Bundesliga

Seoane: "Normal reicht nicht - da muss schon mehr kommen"

Leverkusens Trainer nimmt sich Paulinho zur Seite

Seoane: "Normal reicht nicht - da muss schon mehr kommen"

Sah sich zuletzt zu lautstarken Anweisungen gezwungen: Leverkusens Coach Gerardo Seoane.

Sah sich zuletzt zu lautstarken Anweisungen gezwungen: Leverkusens Coach Gerardo Seoane. picture alliance/dpa

Es herrscht Redebedarf bei Bayer. Nicht nur wegen drei Niederlagen in den ersten drei Pflichtspielen. Sondern auch mit Paulinho. Der Angreifer wollte eigentlich nach Brasilien (Atletico Minerio und Palmeiras waren interessiert) wechseln, wo das Transferfenster am Montag schloss, doch am Dienstag trainierte der Brasilianer in Leverkusen mit der Mannschaft.

Also nahm sich Gerardo Seoane den 22-Jährigen zur Seite. "Es ging mir darum, ihn abzuholen", erklärte der Schweizer danach. Schließich hatten sich sowohl der Spieler, der mangels Perspektive auf einen dauerhaften Stammplatz den Klub verlassen möchte, als auch Bayer 04, dass für den 2018 für 18,5 Millionen Euro geholten Techniker ein Jahr vor dessen Vertragsende noch eine Ablöse kassieren möchte, einen anderen Verlauf des Montags erhofft.

Paulinhos Zukunft weiter offen

Doch zumindest machte Paulinho im Gespräch auf seinen Trainer laut Seoane einen guten Eindruck. Und angesichts der Personalmisere auf den Flügelpositionen, auf denen nach Amine Adli (Schlüsselbeinbruch) nun auch Karim Bellarabi (Meniskusriss) länger fehlen werden, könnte der Olympiasieger von 2021 zumindest kurzfristig noch eine nicht ganz unwichtige Rolle für Bayer spielen.

Paulinhos Zukunft ist weiter "offen", wie Seoane erklärte. Ob man den Brasilianer oder auch den ebenfalls wechselwilligen Nadiem Amiri, den der Trainer auch schon als Linksaußen einsetzte, nun sogar halten müsse? "Es kann sich jeder vorstellen, dass wir darüber intensiv diskutieren. Wir müssen abwägen, welche Möglichkeiten es für diese Spieler gibt und welche für uns. Mit Adli und Bellarabi fehlen uns ja zwei Spieler voraussichtlich zwei Monate", erklärt der 43-Jährige.

Gespräche sind derzeit also im besonderen Maße angesagt. Auch um zu eruieren, warum die personell kaum veränderte Werkself bislang nicht mehr so funktioniert wie in der Vorsaison oder selbst noch in der Vorbereitung.

Die klare Analyse, die Seoane nach dem 1:2 gegen Augsburg angekündigt hat, hat bezüglich der beiden Niederlagen in der Liga auch eine große Diskrepanz zwischen Leistung und Resultat hervorgebracht. Anders als für das Aus in der 1. Runde des DFB-Pokals. "Nach Elversberg waren wir sehr, sehr kritisch", erklärt Seoane, der aber keine Schwarz-weiß-Malerei betreiben möchte. "Wenn man die reinen Leistungen in Dortmund und gegen Augsburg ohne die Ergebnisse anschaut, gibt es keinen Grund, auf Panik zu machen. Überhaupt nicht", sagt er, räumt jedoch ein: "Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere sind die Resultate."

Man muss sich den Erfolg wieder verdienen.

Gerardo Seoane

Die Brisanz, die sich durch die gehäuften Misserfolgserlebnisse entwickelt, ist ihm wohl bewusst. Schließlich hinterlassen diese nicht nur tabellarisch Spuren. Die in den Köpfen der Spieler muss Seoane bearbeiten. Den Weg beschreibt er genauso wie die zwingende Konsequenz daraus: "Wenn du eine Hiobsbotschaft bekommst, bist du erst traurig, aber dann musst du ja nach vorne gehen. Das haben wir vergangenes Jahr öfter geschafft und jetzt im Moment noch nicht."

Daran gelte es zu arbeiten, fordert Seoane, "voller Energie und Lust, diese Challenge anzunehmen.  Mit dem Wissen, dass es für uns in dieser Situation heißt: Normal reicht nicht - da muss mehr kommen. Man muss sich den Erfolg wieder verdienen."

Stephan von Nocks