Tennis

Siegemund krönt Aufholjagd und trifft auf Görges

French Open am Dienstag: Tsitsipas knapp, Djokovic souverän

Siegemund krönt Aufholjagd und trifft auf Görges

Julia Görges

Siegerfaust: Julia Görges ist in Paris weiter, nun wartet Laura Siegemund. imago images

Laura Siegemund und Julia Görges haben die sportliche Ehre der deutschen Tennis-Damen in Paris gerettet. Die 32 Jahre alte Siegemund setzte sich am Dienstag bei den French Open gegen die Französin Kristina Mladenovic nach einem tollen Comeback mit 7:5, 6:3 durch und zog in die zweite Runde ein.

Görges dreht im dritten Satz auf

Wenig später folgte ihr die 31 Jahre alte Görges. In ihrem erst zweiten Match nach dem Neustart nach der monatelangen Corona-Pause gewann die Fed-Cup-Spielerin gegen die an Nummer 19 gesetzte Amerikanerin Alison Riske mit 6:3, 6:7 (4:7), 6:1. Görges und Siegemund treffen nun aufeinander. Zuvor hatten Angelique Kerber, Andrea Petkovic, Anna-Lena Friedsam und Tamara Korpatsch ihre Auftaktpartien verloren.

Für Philipp Kohlschreiber sind die French Open dagegen schon wieder vorbei. Der 36 Jahre alte Augsburger verlor bei nasskaltem Wetter in Paris gegen den Chilenen Cristian Garin mit 4:6, 6:4, 1:6, 4:6 und schied damit als erster Deutscher in der Herren-Konkurrenz aus. Vor dem Davis-Cup-Spieler hatten Alexander Zverev, Dominik Koepfer, Daniel Altmaier und Jan-Lennard Struff ihre Auftaktpartien im Stade Roland Garros gewonnen. Insgesamt stehen damit sechs von elf gestarteten Deutschen in Paris in Runde zwei.

Ein Erfolgserlebnis gab es auch für das deutsche Doppel Kevin Krawietz und Andreas Mies. Die Titelverteidiger gewannen gegen die beiden Kasachen Alexander Bublik und Michail Kukuschkin mühelos mit 6:2, 6:3. "Es war ein tolles Gefühl, hier wieder auf die Anlage zu kommen", sagte Mies. "Wir haben so viele Erinnerungen an diesen magischen Ort." Im vergangenen Jahr hatte das Duo völlig unerwartet den Titel gewonnen.

Siegemund machte im ersten Satz einen 1:5-Rückstand wett und wehrte sieben Satzbälle ab. Nach 2:02 Stunden nutzte sie ihren ersten Matchball. Siegemund begeisterte mit einer kämpferisch überragenden Leistung. Einen Tag nach der Lustlos-Vorstellung von Angelique Kerber ließ sich die US-Open-Siegerin im Doppel auch von einem schlechten Start nicht aus der Ruhe bringen.

Siegemund steigert sich nach klarem Rückstand

Obwohl Mladenovic unter dem geschlossenen Dach des Court Philippe Chatrier auf 5:1 davon zog, blieb Siegemund ruhig und steigerte sich von Ballwechsel zu Ballwechsel. Nach 71 Minuten wurde die Aufholjagd der Schwäbin mit dem Gewinn des ersten Satzes belohnt. "Das war herausragend", sagte Deutschlands Damen-Chefin Barbara Rittner als TV-Expertin bei Eurosport. Glück hatte die deutsche Fed-Cup-Sielerin allerdings bei einer falschen Schiedsrichter-Entscheidung, ohne die Mladenovic den ersten Satz gewonnen hätte: Die Französin hatte einen Stopp-Ball Siegemunds erlaufen und ebenfalls mit einem Stopp geantwortet - dieser tippte auf der gegnerischen Seite zweimal auf, doch Mladenovic war in der Wahrnehmung des Schiedsrichters zuvor im Netz gelandet, so dass der Punkt an Siegemund ging.

"Ich war mit dem Anfang überhaupt nicht zufrieden, da habe ich viel zu viele leichte Fehler gemacht", sagte Siegemund selbstkritisch. "Aber wie ich mich dann gesteigert und gespielt habe, das war schon sehr gut", sagte die Schwäbin, die im zweiten Satz alles im Griff hatte.

Görges war dagegen von Beginn an voll da. Nachdem die 31-Jährige zuletzt in Rom in der ersten Runde noch sang- und klanglos verloren hatte, hatte es einige Zweifel um die Form der in Regensburg lebenden Görges gegeben. Doch gegen Riske zeigte sie eine überzeugende Leistung. Zwar vergab sie im zweiten Satz drei Matchbälle und gab den Durchgang im Tiebreak noch ab. Aber Görges blieb nervenstark und holte sich mit etwas Verspätung doch noch den Sieg.

Für Kohlschreiber war es dagegen die vierte Erstrunden-Niederlage in Serie. Seit dem Neustart nach der monatelangen Corona-Pause hat er nur ein einziges Match gewonnen, Mitte August beim Challenger-Turnier in Prag. Und jetzt auch noch die Wetterkapriolen in Paris. Warum tut er sich das überhaupt noch an?

Kohlschreibers "Liebe am Sport ist noch da"

Eine Frage, die der Davis-Cup-Profi so gar nicht mag. "Warum reden wir von 'sich antun'? Nur weil ich etwas älter bin?", fragte der Bayer. Natürlich sei die Freude am Tennis derzeit bei all den Einschränkungen etwas "gedämpft. Aber die Liebe am Sport ist immer noch da", sagte Kohlschreiber, der in der kommenden Saison 20 Jahre auf der Tour unterwegs ist. "Es ist alles kompliziert, aber ich versuche, es zu genießen. Und ich hoffe, dass es irgendwann alles wieder etwas einfacher wird."

Wann das so sein wird, ist derzeit noch völlig offen. Doch deshalb gleich die Karriere zu beenden, das kommt für den achtfachen ATP-Turniersieger nicht infrage. Bei zwei kleineren Challenger-Events in Parma und auf Sardinien will Kohlschreiber noch spielen, was danach kommt, gilt es abzuwarten. "Vielleicht ist es auch nicht verkehrt, sich Zeit zu nehmen und an seinem Tennis zu arbeiten", sagte Kohlschreiben. Denn 2021 soll es auf jeden Fall weitergehen.

Tsitsipas knackt die harte Nuss Munar

Weiter geht es in Roland Garros für Turnierfavorit Novak Djokovic, der sich gegen den Schweden Mikael Ymer überhaupt keine Blöße gab und beim 6:0, 6:3 und 6:2 nur fünf Spiele abgab. Wesentlich schwerer tat sich Stefanos Tsitsipas, der den Spanier Jaume Munar in fünf Sätzen niederrang: 4:6, 6:2, 1:6, 6:4 und 6:4 hieß es am Ende aus Sicht des an Fünf gesetzten Griechen.

bst/jch/dpa