NFL

Seahawks am Boden: Der Anfang vom Ende von Wilson und Carroll?

Seattle auf der Suche nach der Football-Form

Seahawks am Boden: Der Anfang vom Ende von Wilson und Carroll?

Da war noch Freude angesagt: Russell Wilson und Pete Carroll (re.) klatschen nach einem NFL-Sieg ab.

Da war noch Freude angesagt: Russell Wilson und Pete Carroll (re.) klatschen nach einem NFL-Sieg ab. imago images/ZUMA Wire

Anfang Februar 2014 den Super Bowl gewonnen (43:8 gegen die Denver Broncos), zwischen 2010/11 und 2020/21 neun- von elfmal in den Play-offs vertreten und dort stets eingefürchter Gegner - so präsentierten sich die Seahawks der letzten Jahre.

Die Seahawks der aktuellen Regular Season 2021/22 haben damit aber nichts mehr zu tun und sind dieser Tage auch in der NFC West kein allzu gefürchteter Gegner: Das jüngste 15:17 im Zuge des Monday-Night-Spiels beim Washington Football Team war bereits die dritte Pleite in Serie - gepaart mit der Erkenntnis, mit einer nun 3:8-Bilanz ziemlich sicher nichts mehr mit dem Endrundenkampf zu tun zu haben.

Seattle Seahawks - Vereinsdaten
Seattle Seahawks

Gründungsdatum

04.06.1974

Vereinsfarben

Dunkelblau, grün, grau

Seattle Seahawks - Die letzten Spiele
Arizona Cardinals Arizona (A)
30
:
38
Detroit Lions Detroit (H)
51
:
29
Trainersteckbrief Carroll

Carroll Pete

Mittendrin: Der am Spieltag seinen 33. Geburtstag "feiernde" Russell Wilson und der 70-jährige Oldie-Trainer Pete Carroll, der für die Hawks seit 2010 und damit seit Anbeginn der glorreichen Jahre verantwortlich zeichnet.

Hingabe "jede Sekunde, jede Stunde, jeden Tag"

Nun wird immer mehr spekuliert, dass sich die Zeit der beiden großen Namen in Seattle dem Ende neigt. Carroll, mit seinen 70 Jahren natürlich längst für die Football-Rente qualifiziert. Und Wilson, der 2012er Drittrunden-Pick, der zum Star aufgestiegen ist und sich nun einer neuen Herausforderung bei einem anderen Team hingeben könnte - immer mal wieder werden etwa die New York Giants gehandelt.

Was jedenfalls feststeht: Wilson selbst hatte glasige, gerötete Augen nach dem neuesten Nackenschlag von Washington, die nächste Pleite ging offensichtlich nicht spurlos an ihm vorüber. "Wenn man alles investiert, jede Sekunde, jede Stunde, jeden Tag, und es nicht so läuft, wie man es sich wünscht, ist es immer hart", sagte der Star-Quarterback gegenüber US-Medien. Die Reporter hatten ihn konkret darauf angesprochen, warum ihm dieses 15:17 beim Washington Football Team so nahe ging.

Wilson, unbestritten einer der Besten der Besten bei voller Fitness, erreichte an seinem 33. Geburtstag einen Tiefpunkt. Seattle, wie immer mit Titelträumen in die Saison gestartet, ist am Boden - und der zuletzt auch länger ausgefallene Spielmacher trägt mit eher mäßigen Auftritten natürlich eine Mitschuld. Rechenexperten sehen die Wahrscheinlichkeit auf einen Play-off-Einzug nur noch bei einem Prozent.

Wilson gibt sich trotzig

"Es gibt härtere Dinge im Leben", sagte Wilson auch noch leicht trotzig, sein Job sei ein "Geschenk" und das Team werde "morgen wieder arbeiten, um besser zu sein". Doch wird das Aushängeschild, unter dem Seattle in all den Jahren noch nie (!) acht Niederlagen in einer Saison hatte hinnehmen müssen, auch im nächsten Jahr mit den Seahawks arbeiten? Noch kann das niemand seriös beantworten.

Wilson ist der Franchise-Player, das Gesicht der Seahawks, ein Superstar. Doch seine Magie scheint verloren gegangen zu sein - was sich zum Beispiel kurz vor Schluss in Washington zeigte, als er bei der finalen Two Point Conversion anstatt zum komplett freistehenden DK Metcalf zu werfen eine Interception fabrizierte und so das 17:17 und die Verlängerung verpasste sowie eben die Pleite selbst besiegelte.

Wegen eines Sehnenrisses und einer Fraktur im rechten Mittelfinger hatte der Spielmacher drei Partien verpasst. Seit er zurück ist, gab es ein 0:17 bei den Green Bay Packers, in seinem 150. NFL-Spiel verließ Wilson erstmals mit seiner Mannschaft ohne Punkt das Feld. Drücken die Hawks, die nun für das Laufspiel mit der kurzfristigen Verpflichtung von Veteran Adrian Peterson (zuletzt Tennessee) reagiert haben, also den Reset-Knopf und starten womöglich auch mit jungem Trainer neu durch? Klar ist: Schon im Frühjahr wurde die mögliche Trennung ein Thema, Wilson war nach der abgelaufenen Saison völlig frustriert. Alles wurde gekittet, doch jetzt ist die Situation eher noch schlimmer. Sein mit stolzen 140 Millionen US-Dollar dotierter Vierjahresvertrag läuft noch bis 2022/23. Eine Garantie für den Verbleib ist das nicht.

mag/sid

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