Bundesliga

Seit 2010: Verbindlichkeiten der Klubs auf 2,15 Milliarden Euro verdreifacht

Fahrlässige Ausgabementalität zu Boomzeiten rächt sich in der Pandemie

Seit 2010: Verbindlichkeiten der Klubs auf 2,15 Milliarden Euro verdreifacht

Die DFL-Klubs haben seit 2010 ihre Verbindlichkeiten verdreifacht und stehen aktuell bei 2,15 Milliarden Euro.

Die DFL-Klubs haben seit 2010 ihre Verbindlichkeiten verdreifacht und stehen aktuell bei 2,15 Milliarden Euro. picture-alliance

Nach 15 aufeinanderfolgenden Umsatzrekorden hat der deutsche Profifußball in der Saison 2019/20 erstmals wieder einen Einbruch bei den Einnahmen erfahren. Diese gründeten vor allem auf dem hiesigen Ausbruch von COVID-19 im März 2020, der Geisterspiele ohne Zuschauereinnahmen an den letzten neun Spieltagen der vergangenen Saison zur Folge hatte.

In der Bundesliga sanken die Einnahmen gegenüber der Saison 2018/19 vom Allzeitrekord mit etwa 4,02 Milliarden Euro auf 3,8 Milliarden Euro, in der 2. Bundesliga von 782 Millionen Euro auf knapp 726 Millionen Euro.

Unter dem Strich stehen insgesamt niedrigere Gesamteinnahmen in Höhe von exakt 273,774 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten der 36 Profiklubs stiegen in der Saison 2019/20 um exakt 374,478 Millionen Euro. Ein schlechtes Signal. Auch ohne Corona-bedingte Einnahmeverluste und trotz leicht höherer Fernseheinnahmen (plus 22 Millionen Euro) sind die Verbindlichkeiten der Profiklubs um 374,58 Millionen Euro auf 2,15 Milliarden Euro gestiegen!

"Jetzt kommt der Sturm": Profi-Gehälter und Transferausgaben müssen sinken

Das ganze Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie auf den Profifußball wird sich erst am Ende dieser Saison zeigen. Mit einem Umsatzeinbruch in Höhe von etwa einer Milliarde Euro ist per 30. Juni 2021 zu rechnen. Bereits im Dezember hatte DFL-Boss Christian Seifert gesagt: "Die letzte Saison war bestenfalls ein laues Lüftchen, jetzt aber kommt der Sturm!" Ohne eine gewaltige Reduzierung der Gehälter und der Transferausgaben droht mehreren Klubs die Insolvenz. Auf Basis der Verluste bei den Zuschauereinnahmen an den neun Geisterspieltagen der Saison 2019/20 muss der deutsche Profifußball angesichts der Geisterspiele über die fast gesamte Saison 2020/21 allein in diesem Bereich mit Mindereinnahmen von 700 Millionen Euro rechnen.

Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass vielen Besitzer von Dauerkarten in der vergangenen Saison auf die anteilige Erstattung ihrer Zahlungen für die letzten vier beziehungsweise fünf Heimspiele ihres Vereins verzichtet haben. Dazu kommen geringere Erlöse aus Sponsoring, Marketing, Merchandising und Transfers.

In der detaillierten Betrachtung stehen in der Bundesliga folgende gesunkene Einnahmen um 156,7 auf 363,5 Millionen Euro bei den Zuschauern, um 80,8 auf 594,3 Euro bei den Transfers und um 38,2 auf 281,8 Millionen Euro unter "Sonstiges" höhere Einnahmen um 6,1 Millionen Euro auf 1,49 Milliarden Euro bei den Fernsehgeldern, um 43,4 auf 888,8 Millionen Euro in der Werbung und um 8,4 Millionen Euro im Merchandising gegenüber.

Fahrlässiges wirtschaftliches handeln in Boomzeiten

Deutlicher denn je zuvor zeigt sich seit Ausbruch der Pandemie, wie fahrlässig die Mehrzahl der Profivereine in den zurückliegenden zehn Jahren bei gewaltig gewachsenen Einnahmen in den Jahren des Umsatzbooms umgegangen sind. Selbst nach Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 erzielten die 36 Profiklubs in der Saison 2019/20 noch einen Gesamtumsatz von 4,53 Milliarden Euro. Weit mehr als das Doppelte gegenüber der Saison 2009/10 mit Gesamterlösen von 2,08 Milliarden Euro. Die Gehälter der Spieler sind in diesen zehn Jahren von insgesamt 750 Millionen Euro auf 1,45 Milliarden Euro gestiegen, die Transferausgaben regelrecht explodiert von 283 Millionen Euro auf 910 Millionen Euro.

Auf der Einnahmenseite explodierten ebenfalls die Fernseheinnahmen der Bundesliga- und Zweitligaklubs von 611 Millionen auf 1,75 Milliarden Euro fast um das Dreifache! Seit Ausbruch der Pandemie und mit jedem weiteren Spieltag ohne Zuschauer rächt es sich jetzt, dass die Klubs in Boomzeiten der vergangenen zehn Jahre bei Gehältern, Beraterkosten und Transfers jedes Maß verloren haben.

Der Profi-Fußball hängt am Tropf der Medienunternehmen

Die TV-Gelder machen nach Abschluss dieser Saison 50 Prozent der Einnahmen der DFL-Klubs aus.

Die TV-Gelder machen nach Abschluss dieser Saison 50 Prozent der Einnahmen der DFL-Klubs aus. picture-alliance

Aktuell hängt der Fußball mehr denn je am Tropf der Medienunternehmen. Machte deren Anteil an den Gesamteinnahmen der Bundesliga vor zehn Jahren noch 28,48 Prozent und der 2. Liga 32,86 Prozent aus, so beträgt er heute in der Bundesliga 39,17 Prozent und in der 2. Bundesliga 36,71 Prozent. Der prozentuale Anteil dieser Einnahmen wird am Ende dieser Saison angesichts der Einbrüche in allen anderen Geschäftszweigen des Profifußballs in Deutschland bei 50 Prozent landen.

Unter dem Strich steht in der Bilanz über die zurückliegenden zehn Jahre eine alarmierende Zahl. Die Verbindlichkeiten des deutschen Profifußballs haben sich in diesem Zeitraum verdreifacht von 709,4 Millionen Euro am Ende der Saison 2009/10 auf 2,15 Milliarden Euro am Ende der Saison 2019/20!

Rainer Franzke