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Sexismus, Streik & Saudi-Arabien: eSport-Aufreger des Jahres

kicker eSport Jahresrückblick

Sexismus, Streik und Saudi-Arabien: Die größten Aufreger des eSport-Jahres

Die eSport- und Gaming-Welt hat auch 2023 wieder einige Aufreger produziert.

Die eSport- und Gaming-Welt hat auch 2023 wieder einige Aufreger produziert. kicker eSport/Kirill Bashkirov/Getty Images (2)

Das Jahr 2023 begann vielerorts wortwörtlich mit einem Knall - besser gesagt: diversen Knalls. Die ersten Neujahrsfeiern ohne Corona-Auflagen gerieten in diversen Städten zu Silvesterrandalen. Anschließend diskutierte ganz Deutschland über die Ursachen für die Ausschreitungen. Im "ARD Presseclub" vom 8. Januar 2023 wärmte Eva Quadbeck, stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin des Hauptstadtstudios des Redaktionsnetzwerks Deutschland, in diesem Zuge sogar die "Killerspiel"-Debatte wieder auf. Und zog eine Verbindung zwischen der "Enthemmung", die die Randale ermöglicht habe, und Ego-Shootern. 

Ein holpriger Jahresauftakt also für die Gaming-Szene in der öffentlichen Wahrnehmung. In den Monaten darauf waren es aber vorwiegend ihre eigenen Akteure, die hin und wieder für negative Schlagzeilen sorgten. Im Februar wurde ein altbekanntes Problem erneut an die Oberfläche befördert: Sexismus. Die Streamerin Yinsu 'Yinsu' Collins sah sich in Valorant frauenfeindlichen Aussagen gegenüber - und meldete die entsprechenden Spieler.

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Statt aber die Täter zu sperren, belegte Riot Games erst mal 'Yinsu' mit einem Bann. Die räumte ein, "in meinem Wunsch, mich zu verteidigen, aggressiv" gewesen zu sein. Trotzdem blieb die Frage, die Collins anschließend selbst in den Raum stellte: "Ich akzeptiere meinen Drei-Tage-Bann für meine Verteidigung, aber könnten wir bitte dieselbe Energie aufbringen, wenn es um Leute geht, die in dem Spiel aktiv Frauen provozieren?"

Österreich gegen die Lootboxen

Mit dem langsam anbrechenden Frühling spross im März ein weiteres Dauerthema der Gaming-Branche wieder aus dem Boden hervor: Lootboxen in Videospielen. Ein österreichisches Gericht erklärte den Mechanismus in FIFA 23 für "konzessionspflichtiges Glücksspiel". Eine entsprechende Lizenz fehlte dem verklagten japanischen Konsolenhersteller Sony, über dessen PlayStation-Shop die FUT-Packs gekauft worden waren. Entsprechend wurde Sony zu einer Rückzahlung verurteilt. Dieses Urteil wurde im August in zweiter Instanz bestätigt - ein herber Schlag auch für EA SPORTS, die FIFA respektive FC entwickeln. 

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Neigte sich im Mai der Frühling allmählich seinem Ende entgegen, stand der Summer Split in der nordamerikanischen LoL-Liga LCS gerade vor dem Start. Pünktlich konnte dieser aber nicht vonstattengehen: Die eSportler weigerten sich und setzten zum Streik an. Es ging um Streitigkeiten zwischen den Spielern und Riot Games hinsichtlich der Gehälter und der Jugendförderung. Auch Falschaussagen des Entwicklers und Organisators standen im Raum. LoL-Profis Joseph 'Levitate' Hong sprach von einem "kaputten System". 

Leere Bühnen konnten für den Summer Split der LCS gerade noch verhindert werden. Riot Games

Die Sommer-Saison wurde verschoben, Riot Games stellte einen Maßnahmenkatalog zur Befriedung der LCS-Organisationen und der Spielervereinigung vor. Die meisten der Forderungen wurden zwar abgeschmettert - eine zusätzliche Finanzierung der NA Challengers League, des Talente-Unterbaus in Nordamerika, wurde jedoch gewährt. So konnte auch die Teilhabe der LCS an der LoL-Weltmeisterschaft letztlich sichergestellt werden. 

Elfmeter-Skandal im FIFAe-WM-Finale

Womit wir im Hochsommer angekommen wären - traditionell der Zeit im Jahr, wenn im FIFA-eSport die großen Entscheidungen fallen. So auch 2023. Wobei zunächst nicht der Wettbewerb, sondern der Austragungsort im Vordergrund stand. Die FIFAe Finals wurden allesamt nach Saudi-Arabien vergeben, in die Hauptstadt Riad. Von ersten Gerüchten bis hin zur Bestätigung führte die FIFA einen monatelangen Eiertanz um die Vergabe auf. Wohl wissentlich, dass der Wüstenstaat international aufgrund der Menschenrechtslage im Land immer wieder massiv in der Kritik steht.

Die FIFAe Finals wurden zu einem Bestandteil von Gamers 8 - dem eSport-Event mit dem größten Preisgeld aller Zeiten. Im kommenden Jahr will das Königreich übrigens nachlegen. Dann soll im Sommer der erste Esports World Cup überhaupt stattfinden. Nach Vorwürfen des Sportswashings gegenüber Saudi-Arabien wurden im Lichte dieser Entwicklungen auch erstmals über eSportswashing gesprochen. 

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Auch sportlich hatten die FIFA-Weltmeisterschaften noch ihren Skandal parat: Das Finale des FIFAe World Cup 2023 zwischen Manuel 'ManuBachoore' Bachoore und Mark 'Mark11' Zakhary wurde im Elfmeterschießen entschieden. Schon kurz nach dessen Beginn kam Aufregung bei 'Mark11' und dessen Entourage auf: Sein Controller und die dazugehörigen Eingaben waren auf dem Bildschirm in der Halle zu sehen. Der Australier hob die Hand, bat die Unparteiischen zu sich - wurde aber ignoriert. Auch seinen Protesten nach dem verlorenen Elfmeterschießen wurde nicht stattgegeben. Die FIFA ihrerseits gab im Anschluss noch eine Stellungnahme ab, die aber nicht wirklich zur Klärung beitrug.

FIFA-Einzelweltmeister unter Protest: Manuel Bachoore. FIFA via Getty Images

Konami macht eFootball-eSportler arbeitslos

Während der FIFA-eSport sich im Anschluss einige Kritik gefallen lassen musste, wird der eFootball-eSport umstrukturiert. Den Profis, die sich bislang vorrangig über die eFootball Championship Pro finanziert haben, wird die Lebensgrundlage entzogen - denn der internationale Klub-Wettbewerb wird 2024 nicht ausgetragen. "Eine Katastrophe" nannte der dreifache Weltmeister Wahid Rachid 'Usmakabyle' Tebane die kompetitive Änderung. Das eSport-Engagement des FC Bayern München in eFootball ist für beendet erklärt worden. 

Konami implementiert stattdessen "Club Events", die für alle Spieler offen sind und durch eine WM-Finalrunde abgeschlossen werden sollen. Die Pro-Landschaft wird dadurch abgeschafft, die eSportler werden arbeitslos. Das ist zum Jahresende der traurige Zwischenstand einer jahrelangen Fehlentwicklung in der Fußball-Simulation in Europa, die mit dem Übergang von PES zu eFootball begonnen hatte.

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