EM

Schweiz in Zugzwang: Frisch blondiert, aber ohne Schwung

Nur ein Punkt aus zwei Spielen für die Nati

Schweiz in Zugzwang: Frisch blondiert, aber ohne Schwung

Granit Xhaka (o.) und Manuel Akanji (u.) im Luftkampf mit Italiens Giorgio Chiellini.

Granit Xhaka (o.) und Manuel Akanji (u.) im Luftkampf mit Italiens Giorgio Chiellini. Getty Images

Nach zwei Spielen hat die Schweiz erst einen Zähler auf dem Punktekonto. Dem 1:1 zum Auftakt gegen Wales folgte ein deutliches, aber verdientes 0:3 gegen Italien. "Italien war die bessere Mannschaft und hat verdient gewonnen. Wir können viel von ihnen lernen", sagte Kapitän Granit Xhaka nach dem Spiel am ARD-Mikrofon. "Es waren zu viele eigene Fehler, zu viele Ballverluste beim ersten Kontakt, wir sind nicht richtig in die Zweikämpfe und nicht ins Spiel gekommen, hatten nie Ruhe. So kannst du gegen so eine Mannschaft nicht gewinnen."

Im Vorfeld des Italien-Spiels hatten ausgerechnet die Führungsspieler Xhaka und Manuel Akanji zumindest öffentlich für Unruhe gesorgt, weil sie einen Schweizer Coiffeur nach Rom hatten einfliegen und sich die Haare blondieren lassen. Nicht die ersten Störgeräusche im Rahmen dieser Europameisterschaft: Schon zuvor wurden die Anweisungen von Trainer Vladimir Petkovic, sich nur innerhalb der Familie zu bewegen, vernachlässigt: Xhaka etwa besuchte ein Tattoo-Studio, Steven Zuber ein Restaurant und Breel Embolo einen Frisör.

Kaum eine Chance gegen Italien

Spielbericht

Allesamt Signale, die nicht den Eindruck eines harmonischen Gefüges vermitteln. Das war später auf dem Rasen nicht anders: Nur selten kam die Nati geschlossen ins Pressing, es fehlte die Präzision im letzten Drittel und bei allen drei Toren waren die Schützen nahezu unbewacht. Die Eidgenossen fanden kein Mittel gegen kompakte und schnell umschaltende Azzurri. Das Sturmduo bestehend aus Embolo und Haris Seferovic tauchte regelrecht ab. Italien, das das Tempo über 90 Minuten bestimmt hatte, ließ die Schweizer mit Konterangriffen und Pässen in die Tiefe auf die schnellen Außen immer wieder hinterherlaufen. Am Ende ging dem SFV-Team regelrecht die Luft aus.

6:13 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Die beste Möglichkeit aus Schweizer Sicht hatte noch der eingewechselte Zuber, der in einer Doppelchance Squadra-Torwart Gianluigi Donnarumma exklusiv prüfte (64.). Der emsige Antreiber Xherdan Shaqiri setzte immerhin mit einem zu hoch angesetzten Distanzschuss ein Zeichen (61.). Mehr aber gelang nicht.

Gegen die Türkei unter Druck

Unter Druck: Die Schweiz braucht gegen die Türkei den ersten Sieg.

Unter Druck: Die Schweiz braucht gegen die Türkei den ersten Sieg. Getty Images

Vor dem letzten Gruppenspiel am Sonntag (18 Uhr, LIVE! bei kicker) steht die Schweiz damit gewaltig unter Druck: Die Nati braucht dringend einen Sieg gegen noch punkt- und torlose Türken, um das Minimalziel vom Achtelfinale noch zu erreichen. "Es ist ein Finalspiel", betonte Xhaka. "Wir müssen gewinnen und hoffen, dass wir noch weiterkommen."

Die Eidgenossen wollen bei der EURO 2020 endlich glänzen - komplett unabhängig von der Haarfarbe.

cru