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Skoda: Auch der Kamiq gibt jetzt Gas

Skoda Kamiq 1.0 TGI G-Tec - Dreizylinder mit 90 PS - Preise ab 23.000 Euro

Skoda: Auch der Kamiq gibt jetzt Gas

Skoda Kamiq

Skoda Kamiq: Er nutzt die gleiche Plattform wie der VW Polo, im Skoda-Programm ist er eng mit dem Scala verwandt, den es ebenfalls mit Erdgasantrieb gibt. Hersteller

Keine Kaufprämie für Verbrenner: So wurde es im Konjunkturprogramm der Bundesregierung beschlossen. Dafür fließt umso mehr Geld in Richtung der Elektroautos. Aber war da nicht noch was? Richtig: Auch Erdgasantrieb (CNG, Compressed Natural Gas) kann eine umweltfreundliche Alternative zu Benzinern oder Dieseln sein.

Im CNG-Betrieb bleiben die CO2-Emissionen um 25 Prozent unter denen eines Benziners, rechnet Skoda vor. Wenn, wie in Deutschland üblich, 20 Prozent abfallstämmiges Bio-CNG beigemischt ist, verbessert sich die Bilanz sogar auf 35 bis 40 Prozent. Noch günstiger stellt sich die Situation im Falle 100-prozentigen Biomethans dar, wie es zunehmend an den Tankstellen zu finden ist. Zudem verbrennt CNG verhältnismäßig sauber, auch die Stickoxid-Emissionswerte liegen niedriger, Rußpartikel werden kaum emittiert.

Effizienzklasse A+

Speziell beim Kamiq G-Tec, der nach Norm 3,5 kg CNG pro 100 km verbraucht, beläuft sich der CO2-Ausstoß nach Herstellerangaben auf 97 - 95 g/km, auch das beschert die Effizienzklasse A+. Der vergleichbar starke Benziner 1.0 TSI (95 PS) emittiert 116 g/km, entsprechend Effizienzklasse B.

Im Vergleich zum 1.0 TSI kostet der Erdgas-Kamiq etwas mehr, beim "Ambition"-Modell beträgt der Aufpreis 1250 Euro, mindestens 23.000 Euro müssen somit investiert werden. Das ist aber noch immer eine Ecke weniger als für den Diesel, der ganze 3000 Euro teurer kommt.

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Kamiq TGI G-Tec: Als Antriebsquelle dient ein Einliter-Dreizylinder mit 66 kW/90 PS. Hersteller

Ob der CNG-Zuschlag lohnt, hängt nicht zuletzt von den Kosten für konventionellen Kraftstoff ab, die sich derzeit bekanntlich im Keller befinden. Der Preisvorteil von Erdgas - das pro Kilo etwa einen Euro kostet - ist im Augenblick also nicht mehr so ausgeprägt wie noch vor ein paar Wochen. Noch bis 2026 bleibt Erdgas übrigens im Rahmen des Energiesteuergesetzes steuerbegünstigt, ab 2024 wird der Steuervorteil sukzessive reduziert.

Zu bedenken gilt es auch, dass CNG als Kraftstoff einen höheren Energiegehalt als Benzin oder Diesel hat. Allerdings kommt es hier auf die Sorte an: Erdgas-H besitzt den Energiegehalt von rund 1,5 Litern Super, das etwas preisgünstigere Erdgas-L den von 1,2 Litern.

Der Kofferraum schrumpft

Nach diesem Exkurs in die Theorie zurück zum Kamiq G-Tec: Rein äußerlich unterscheidet er sich kaum von seinen konventionellen Geschwistern: Am Heck deutet das Kürzel "G-Tec" auf die besondere Identität hin. Blick ins Gepäckabteil: Die CNG-Tanks beanspruchen Platz, das Kofferraumvolumen schrumpft deshalb nicht unerheblich auf 278 bis 1273 Liter. Zum Vergleich: Der konventionelle Kamiq bietet 400 bis 1395 Liter.

Das geräumige Interieur fällt auch im G-Tec gewohnt sachlich-funktional und dabei wertig aus. Allerdings müssen Käufer auf die Option des volldigitalen "Virtual Cockpits" verzichten, das für das Erdgas-Modell nicht erhältlich ist, ebenso wenig wie übrigens eine Automatik. Der großen Touchscreen, der die Inhalte des intuitiv zu bedienenden Multimediasystems beherbergt, ist aber unverändert zu ordern.

