EM

Silhavy: "Wir wollen die Niederlande überraschen"

Tschechiens Kapitän Darida ist angeschlagen

Silhavy: "Wir wollen die Niederlande überraschen"

"Nur verteidigen wird nicht gehen": Tschechiens Trainer Jaroslav Silhavy,

"Nur verteidigen wird nicht gehen": Tschechiens Trainer Jaroslav Silhavy, imago images

Aus Budapest berichtet Jörg Wolfrum

"Acht Tore" und, Tschechiens Nationaltrainer Jaroslav Silhavy hat genau mitgezählt bei der Vorbereitung auf das Achtelfinale am Sonntag um 18 Uhr in der Puskas-Arena von Budapest, "vierzig Tormöglichkeiten" habe die Niederlande in der Gruppenphase bilanziert. "Sie sind hungrig auf Tore. Und sie hätten ja auch ausgezeichnete Defensivspieler wie Daley Blind, Frenkie de Jong oder Denzel Dumfries, um nur ein paar zu nennen, die zudem oft auch gar nicht so defensiv agierten.

Was daraus folgt für Tschechien? "Nur verteidigen wird nicht gehen", betont Silhavy, "wir müssen selbst angreifen, Konter fahren, effizient agieren und als Team auftreten". Ergo: "Wir müssen unsere bestmögliche Leistung zeigen."

Von der wegen technischer Probleme verzögerten Anreise aus Prag am Samstag wollte der 59-Jährige indes nichts mehr wissen. "Wir haben getan, was wir konnten." Was als Reaktion auf die Komplikationen mit dem Flugzeug gemünzt war, gilt dem Coach auch mit Blick auf den Gegner: "Die Niederlande sind die Favoriten. Aber es ist ein Spiel, da kann alles passieren. Wir wollen sie überraschen."

Geheimnis um Daridas Verletzung

Zur Not auch ohne den angeschlagenen Kapitän Vladimir Darida. Der Berliner hatte sich am Freitag im Training in Prag verletzt und saß am Samstagabend in der Puskas-Arena neben seinem Nationaltrainer. Die Art der Verletzung wurde weiter geheim gehalten. Man will schließlich den Gegner im Ungewissen lassen. Ob der 30-Jährige am Sonntagnachmittag auflaufen kann, entscheidet sich laut Silhavy erst am Sonntagmorgen.

"Den Kapitän zu verlieren wäre schmerzhaft, aber wir suchen nach Lösungen", erklärte Coach Silhavy. Antonin Barak von Hellas Verona sei eine Option, auch wenn der offensiver ausgerichtet ist und bislang nur eine Handvoll Minuten gespielt hat. Naja, vielleicht doch nicht so der richtige Ersatz? Silhavy wollte es nicht sagen, zumal auch Linksverteidiger Jan Boril vom Meister Slavia Prag gelbgesperrt fehlt. Der Hoffenheimer Pavel Kaderabek oder Ales Mateju (Brescia Calcio) müssen ran.

Problem dabei: Beide haben noch keine Minute gespielt bei diesem Turnier, da Boril unumstritten ist auf seiner Position. Keine Frage: Die Voraussetzungen gegen die offensivstarken Niederländer könnten besser sein.

"Der Gegner und das volle Stadion sind eine gute Motivation"

Doch wer auch immer spiele, "der Gegner und das volle Stadion sind eine gute Motivation", so Coach Silhavy, der dann gedanklich in die EM-Geschichte reist, 2004 nach Portugal. Damals war er Assistent von Trainerlegende Karel Brückner und als solcher beim 3:2 in der Gruppenphase über die Niederlande dabei. "Allerdings mit zwei Unterschieden zu heute. Wir waren damals leichte Favoriten. Heute sind wir der Underdog." Ist eigentlich ein Argument, aber egal.

Und auch Kapitän Darida musste zum Ende der Präsentation in der Puskas-Arena endlich mal nicht Geheimnis spielen, sondern sprach ganz offen: "Ich erinnere mich noch gut an 2004. Am Tag danach ging es in der Schule nur um dieses Spiel." Wie heute in Tschechien auch. Unterschied: Damals war Darida ein Junior von 13 Jahren. Diesmal steht er im Mittelpunkt der Spekulationen. Spielt er, spielt er nicht? Der Countdown läuft.

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