Europameisterschaft

Goldener Siebenmeter: Schweden holt ersten EM-Titel seit 2002

Spanien verpasst historischen Hattrick

Ekbergs goldener Siebenmeter: Schweden holt ersten EM-Titel seit 2002

Er entschied das EM-Finale: Niclas Ekberg.

Er entschied das EM-Finale: Niclas Ekberg. imago images

Weil das Spiel um Bronze (Dänemark bezwang Frankreich) in die Verlängerung gegangen war, begann das Finale der Handball-EM mit fast 30 Minuten Verspätung. Schweden steckte das besser weg. Mit Turnier-MVP Jim Gottfridsson (erzielte das 1:0) und Keeper Andreas Palicka (mehrere Paraden) waren es direkt wieder die beiden Protagonisten, die bereits das Halbfinale gegen die Franzosen entschieden hatten.

Zudem konnte der amtierende Vizeweltmeister vor 14.238 Zuschauern in Budapest mit Hampus Wanne, Felix Claar und Niclas Ekberg wichtige Leistungsträger zurück im Kader begrüßen. Doch im spanischen Tor stand Rodrigo Corrales seinem Gegenüber in nicht viel nach, alleine zwei Siebenmeter nahm er Flensburgs sonst so sicherem Linksaußen Wanne weg.

Neun schwedische Torschützen bis zur Pause

In den letzten zehn Minuten vor der Pause kam Spanien immer besser zurecht und über die Außen sowie den Kreis in gute Wurfpositionen. Durch einen 4:1-Lauf drehten die Iberer den Spieß um und nahmen ein 13:12 mit in die Kabine. Ein Feldspieler konnte bei Schweden nicht herausstechen, die zwölf Treffer waren auf neun verschiedene Profis (darunter auch Keeper Palicka) verteilt. Die deutschen Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies hatten einen starken wie unaufgeregten Eindruck hinterlassen.

Nach dem Seitenwechsel gestaltete sich die Partie extrem eng und umkämpft, Spanien legte oft vor, Schweden zog direkt nach (17:17, 39.). Beide Mannschaften schlossen immer wieder erfolgreich über den Kreis ab. Palicka - später "Man of the Match" - entschied das Torhüter-Duell mit elf Paraden klar für sich. Sechs Minuten vor Schluss fing Wanne einen Pass der Spanier ab und traf im Tempogegenstoß zum 25:23, traf eine Minute später aus dem "Nullwinkel" zum 26:24.

Kein Freiwurf für Canellas

So leicht gab sich der Titelverteidiger allerdings nicht geschlagen und glich durch den nimmermüden Ex-Kieler Joan Canellas eineinhalb Minuten vor dem Ende zum 26:26 aus. Dieser war es aber auch, der kurz darauf einen halbherzigen Wurf abfeuerte und für den vorherigen Kontakt keinen Freiwurf bekam.

Schweden nahm eine letzte Auszeit: Albin Lagergren wurde beim Durchbruch gehindert, sodass es zwei Sekunden vor dem Ende Siebenmeter für Schweden gab. Für diesen kam wie schon mehrere Male zuvor Kiels Ekberg - Coach Glenn Solberg drückte ihm noch einen Kuss auf die Wange auf - von der Bank und verwandelte ihn eiskalt ins rechte obere Eck. 

Mental war es ein Krieg.

Niclas Ekberg über seine Corona-Quarantäne

Ekberg sprach hinterher von einer "verdammten Ehre". Den Großteil des Turniers hatte der Rechtsaußen vom deutschen Serienmeister verpasst und seine Corona-Quarantäne erst zum Finale verlassen dürfen: "Es war die reine Hölle. Mental war es ein Krieg. Ich habe versucht, körperlich in einem vernünftigen Zustand zu bleiben. Und das hat geklappt - so macht Handball Spaß."

Die Spanier verpassten derweil den historischen Hattrick. Denn bis dato war es nur einer einzigen Nation gelungen, drei EM-Titel in Folge zu feiern: Schweden (1998, 2000, 2002). Für den amtierenden Vizeweltmeister war es auch der erste EM-Titel seit zwanzig Jahren. 2024 will die neue "goldene Generation" Schwedens nachlegen - in Deutschland.

Spanien - Schweden 26:27 (13:12)

Spanien: Corrales, Perez de Vargas - Figueras 6, Gomez Abello 6/4, Tarrafeta Serrano 5, Fernandez 4, Guardiola 2, Canellas 1, Casado 1, Maqueda 1
Schweden: Palicka 1, Thulin - Bergendahl 5, Ekberg 5/4, Wanne 4, Gottfridsson 3, Carlsbogard 2, Claar 2, D. Pettersson 2, Chrintz 1, Darj 1, Lagergren 1
Schiedsrichter: Robert Schulze (Magdeburg)/Tobias Tönnies (Stendal)
Zuschauer: 14.238
Strafminuten: 8 / 6
Disqualifikation: - / -

msc