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Interieur: Der große Touchscreen kostet Aufpreis. Ein Virtual Cockpit gibt es für den G-Tec nicht. Hersteller

Bereits als "Ambition" fährt der Kamiq ordentlich ausgestattet vor, sinnvoll erscheint es aber, 2000 Euro mehr ins "Style"-Modell zu investieren und sich dafür Zwei-Zonen-Klimaautomatik, das bessere Infotainment "Bolero" mit SmartLink-Anbindung des Smartphones (ersetzt das fest installierte Navi) sowie Sitzheizung zu gönnen.

Zwei Tankanzeigen sind im G-Tec vorhanden, eine für Kraftstoff, eine für CNG. Die 13,8 kg Erdgasvorrat sollen für 410 km Strecke reichen, der 9-l-Benzintank zusätzliche 220 km bescheren, das Umschalten funktioniert automatisch und nahezu unmerklich. Wir hatten den Kamiq G-Tec nur für etwa drei Stunden zur Verfügung, um die Reichweiten komplett auszuloten, fehlte uns die Zeit. Allerdings vermuten wir, dass die Werksangaben zu hoch gegriffen sind und es sich wohl ähnlich verhält wie mit dem bereits ausführlicher erprobten Schwestermodell Seat Arona TGI: Dass man nämlich - immer abhängig von der Fahrweise - auf etwa 300 Erdgas-Kilometer und weitere 110 mit Benzin kommt.

Wie fährt sich der Kamiq G-Tec?

Und wie fährt sich der Kamiq G-Tec? Gänzlich unauffällig, kein bisschen anders als der Benziner. Der 66 kW/90 PS starke Dreizylinder lässt kaum von sich hören, überwiegend waren wir im Stadtgebiet unterwegs, munter flitzt das frontgetriebene Erdgas-SUV dort von Spur zu Spur. Außerhalb der Stadtgrenzen, zuerst auf der Autobahn, später auf der Bundesstraße und auf Nebensträßchen, hat der kleine Dreieinder schon eher zu tun. Überholvorgänge gehen kaum, ohne das präzise Sechsganggetriebe zu bemühen, und auch an Steigungen ist immer wieder Runterschalten angesagt. Die Fahrdaten: Spitze 176 km/h, 0 auf 100 km/h in 12,5 Sekunden.

Ansonsten aber hält der Kamiq G-Tec prima die Balance zwischen straff und komfortabel, viel angenehmer und verbindlicher federt er ab als der 1.5 TSI mit Sportfahrwerk, den wir unlängst gefahren sind.

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Bivalent zu betreiben: Neben Erdgas tankt der Kamiq TGI G-Tec auch maximal neun Liter Benzin. Hersteller

Auch hinsichtlich des Verbrauchs ist unsere kurze Probefahrt nur von begrenztem Aussagewert. 4,7 kg/100 km nannte uns der Bordcomputer, bei gleichmäßig-gemäßigtem Autobahntempo sind aber offensichtlich auch Werte mit einer Drei vor dem Komma möglich.

Etwa 900 CNG-Tankstellen bundesweit

Sofern die persönliche Leistungsanforderung nicht allzu ambitioniert ausfällt, ist der Kamiq G-Tec eine schlaue Öko-Alternative, zumal auch das Tanken von Erdgas völlig unkompliziert vonstatten geht. Allerdings gibt es in Deutschland nur etwa 900 CNG-Stationen. Idealerweise sollte eine von ihnen in unmittelbarer Nähe des Wohnorts oder zumindest des Arbeitsplatzes liegen. Wer erst 25 Kilometer weit fahren muss zum Tanken, ist mit einem konventionellen Kamiq besser bedient.

Ulla Ellmer

Skoda Kamiq TGI G-Tec in Kürze:

Wann er kommt: Ist bereits auf dem Markt

Wen er ins Visier nimmt: Seat Arona TGI

Was ihn antreibt: Bivalent mit Erdgas oder Benzin zu betreibender 1.0-Liter-Dreizylinder mit 66 kW/90 PS

Was er kostet: Ab 23.000 Euro