gerade für zehn Millionen Euro vom FC Midtjylland verpflichtet, Ende Januar 2018 sein erstes Interview im vereinseigenen Sender und glaubte zu wissen, "dass Palace ein großer Klub mit Ambitionen" und ein Klub sei, "der sich gut um seine neuen Spieler kümmert".

Die Wahrheit sah etwas anders aus: Palace steckte mitten im Abstiegskampf der Premier League und hatte deshalb auch keine Zeit, sich um seinen neuen Spieler zu kümmern. Dabei hätte er jede Hilfe gebraucht.

Über Rosenborg und Groningen war Sörloth im Sommer 2017 beim FC Midtjylland gelandet und wurde ein halbes Jahr, 15 Tore und neun Vorlagen später der teuerste Abgang der dänischen Liga-Geschichte.

"SOR-ely needed", titelte das Boulevard-Blatt "Sun", nachdem das verletzungsgeplagte Team von Trainer Roy Hodgson seinen Zehn-Millionen-Stürmer erst am Deadline Day präsentieren konnte. "Bitter nötig" war Sörloth, da er Palace "endlich etwas Torgefahr" bringen sollte.

Alexander Sörloth

Sörloth konnte sich in der Premier League nicht behaupten. imago images

Schon zehn Tage nach seinem Wechsel nach Südlondon schmiss ihn Hodgson bei Everton (1:3) und eine Woche später gegen Tottenham (0:1) in die Startelf. Sörloth überzeugte trotz der physischen Voraussetzungen vor allem durch Beidfüßigkeit und Aggressivität im Pressing.

"Er war extrem engagiert", erinnert sich Reporter Matt Woosnam, der Crystal Palace für "The Athletic" begleitet. Meistens steht im Zwischenzeugnis hinter "engagiert" jedoch ein "aber". In Sörloths Fall war es der eine Aspekt, für den er geholt wurde. Im dritten Einsatz blieb er auch gegen ManUnited (2:3) glücklos, beim FC Chelsea (1:2) wurde ihm ein reguläres Tor aberkannt. Es waren Sörloths letzte Einsätze in der Startelf.

"Palace", berichtet Woosnam, "war nicht in der Situation, um ihm viel Zeit zur Entwicklung zu geben." Trotz der Verletzungsmisere im Angriff wurde Sörloth das Vertrauen schnell entzogen.

Bei Midtjylland hatte der damals 22-Jährige im 4-3-3 auf dem rechten Flügel geglänzt, in London tat er sich im 4-4-2 neben Christian Benteke schwer. Und die Gegner hießen nun mal nicht mehr Odense oder Aalborg. "Es war eine Mischung aus fehlender Erfahrung und der schwierigen Anpassung an die Premier League", erklärt Woosnam.

Sörloth kam nach seinen vier Startelfeinsätzen in der restlichen Saison kein einziges Mal mehr zum Einsatz, Palace hielt auch ohne ihn die Klasse. Die neue Spielzeit verlief ähnlich unglücklich, Sörloth kam trotz einer guten Vorbereitung nie länger als 20 Minuten zum Zug und traf weiterhin nicht. Immerhin im League Cup platzte beim 1:0-Sieg in Swansea der Knoten, "auch da konnte man aber sehen, dass er noch Zeit braucht", so Woosnam. "Und Palace konnte ihm diese Zeit nicht geben."

Genau ein Jahr und null Liga-Tore nach seinem Rekordwechsel parkte Palace Sörloth in Gent und im Sommer 2019 schließlich für zwei Jahre in Trabzon. Es war nie der Plan der Engländer, Sörloth irgendwo Spielpraxis zu geben. "Die Leihe zu Trabzonspor", sagt Woosnam, "war nur ein Weg, das Verlustgeschäft ein bisschen zu begrenzen."

Alexander Sörloth

Für Trabzonspor traf Sörloth in einer Saison 33-mal. imago images

In der Türkei haben sich die Dinge für Sörloth zum Positiven gewendet. Sogar so sehr, dass RB Leipzig nun doppelt so viel auf den Tisch legt wie einst Crystal Palace, für das sich der Transfer 2018 nun doch noch auszahlt. "Es hat ihm geholfen, in einer Liga zu spielen, in der die Qualität der Verteidiger nicht so hoch ist", schränkt Woosnam ein.

Beeindruckende 33 Tore und elf Vorlagen steuerte Sörloth in 49 Einsätzen bei, hinzu kamen jüngst zwei gute Länderspiele an der Seite von Erling Haaland. Nun sucht der 1,94 Meter große Angreifer wieder eine neue Herausforderung und geht wieder zwei Schritte auf einmal. "Es ist nicht auszuschließen, dass er in der Bundesliga ähnliche Probleme bekommen wird wie in der Premier League", sagt Woosnam.

Die Frage ist, wie Julian Nagelsmann mit Sörloth plant. Soll er der 1:1-Einsatz für Patrik Schick werden und mit Hee-Chan Hwang das Duo Schick/Werner kopieren? Sowohl in Dänemark als auch in der Türkei hat Sörloth besser in einem Angriffstrio funktioniert, in London dagegen in der Doppelspitze gestrauchelt.

Immerhin: Dieses Mal wechselt Sörloth definitiv zu einem Klub mit Ambitionen. Hauptsache, es wird sich um ihn gekümmert.

Mario Krischel

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