Europa League

Sixpack des FC Sevilla: Es kann nur einen geben

Erfolg der Andalusier ist auch das Ergebnis nimmermüder Arbeit

Sixpack des FC Sevilla: Es kann nur einen geben

Trainer Julen Lopetegui führte den FC Sevilla zum sechsten Triumph in der Europa League.

Trainer Julen Lopetegui führte den FC Sevilla zum sechsten Triumph in der Europa League. imago images

Just der Lopetegui, der 2018 für einen mittleren Skandal sorgte, als er als Spaniens Nationaltrainer vor der WM in Russland bereits bei Real Madrid unterschrieb - was ihm bei Bekanntwerden die sofortige Entlassung einbrachte. Am Tag vor dem Eröffnungsspiel der WM. Drei Monate später wurde der Coach dann auch bei Real Madrid gefeuert. Wegen Erfolgslosigkeit.

Wenn die Hymne ertönt, dann wächst dieser Klub über sich hinaus.

Julen Lopetegui

Am Freitag aber ließen ihn seine Spieler bei den Feierlichkeiten durch die Luft fliegen - und Lopetegui ließ seinen Tränen freien Lauf. "Man muss Schwierigkeiten überwinden können", erklärte der 53-Jährige. Und: "Wenn die Hymne ertönt, dann wächst dieser Klub über sich hinaus."

De Jong macht sich selbst das schönste Geburtstagsgeschenk

Doppeltorschütze Luuk de Jong, vor der Saison aus Eindhoven gekommen, bestätigte dies: "Die Tore und der Sieg gelten den Fans. Ich habe schon in der Gruppenphase bemerkt, wie wichtig ihnen dieser Wettbewerb ist", erklärte der als "Man of the Match" ausgezeichnete Niederländer. Die Goldmedaille hing ihm dabei um den Hals. Ob es für ihn eine besonders spezielle Nacht gewesen sei, als Ex-Gladbacher (2012 bis 2014) in Köln zu triumphieren? Natürlich sei das schön, sogar so nah der eigenen Heimat zu gewinnen. Aber letztlich ging es "nur um den Sieg und die Trophäe". Beides hat der Stürmer nun - und sich damit selbst das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht: Am kommenden Donnerstag wird er 30 Jahre alt.

Jesus Navas stellt Rekord auf

Zum dritten Mal bereits stemmte Jesus Navas den Siegerpokal in die Höhe, 2006 und 2007 als junger Offensivspieler. Längst agiert der 34-Jährige Kapitän als Rechtsverteidiger, nun triumphierte er mit dem Verein seines Herzens 14 Jahre nach dem ersten Erfolg: Rekordabstand in der Geschichte des Europacups. "Sevilla ist für mich alles, hier wurde ich Fußballer, hier wurde ich groß", erklärte der Weltmeister von 2010 und Europameister von 2012 dieser Tage der Zeitung El Pais.

Zum 1:0 gab Navas die genau getimte Flanke auf de Jong. Der Mann mit den stahlklaren Augen legte also selbst den Grundstein dafür, dass er nun eine Art Rekordsieger dieses Wettbewerbs ist. Auch wenn er den Titel-Hattrick 2014 bis 2016 verpasste, weil er 2013 zu Manchester City wechselte.

Beim Siegerfoto saß Navas auf der einen Seite des Pokals, auf der anderen Ever Banega. Als "Spiegel, in denen sich die anderen wiederfinden sollten", hatte Sportdirektor Monchi seine beiden Anführer noch am Vortag im kicker-Interview bezeichnet. Und beide lieferten.

Banega, der nun, mit 32 und auf eigenen Wunsch, nach Saudi-Arabien wechselt, des Geldes wegen. Der Argentinier war sogar an allen drei Toren gegen Inter beteiligt: Präziser Seitenwechsel vor dem 1:0 auf Navas, später Assist-Geber beim 2:1 auf de Jong und beim 3:2 auf Diego Carlos. "Professionalität, Engagement, Bedeutung, Einsatz, Leistung" zeichneten Navas und Banega aus, so Monchi.

Sechs Finals, sechs Siege

Und das sind auch die Andalusier in der Europa League bzw. dem Vorgänger UEFA-Cup. Freitag kurz vor Anpfiff um 21 Uhr waren es noch fünf Finals, fünf Siege. Um 23 Uhr hieß es dann: sechs Finals, sechs Siege.

Das eigentlich Bemerkenswerte neben dem statistischen Bestwert: Immer wieder gelang es den Andalusiern, nach dem Abgang von Schlüsselspielern in kürzester Zeit eine international siegreiche Mannschaft zu formen. Frederic Kanouté, Luis Fabiano, Ivan Rakitic und natürlich auch Dani Alves, sie alle gewannen teils mehrmals mit Sevilla den Cup - und waren dann oft schnell weg.

2006 und 2007 war auch noch Antonio Puerta dabei. Der Defensivspieler starb im August 2007 am plötzlichen Herztod. Mit 22 Jahren. Der Verein war ins Mark getroffen - und überwand mit familiärer Geschlossenheit auch diesen Schock. Und so kam der FC Sevilla immer wieder zurück, selten schwächer als zuvor - was vor allem auch das Werk des 51-jährigen Ex-Torhüters Monchi ist. Seit 20 Jahren ist er als Sportdirektor im Sanchez Pizjuan tätig. Ausnahme: das Intermezzo von 2017 bis 2019 bei der Roma.

Wendung des Fußballs: Vor zwei Wochen besiegte Sevilla im K.-o.-Spiel des Achtelfinales in Duisburg ausgerechnet Monchis Kurzzeit-Arbeitgeber aus Italien. Es war der Auftakt zu den Ausscheidungsspielen in Nordrhein-Westfalen, die nun mit Sevillas Sixpack in Köln endeten. Als könnte es in der Europa League eben nur einen Sieger geben: den FC Sevilla.

Jörg Wolfrum

Bilder zur Partie FC Sevilla - Inter Mailand