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Fußballklubs im eSport: » 5 verschiedene Typen

Von Fußballverrückten zu eSport-Romantikern

So verschieden sind eSport-Engagements von Fußballvereinen

Auch innerhalb der Bundesliga unterscheiden sich die eSport-Aktivitäten teils deutlich.

Auch innerhalb der Bundesliga unterscheiden sich die eSport-Aktivitäten teils deutlich. Virtual Bundesliga|DFL

Wer sich nur in der Bundesliga umschaut, der wird schnell merken: Hier haben sich die Verantwortlichen wohl gegenseitig inspiriert - oder zumindest eine ähnliche Philosophie. Passend zum Kerngeschäft gilt bei den deutschen Vereinen: Alles dreht sich um den Ball. Deswegen sind sie unser erster Typ.

Der Fußballverrückte

Für den Fußballverrückten gilt, eSport ist zwar schön und gut. Aber man ist ein Fußballverein und deswegen hört das Engagement dort auf, wo die Action das Grün verlässt. Diese Variante birgt wenig Risiko, denn sie ist grundsätzlich nicht allzu kostspielig und wird von den meisten Fans kritiklos akzeptiert.

Zudem gibt es klare Synergiemöglichkeiten zwischen den beiden Abteilungen, deren Profis alle die Liebe zum Fußball und die (Hass-)Liebe zu FIFA eint. Beispielhafte Ausprägungen wären Hertha BSC, der VfL Wolfsburg oder auch Ajax Amsterdam, um einen internationalen Vertreter zu nennen.

Der Fußballverrückte taucht in zwei unterschiedlichen Ausprägungen auf: Einige Vereine wenden mehr Ressourcen auf, um auf internationaler Ebene mitzuspielen, Titel einzufahren und eine Streaming-Präsenz aufzubauen.

Andere halten sich eher zurück und blicken kaum weiter als zu einer Teilnahme an der Virtual Bundesliga sowie die Ausrichtung von eigenen Fan-Turnieren. Ein Sonderfall ist außerdem Borussia Dortmund: Das Projekt der Schwarz-Gelben fokussiert sich eher auf Unterhaltung als auf eSport-Wettbewerb.

Der Gelegenheitsspieler

Schauen wir rüber nach England, sehen wir einen völlig anderen Umgang mit eSport. Auf der Insel engagiert sich kaum ein Verein auf dem virtuellen Feld, wenn EA Sports oder Konami nicht sehr stark darauf drängen. Die meisten Klubs haben keine FIFA-Profis unter Vertrag, geschweige denn Athleten anderer eSport-Disziplinen.

Nur einmal im Jahr, wenn das virtuelle Pendant zur Premier League ansteht, die ePremier League, wird man zum Namenspaten eines FIFA-Spielers. Dieser tritt zwar offiziell für den Verein an, nach dem Turnier endet aber die Partnerschaft. Ähnlich sieht es bei vielen spanischen Klubs aus.

Der eSport-Romantiker

Einen Kontrast zu den Gelegenheitsspielern bilden die eSport-Romantiker. Sie haben erkannt, dass Fußballsimulationen zwar beliebt sind, andere Spiele aber deutlich größere eSport-Szenen und damit auch Potenzial haben.

Ihr Engagement geht über FIFA oder PES hinaus und reicht bis in Titel wie League of Legends oder Rocket League. Häufig ist das mit höheren Kosten verbunden, kann sich aber umso stärker auszahlen, wie der Fall Schalke zeigt.

Romantiker bringen häufig mehr Mut mit. Man denke nur an die Fans: Einige Fußballanhänger sprechen sich klar gegen sportferne eSport-Titel aus, ein vertieftes Engagement kann sie erzürnen. Gleichzeitig bietet ebenjenes die Chance, viele begeisterte Gamer als neue Fans zu gewinnen, die bislang keine Kontaktpunkte zum Verein hatten.

In Deutschland folgt außer dem FC Schalke 04 auch Eintracht Frankfurt dieser Route. International ist der FC Barcelona der vermeintlich bekannteste Vertreter des eSport-Romantikers.

Der Partner

Obwohl Fußballvereine große, professionelle Organisationen sind, vertrauen manche lieber auf die Expertise der Branche. Sie gehen Kooperationen mit bestehenden eSport-Teams ein, um einen möglichst reibungslosen Einstieg zu gewährleisten. Beispiele davon gibt es viele: AS Monaco, AC Mailand, Atletico Madrid, aber auch der 1. FC Heidenheim und 1. FC Köln in Deutschland sind zu nennen.

Die Partnerschaften halten nicht immer ewig und wandeln sich häufig mit der Zeit - teils wegen internen Konflikten, teils wegen unterschiedlichen Entwicklungsvorstellungen.

Meist haben die Fußballvereine dann aber schon ihr Ziel erreicht: Expertise gewonnen und die Reichweite einer bestehenden Marke im eSport genutzt, um sich im Markt zu etablieren. Auch Paris Saint-Germain könnte als Beispiel dafür genannt werden, der französische Verein passt wie ein paar andere "Partner" aber ebenso gut in unsere letzte Kategorie.

Der Asien-Liebhaber

Wenn eSport-Neulinge über hohe Zuschauer- oder Spielerzahlen staunen, wird häufig außen vorgelassen, dass der größte Teil des Marktes in Asien angesiedelt ist - insbesondere in China und Südkorea. Hier ist eSport schon länger akzeptiert und tiefer in der Kultur verwurzelt. Davon wollen auch westliche Fußballvereine profitieren.

Die Asien-Liebhaber hoffen auf hohe Reichweiten und eine schier gigantische Zielgruppe, die sich immer stärker für Fußball interessiert, aber noch keinen Lieblingsverein hat. PSG engagiert sich über Kooperation mit LGD und Talon Esports in China und Vietnam. Dort haben sie ein League of Legends- und ein Dota 2-Team.

PSG Dota

Über eine Partnerschaft mit der chinesischen Organisation LGD hat sich Paris-Saint-Germain mit einem Dota-2-Team auf dem asiatischen Markt etabliert. PSG eSports

Manchester City versucht sich indes mit FIFA Online im asiatischen Raum zu etablieren, während Premier-League-Kollege Wolverhampton auf Chinas Mobile-Markt unterwegs ist.

Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass es für Fußballvereine diverse Möglichkeiten gibt, sich im eSport zu engagieren. Manchmal vermischen sich die Varianten auch. Keine der fünf vorgestellten Arten ist zwingend besser oder schlechter - in jeder Kategorie gibt es erfolgreiche und abschreckende Beispiele. Klubs können somit entscheiden, was am besten zu ihnen passt und ihre bevorzugte Variante ist.

Christian Mittweg

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