Portugal

Spielabbruch in Portugal: Belenenses gehen gegen Benfica die Spieler aus

Nach Benfica-Toren von Weigl und Seferovic endet es bei 7:0

Skurriles Spiel inklusive Abbruch: Belenenses Lissabon spielt erst zu neunt, dann zu siebt

Jubelte über das zwischenzeitliche 3:0 gegen einen bemitleidenswerten Gegner: Julian Weigl (2. v. li.).

Jubelte über das zwischenzeitliche 3:0 gegen einen bemitleidenswerten Gegner: Julian Weigl (2. v. li.). imago images/GlobalImagens

Schon das obligatorische Mannschaftsbild kurz vor Anstoß vermittelte dem neutralen Zuschauer eindeutig, dass an diesem Samstagabend in Lissabon etwas nicht richtig war. Denn in der Tat standen im Lager von Belenenses SAD nur neun Spieler hinter der Bande, darunter die beiden Torhüter Joao Monteiro und Alvaro Ramalho, von denen Ersterer im Mittelfeld anfing. Auf der Auswechselbank? Da saß niemand.

Rein sportlich passierte dann das, was passieren musste - angefangen mit einem Eigentor von Eduardo Kau in Minute 1: Belenenses ging unter. Nach den ersten 45 Minuten stand es nach weiteren Toren unter anderem vom Ex-Dortmunder Julian Weigl (27.) und Ex-Frankfurter Haris Seferovic (14. und 39. via Elfmeter) bereits 7:0.

Doch es wurde noch unglaublicher: Zunächst einmal soll sich das Team gänzlich geweigert haben, weiterzuspielen. Referee Manuel Mota hatte der Mannschaft aber noch Zeit gewährt - und der Klub entschied sich doch zum Weiterspielen. Allerdings waren zwei Spieler nach der 15-minütigen Halbzeitpause gar nicht mehr aus den Katakomben gekommen, so musste zu siebt "gekickt" werden. Und als sich dann noch ein weiterer Spieler nach kurzer Zeit verletzte, auf dem Hosenboden sitzen blieb und anzeigte, nicht mehr weiterspielen zu können, war der Schiedsrichter schließlich gezwungen, diese Partie bei nur noch sechs übrigen Feldspielern der Gastgeber vorzeitig in der 48. Minute gänzlich abzubrechen.

Durch den Abbruch umging Abstiegskandidat Belenenses (nur acht Punkte aus 15 Spielen) womöglich ein verheerenderes Torverhältnis bei einer drohenden hohen zweistelligen Niederlage an diesem bizarren Abend, was im Kampf um den Klassenerhalt wichtig werden kann.

Gesundheitsbehörde offenbar zuständig

Doch warum wurde das Derby im Estadio do Jamor zu Oeiras im Westen des Großraums Lissabon überhaupt angepfiffen?

Wie Vereinspräsident Rui Pedro Soares, der während der Halbzeit beim Zwischenstand von 0:7 mit Tränen in den Augen gefilmt wurde, wohl noch am Samstag auf einer digitalen Pressekonferenz erklärt hatte, liege die Durchführung des Spiels alleine bei den Behörden. Demzufolge sei das Team aufs Spielen getrimmt gewesen - zumal Belenenses laut des Präsidenten weder bei Benfica noch bei der Liga noch bei den Gesundheitsämtern um die Verschiebung des Spiels gebeten habe. Zudem wollte der Klub, der 38 Akteure gemeldet haben soll, offenbar noch einmal Ergebnisse von PCR-Tests abwarten - ohne Erfolg.

Wäre es nicht aber möglich gewesen, dass die Liga selbst in Form der Aufsichtsbehörde dieses Wettbewerbs einschreitet? Dazu wird sie sich sicherlich selbst in den nächsten Tagen äußern - oder gar äußern müssen.

mag