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"So ist das nun mal": Barcelonas traurige Ankunft in der Realität

Sergi Roberto gegen Bayern ausgepfiffen - Zwei Verletzte - Bosse beraten sich

"So ist das nun mal": Barcelonas traurige Ankunft in der Realität

Wenn es ist, wie es ist: Coutinho, Demir und Piqué.

Wenn es ist, wie es ist: Coutinho, Demir und Piqué. Getty Images

"Nein", sagte Kapitän Piqué. "Zu den Favoriten zählen wir nicht." Was hätte er auch sonst sagen sollen über die CL-Titelchancen einer Mannschaft, die die madrilenische Sportzeitschrift "AS" als "Ebenbild des Unvermögens" und die in Barcelona ansässige "Sport" als "kleine Mannschaft" bezeichnete.

Vernichtende Urteile, doch eine Barcelona-Mannschaft, die in einem Spiel der Königsklasse keinen einzigen Schuss auf das Tor abgab, das hatte es seit Erfassung des Datenanbieters OPTA eben überhaupt noch nie gegeben. Klar, Barcelona war mit argen Personalproblemen ins Spiel gegen die Bayern (0:3) gegangen. "Ich hatte nur noch drei Stürmer zur Verfügung", sagte Koeman. Allerdings hießen die Memphis Depay, Debütant Luuk de Jong und Philippe Coutinho, beileibe keine Namenlosen. Doch gerade offensiv blieb Barcelona so ziemlich alles schuldig, eine wirkliche Chance hatten die Blaugrana nur nach einem Araujo-Kopfball (28., knapp drüber). "Es ist, wie es ist", sagte Piqué.

Koeman erkennt Unterschiede in der Qualität

Augenwischerei betrieb Barcelona also nicht, auch wenn Koeman & Co. nicht alles schlechtreden wollten. Taktisch habe es "Momente" gegeben, in der sein Team die Kontrolle hatte. Doch dann kam er schnell wieder, der bereits genannte nüchterne Realismus. "So ist das aktuell nun mal", erklärte auch Koeman, um dann etwas zu sagen, was man von einem Trainer des FC Barcelona in der Form vielleicht noch nie zu hören bekommen hat. "Die Einstellung hat gestimmt. Aber es gibt Unterschiede in der Qualität."

Ist das mit 1,35 Milliarden Euro schwer verschuldete Barcelona also nicht mehr konkurrenzfähig auf der internationalen Bühne? Aktuell spricht viel dafür, Koeman baut auf den Faktor Zeit. Barcelona habe "viele junge Spieler, die in zwei bis drei Jahren besser sein werden. Es ist schwer zu akzeptieren, aber wir müssen abwarten und auf die Rückkehr der verletzten Spieler hoffen." Tja, so sei das nun mal, sagte Koeman.

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Unter anderem mussten die Katalanen auf Ansu Fati, Ousmane Dembelé und Sergio Aguero verzichten, am Ende standen mit Alex Balde, Demir, Gavi und Pedri zahlreiche Youngster auf dem Spielfeld. „Wir haben viele 19- und 20-Jährige. Wenn man die mit den Bayern-Spielern vergleicht, ist da ein Unterschied. Doch dieser Unterschied wird bald kleiner”, glaubt Koeman. Geduld ist also das Zauberwort bei Barcelona, sei es kurzfristig, bis die Verletzten zurückkehren, oder langfristig, bis sich die Talente entwickelt haben.

Ausgepfiffener Sergi Roberto erhält Rückendeckung

Doch die Ungeduld wächst jetzt schon, sowohl auf den Tribünen also auch hinter den Kulissen. Ein verdientes Eigengewächs wie Sergi Roberto wurde von den eigenen Fans ausgepfiffen. Die verletzte Volksseele vergisst da auch gerne mal, dass der aus der eigenen Jugend stammende 29-Jährige neben Piqué, Jordi Alba und Sergio Busquets einer jener Akteure war, die freiwillig auf Gehalt verzichteten - und dass er positionsfremd spielte.

"Wir wissen, dass Sergi kein Außenbahnspieler ist und ein Eins-gegen-eins gegen Davies nicht möglich ist", verteidigte ihn Koeman. Sergi Roberto hatte bei aussichtsreichen Kontern mehrere Male das Tempo herausgenommen und zurückgepasst, statt sich mit dem Bayern-Linksverteidiger zu messen. Auch Piqué gab Rückendeckung: "Die Leute sollten sich daran erinnern, dass er sich opfert, weil er kein Außenverteidiger ist, sondern ein Spieler für das Zentrum. Deswegen tut es mir sehr weh.“

Pedri und Jordi Alba angeschlagen - Nachtsitzung der Bosse

Schmerzhaft war die Niederlage irgendwie auf allen Ebenen. Für Pedri und Jordi Alba auf körperliche Weise, beide sind angeschlagen und könnten womöglich ausfallen. Für die Vereinsbosse eher mental. Laporta, Vizepräsident Rafa Yuste und Sportdirektor Mateu Alemany berieten sich bis in die frühen Morgenstunden, mit Konsequenzen für Koeman ist aber vorerst nicht zu rechnen. 

Zwischen Präsident und Trainer gab es immer wieder Unstimmigkeiten, die vor dem Spiel gegen München als ausgeräumt galten. "Koeman bleibt im Auge des Hurrikans", schrieb dennoch die Marca - und das sicherlich nicht ganz zu Unrecht. "Ich bin genauso wütend und enttäuscht wie ihr", erklärte Laporta in einer kurzen Videobotschaft am Mittwoch, doch man habe das "erwartet".

Auch der Präsident bat um Geduld. Etwas anderes bleibt den Katalanen auch nicht übrig.

las

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