Bundesliga

Skripnik: Mit der stärksten Elf bei den Bayern

Bremen: Keine Rotation in München

Skripnik: Mit der stärksten Elf bei den Bayern

Lässt seine beste Mannschaft bei den Bayern ran: Bremens Trainer Viktor Skripnik.

Lässt seine beste Mannschaft bei den Bayern ran: Bremens Trainer Viktor Skripnik. Getty Images

Bestbesetzung oder eine bessere B-Elf? Volle Kraft voraus im Pokal oder mit gebremsten Schaum zur Schonung für die Bundesliga? Die Frage aller Fragen vor Bremens Reise zum Cup-Halbfinale bei Bayern München beantwortete Viktor Skripnik gleich zu Beginn der Pressekonferenz entgegen sonstiger Gepflogenheit relativ eindeutig. "Wir wollen mit unseren stärksten Kräften unsere Chance dort suchen", sagte der Werder-Trainer, der am Wochenende kurz nach dem umjubelten 3:2 gegen den VfL Wolfsburg es noch offen gehalten hatte, wie er anzutreten gedenke.

Skripnik "sammelt die besten Leute ein"

Alle Spieler, somit auch die Leistungsträger, seien fit, fügte Skripnik an: "Wir werden unsere besten Leute einsammeln und versuchen, für die Historie und die Fans etwas zu erreichen." Der Ukrainer, der im Gegensatz zur vergangenen Woche wieder etwas gefasster und selbstsicherer wirkte, sprach sich selber Mut zu. Er erinnerte an die Mainzer, die auch in München gewonnen hätten: "Ein Wunder kann immer passieren", sagte Skripnik, mit Werder zweimal 1999 und im Double-Jahr 2004 gefeierte Pokalsieger.

Unterstützung auf dem Podium erhielt er von seinem Kapitän. In Vertretung von Geschäftsführer Thomas Eichin saß Clemens Fritz neben dem Trainer und erinnerte an die großen alten Zeiten, die an der Weser schon etwas länger Vergangenheit sind. Vom "tollem Erlebnis" schwärmte der Oldtimer, 2009 beim letzten Cup-Triumph der Hanseaten im Team, ein Jahr später auch Mitglied der Mannschaft, die das Finale gegen die Münchner Bayern verlor.

Fritz unterstrich die Besonderheit des Pokalwettbewerbs, führte die aktuellen Erfolge in Mönchengladbach und Leverkusen an und ließ alle teilhaben an seinen positiven Gedanken im Hinblick auf das Halbfinale: In einem Spiel sei alles möglich. Auch bei der Übermannschaft aus dem Süden könne es eine Überraschung geben, so der Spielführer. "Man kann alles schaffen. Wir stehen einfach in der Pflicht, an den Erfolg zu glauben. Doch der Glaube und der Mut muss vorhanden sein."

Der Glaube und der Mut muss vorhanden sein.

Clemens Fritz

Nicht entlocken ließ sich Skripnik, wie er taktisch die Herkulesaufgabe in der Allianz-Arena anzugehen gedenke. Zuletzt hatte er gegen die schier übermächtigen Bayern öfter mit einer Fünferkette operiert, mit mehr oder weniger Erfolg und mäßigem Ertrag. Es ist das auch von anderen Klubs angewandte Rezept gegen die Super-Bayern, am letzten Wochenende auch von den Schalkern versucht. "Wir spielen elf gegen elf", bemühte Skripnik bei derartigen Erkundigungen ein Witzchen, um sich nicht in die Karten schauen zu lassen. Entscheidend sei für ihn, dass seine Mannschaft eine Einstellung wie beim lebenswichtigen Dreier gegen Wolfsburg an Tag lege, so der 45-Jährige. "In der ganzen Gruppe müssen wir um unsere Chance kämpfen."

Sein verlängerter Arm auf dem Spielfeld drückt dies mit anderen Worten so aus. Fritz fordert von seinen Kollegen vor allem eins: "Wir müssen mutig sein und unsere Chance suchen." Dabei ist er überzeugt, dass der Abstiegskandidat den Spagat hinbekommen könnte zwischen der Kür im Pokal und der Pflicht in der Meisterschaft. Mit Blick auf das bedeutende Derby gegen den HSV am Freitag sagt er: "Jetzt liegt der Fokus auf Bayern, im Anschluss daran wieder auf die Liga."

Will Werder im Pokal weiter für Furore sorgen, so darf sich die Truppe nicht allein aufs Verteidigen beschränken. Die zu erwartete Grundordnung mit fünf Verteidigern, einem mit vier Mann besetzten Mittelfeld sowie Offensivmann Claudio Pizarro allein in vorderster Front muss offensiv interpretiert werden. Soll heißen: Die Skripnik-Jünger sollten - anders als beim peinlichen 0:5 in der Liga - auf ein couragiertes Umschaltspiel setzen und eine Kontertaktik bevorzugen.

Djilobodji kehrt zurück

Personell ist zumindest eine Änderung zu erwarten: Papy Djilobodji, zuletzt drei Spiele gesperrt, dürfte wieder ins Team rücken. Wahrscheinlich wird er neben Alejandro Galvez und Jannik Vestergaard im Abwehrzentrum agieren. Für ihn müsste aus dem Mittelfeld ein Akteur weichen. Es könnte Sambou Yatabaré treffen, obwohl dieser am Samstag eine mehr als ordentliche Vorstellung bot. Vielleicht trifft es auch Fin Bartels, gegen die "Wölfe" überragend, doch im voraussichtlichen System eher zu ersetzen. Fraglich auch, wer links verteidigt. Janek Sternberg macht Santiago Garcia, nicht die Sicherheit in Person und vor allem wegen seiner rustikalen Spielweise immer Gelb-gefährdet, gehörig Konkurrenz.

Hans-Günter Klemm