Bundesliga

Seifert: "Gleichverteilung würde Meisterschaft nicht spannender machen"

DFL-Boss im kicker-Interview

Seifert: "Gleichverteilung würde Meisterschaft nicht spannender machen"

Chemnitz und Hoffenheim lieferten sich ein enges DFB-Pokal-Duell.

"Unsere größten Konkurrenten der Zukunft sind die Premier League und Netflix": DFL-Boss Christian Seifert. imago images

Nach dem gewonnenen Triple geht Serien-Meister FC Bayern mehr denn je als großer Favorit in die neue Bundesliga-Saison - für die DFL ist das keine gute Nachricht. Doch wie könnte der Titelkampf wieder spannender werden?

"Höhere Spannung an der Spitze wäre vorrangig über eine Stärkung der Klubs zu erreichen, die auf den Rängen 2, 3 und 4 stehen", sagt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert im großen kicker-Interview (Montagausgabe). Eine mehrfach geforderte Umverteilung der Medienerlöse hält er aber nicht für das passende Werkzeug.

"Eine Gleichverteilung würde Klubs wie Frankfurt oder Freiburg benachteiligen"

"Die Hebel sind in dieser Hinsicht überschaubar", so Seifert. "Die nationalen Medienerlöse werden zu 54 Prozent gleich verteilt. Das ist mehr als in allen anderen europäischen Ligen. Ich halte es für eine Illusion, dass eine vollständige Gleichverteilung der nationalen Medienerlöse der Schlüssel für einen spannenderen Titelkampf ist."

Eine Gleichverteilung würde "die Meisterschaft nicht spannender machen", sondern "stattdessen Klubs wie Eintracht Frankfurt und den SC Freiburg, die sich in den vergangenen Jahren durch sportliche Leistungen auch hinsichtlich der Ausschüttung der Medienerlöse nach oben gespielt haben, benachteiligen", argumentiert er.

"Play-offs in der Bundesliga wären ein Kulturbruch"

Um über die TV-Gelder tatsächlich mehr Spannung zu erzeugen, müsste man schon "zu ganz radikalen Maßnahmen schreiten, die meines Erachtens nur sehr schwer umsetzbar sind", so Seifert weiter. Diese würden "sämtliche Prinzipien von Leistung, Nachfrage und des Miteinanders in dem Markt außer Kraft" setzen.

Und wie wäre es mit Play-offs? "Bislang ist dies nach meinem Kenntnisstand bei den Klubs kein Thema. Play-offs im K.-o.-Modus wären in der Bundesliga ein Kulturbruch - das müsste von der breiten Masse getragen werden, von Klubs und Fans."

Seifert sorgt sich um die künftigen Fußballfans

Seifert hat ohnehin größere Sorgen - allen voran die kommenden Generationen von Fußballfans. "Wie können diese für die Bundesliga begeistert werden? Umso mehr, wenn, wie coronabedingt in der aktuellen Situation, weniger Menschen in die Stadien dürfen", sagt der DFL-Boss.

Er habe "schon vor Jahren gesagt: Unsere größten Konkurrenten der Zukunft sind die Premier League und Netflix. Die ECA hat gerade eine bemerkenswerte Studie herausgegeben, die das Fanverhalten in sieben Ländern beleuchtet. Eines der Ergebnisse: In der Zielgruppe der 16- bis 24-Jährigen verliert der Fußball stark an Bedeutung. Der Fußball muss sich also generell fragen, wie man auch in Zukunft noch viele Menschen für sich begeistert."

Was die Quoten von ARD, DAZN & Co. aussagen und warum die DFL eine Gehaltsobergrenze nicht einfach so einführen könnte: Das große Interview mit Christian Seifert lesen Sie im aktuellen kicker vom Montag - hier als e-Magazine.

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jpe/rf

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