Bundesliga

"Skandal, dass das Tor nicht zählt": Lieberknecht hadert mit Handspielregel

Darmstadt: Erneuter Wadenbeinbruch bei Mehlem?

"Skandal, dass das Tor nicht zählt": Lieberknecht hadert mit Handspielregel

Redebedarf: Tim Skarke (li.) im Gespräch mit dem Unparteiischen-Gespann in Bremen.

Redebedarf: Tim Skarke (li.) im Gespräch mit dem Unparteiischen-Gespann in Bremen. picture alliance/dpa

"Es ist ein Skandal, dass das Tor nicht zählt. Den, der diese Regel erfunden hat, würde ich gerne mal kennenlernen. Und am besten heute noch", meinte ein aufgewühlter Torsten Lieberknecht, bei Sky nach dem Spiel in Bremen, bei dem er selbst aufgrund einer Gelbsperre auf der Bank von Co-Trainer Ovid Hajou vertreten worden war. "Wir haben jetzt in den letzten Spielen drei Tore erzielt, die nicht gezählt haben. Das ist natürlich bitter", so der Darmstädter Coach weiter. 

Die Szene der Partie, die anschließend reichlich Gesprächsstoff lieferte, ereignete sich tief in der Nachspielzeit fast mit dem Abpfiff: Nach einem Befreiungsschlag der Darmstädter vom eigenen Strafraum aus, köpfte Bremens Christian Groß an der Mittellinie zurück zu Torhüter Michael Zetterer, der den Ball gegen den nahenden Tim Skarke nach vorne schlagen wollte. Doch der schlecht platzierte Schlag nach vorne prallte von Skarkes vor dem Bauch angelegtem Arm an seinen Oberschenkel und dann Richtung Tor. Das anschließende Laufduell gegen Zetterer gewann der Offensivakteur und drückte den Ball über die Torlinie. Nach Check durch VAR Patrick Hanslbauer wurde der Treffer aufgrund des Kontakts mit dem Arm indes schnell revidiert. 

DFB-Regeln: Absicht nicht entscheidend

In seinen "Fußball-Regeln 2023/24" lässt der DFB in Sachen Handspiel in "Regel 12 - Fouls und sonstige Vergehen" den Schiedsrichtern hierbei keinen Spielraum. So heißt es: "Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler ins gegnerische Tor trifft, unmittelbar nachdem er den Ball mit der Hand/dem Arm berührt hat (ob absichtlich oder nicht)."

Die Regel dürfte da nie Anwendung finden. Gäbe es dafür Elfmeter? Wahrscheinlich nicht, weil die Hand angelegt ist.

Torsten Lieberknecht

Zu eben jener Regel hat Lieberknecht derweil seine eigene Sicht: "Die Regel dürfte da nie Anwendung finden. Gäbe es dafür Elfmeter? Wahrscheinlich nicht, weil die Hand angelegt ist. Und das ist dann das, warum man da emotional am Rad dreht."

Fritz: "Für die Darmstädter sehr unglücklich"

Auch von Bremer Seite war man sich einig, in der Szene nach Zetterers Fauxpas gut weggekommen zu sein. "Ein bisschen Glück gehabt", meinte etwa Sportchef Clemens Fritz. "Glück gehabt", meinte auch Marvin Ducksch. Da hatten wir "definitiv Glück", erklärte auch Anthony Jung. "Das hätte uns sehr auch geärgert, wenn es für uns so passiert wäre", fügte der Defensivspieler an. Verständnis für den Ärger der Darmstädter zeigte auch Fritz. "Wenn es die Regel ist, dann ist es richtig. Aber man muss schon sagen: Für die Darmstädter, da bin ich schon ehrlich, ist das schon sehr unglücklich."

"Ich denke, beide Seiten haben recht", meinte der Bremer Coach über die unterschiedlichen Sichtweisen in Sachen Handspiel vor Torerzielung. Einerseits sei "die Regel ist nicht gerade geil, weil für die, die Fußballspielen, ist es schon so, dass man mit Absicht oder nicht Absicht deutlich mehr anfangen kann. Andererseits ist es halt die Regel und wir haben es dieses Jahr auch schon erlebt, dass das eine Rolle gespielt hat. Das Thema Handspiel wird sicher noch bis zum Ende aller Tage diskutiert werden". 

Wieder das Wadenbein: Lieberknecht bangt um Mehlem

In der Pressekonferenz hatte sich Lieberknecht wieder ein wenig beruhigt. Kennenlernen wolle er "den Erfinder der Regel" zwar noch immer, aber "nicht heute". Bangen muss der 50-Jährige derweil um Marvin Mehlem, der erst Anfang Dezember mit einem Wadenbeinbruch lange ausgefallen war. 

Mehlem spielte in Bremen zwar durch, hatte aber wieder Probleme mit dem Wadenbein. "Er hatte ein ungutes Gefühl, weil es wieder dieselbe Stelle war", erklärte Lieberknecht, der anfügte: "Wenigstens da hoffen wir, dass wir bei einer Millimeter-Entscheidung um den Wadenbeinbruch herumkommen."

jom

Bilder zur Partie Werder Bremen gegen SV Darmstadt 98