Bundesliga

Siebert: "Strafstoß wäre die richtige Entscheidung gewesen"

Referee im kicker-Gespräch über die Aufreger in München

Siebert: "Strafstoß wäre die richtige Entscheidung gewesen"

"Das war der größte Fehler in diesem Spiel". Pavard trifft Brandt klar am Knöchel.

"Das war der größte Fehler in diesem Spiel". Pavard trifft Brandt klar am Knöchel. IMAGO/Jan Huebner

Zwei Aufregerszenen, zweimal stand Bayerns Benjamin Pavard im Mittelpunkt. Beide Mal blieben die Grätschen des französischen Verteidigers ohne Sanktion - zu Unrecht, wie Siebert im Gespräch mit dem kicker einräumt. Der Berliner FIFA-Referee erinnert in seiner Erklärung unter anderem an einen eigenen Fehler aus dem DFB-Pokalhalbfinale 2019.

Zweikampf Pavard gegen Brandt im Mittelfeld in der 49. Minute:

Die allermeisten Beobachter wunderten sich, warum das Spiel weiterlief, obwohl sich Julian Brandt nach einem Einsteigen von Benjamin Pavard den schmerzenden Knöchel hielt. Siebert kann die Verwunderung verstehen und bekennt: "Das war der größte Fehler in diesem Spiel und über meine Bewertung dieser Szene ärgere ich mich sehr. Brandt enteilt in hohem Tempo Richtung Münchner Tor und Pavard setzt von seitlich-hinten recht kontrolliert zur Grätsche an, um den Ball zu spielen. Er trifft aber nur Brandts Knöchel, es war also ein klares Foul, das zusätzlich zwingend mit Gelb zu ahnden gewesen wäre."

Seine Perspektive im laufenden Spiel: "Weil der Ball genau in der Richtung weiterrollte, als hätte Pavard tatsächlich den Ball gespielt, hatte ich im Spiel leider eine falsche Wahrnehmung und habe 'Ball gespielt' angezeigt. Ich bin froh, dass Brandt weiterspielen konnte und sich offenbar nicht ernsthaft verletzt hat. “

Zweikampf Pavard gegen Bellingham im Münchner Strafraum in der 59. Minute:

Vor allem an der Bewertung dieser Szene entzündete sich der Ärger von BVB-Trainer Marco Rose und des künftigen Dortmunder Sportdirektors Sebastian Kehl.

"Im Laufduell zwischen Pavard und Bellingham setzt Pavard zur Grätsche an, um mit seinem rechten Bein den Ball vom Fuß zu grätschen. Dieser erste Versuch schlägt fehl, Pavard spielt den Ball nicht, sein Bein stellt stattdessen im Laufweg von Bellingham ein Hindernis dar. Regeltechnisch ist es ein Zufallbringen und damit ein Foul. Dass Pavard kurz danach den Ball berührt, ist irrelevant", schildert Siebert die Szene und räumt ein: "Strafstoß wäre die richtige Entscheidung gewesen."

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IMAGO/Jan Huebner

Warum kam er auf dem Rasen nicht zu dieser Erkenntnis? "Auf dem Feld verdeckte mir Pavard mit seiner Grätsche den Blick auf den entscheidenden Kontakt im Fußbereich", sagt Siebert und erläutert mit Verweis auf einen vergangenen Fehler aus der Saison 2018/19, wie elementar die eigene Sicht des Referees ist: "In solchen Szenen bin ich seit dem DFB-Pokalhalbfinale 2019 zwischen Werder Bremen und Bayern München ein gebranntes Kind. Bei einem Strafraumduell zwischen Gebre Selassie und Coman sah der gesamte Bewegungsablauf seinerzeit nach Foul aus, die TV-Bilder widerlegten jedoch später diesen Eindruck und meine Strafstoß-Entscheidung."

Besonders aus diesem Fall habe Siebert seine Lehren gezogen. "Ich kann als Schiedsrichter nicht auf Verdacht, sondern nur auf Strafstoß entscheiden, wenn ich einen strafbaren Kontakt deutlich wahrnehme. Ansonsten gilt: Im Zweifel weiterlaufen lassen", erklärt er, räumt aber auch nochmals ein: "Vor allem in der Kameraeinstellung 'Hintertor hoch' ist in diesem Fall der strafbare Kontakt von Pavard an Bellingham jedoch deutlich erkennbar.“

Auch wenn die Auflösung der Szene selbst im Video-Center knifflig war, wäre eine VAR-Intervention in diesem Fall nötig gewesen.

Carsten Schröter-Lorenz

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