Bundesliga

Schwache Leistungen, schweres Restprogramm: Dortmund wackelt

Nach der Niederlage gegen Hoffenheim gehen die Alarmglocken an

Schwache Leistungen, schweres Restprogramm: Dortmund wackelt

Ernüchterung nach der ersten Niederlage im Jahr 2024: Der BVB enttäuschte gegen Hoffenheim.

Ernüchterung nach der ersten Niederlage im Jahr 2024: Der BVB enttäuschte gegen Hoffenheim. picture alliance/dpa

Erst ein Pfiff, dann viele und sehr laute. Als Schiedsrichter Marco Fritz die Partie zwischen Borussia Dortmund und der TSG Hoffenheim nach 96 wilden Minuten beendete, folgte umgehend das Echo von den Rängen. Die 2:3-Niederlage gegen die ungeliebten Badener tat weh, riss kaum verkrustete Wunden neu auf und zeigte auf zwei Halbzeiten komprimiert, was alles im BVB-Spiel der Saison 2023/24 nicht stimmt.

Die fußballerischen Mängel der letzten Wochen und Monate wiederholten sich als fatales Muster auch gegen Hoffenheim. Viel zu viele individuelle Fehler angefangen bei Emre Cans und Nico Schlotterbecks schläfrigem Doppel-Bock vor der frühen Führung der Gäste. Fehlpässe im Spielaufbau und Missverständnisse waren sogar in der besten Dortmunder Phase zwischen der 3. und 25. Minute zu sehen, folgenschwer wurde es aber vor allem nach dem Seitenwechsel.

Auf die Hoffenheimer Reaktion, früher ins Pressing zu gehen und auch die beiden Sechser höher zu ziehen, fand der BVB keine Antwort. Das einfache Mittel, den Spielaufbau etwas mehr zu stören, sorgte wieder einmal für Konfusion und Kopflosigkeit, die Bälle im Spielaufbau wurden hergeschenkt und schon vor dem Doppelschlag von Gäste-Stürmer Maximilian Beier hatte sich angesichts der schwachen Absicherung und der vielen Fehler ein Gegentor angedeutet - zum Beispiel bei Julian Ryersons schlimmen Fehlpass am eigenen Strafraum (57.).

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Kein Fortschritt zu erkennen

Das spielerische Armutszeugnis gegen hochstehende Gegner ist ein Muster, das sich durch die ganze Saison zieht. Feste Abläufe gegen zugestellte Sechser sind nicht zu sehen, es fehlt an Unterstützung von den Außenbahnen und der Mut, auch mal gezielt über einen weiten Ball in Richtung von Niclas Füllkrug die erste Pressinglinie zu überspielen. Verbesserungen im Vergleich zum vergangenen Jahr sind nicht zu sehen, die erhofften Fortschritte der vielen vollen Trainingswochen des neuen Jahres scheinen auszubleiben oder werden in den Spielen nicht umgesetzt. Ein echter Fortschritt im Spiel mit Ball ist ausgeblieben.

Und während der 90 Minuten kamen die Impulse von der Bank spät. Eine taktische Reaktion auf die Hoffenheimer Umstellung und die klaren Dortmunder Probleme war nicht offensichtlich, die ersten personellen Veränderungen nahm Trainer Edin Terzic erst eine Viertelstunde vor Schluss vor - zu spät, um dem Spiel gegen die TSG noch eine Wende zu geben. "In der zweiten Halbzeit stellen wir die individuellen Fehler nicht ab, sondern verdoppeln oder verdreifachen sie", ärgerte sich Julian Brandt: "Wir haben den Gegner mit unsauberen Bällen ins Leben zurückgeholt."

Dominanz ohne Durchschlagskraft, dann Ideenlosigkeit

Und doch gab es auch wieder die Phasen, in denen der BVB vielversprechende Ansätze zeigte. Nach dem frühen Rückstand bis zur eigenen Führung spielte Dortmund trotz einiger Ungenauigkeiten mit Tempo und Idee nach vorne, schuf eine Breite im eigenen Spiel, bekam die Außen immer wieder ins Eins-gegen-eins und wurde durch zwei Treffer und weitere (Halb-)Chancen auch immer wieder belohnt. Doch mit dem zweiten Tor war der Stecker gezogen, wie schon am Dienstag in Eindhoven. Bis zur Pause resultierte das in Dominanz ohne Durchschlagskraft, danach in Ideenlosigkeit angesichts kleinerer Umstellungen des Gegners.

BVB: Die nächsten Gegner

So kippt die Bilanz der letzten Wochen nach einem zwischenzeitlichen Aufschwung wieder ins Negative. Vier Siege und 21 Punkte aus den letzten 15 Ligaspielen sind die Bilanz eines Mittelfeld-Klubs, nicht die einer Mannschaft, die unbedingt die erneute Qualifikation für die Champions League erreichen muss. Dass die Erfolge gegen die Abstiegskandidaten Darmstadt 98, den 1. FC Köln und den reichlich wehrlosen SC Freiburg reichten, um vorerst doch auf Rang 4 zu stehen, hat vor allem mit der ebenfalls mageren Punkteausbeute des größten Konkurrenten RB Leipzig zu tun. Doch der Zustand trügt: Während die Sachsen in der Rückrunde schon gegen die drei Topteams Leverkusen, München und Stuttgart gespielt haben, warten die schwersten Gegner noch auf den BVB inklusive des direkten Duells Ende April in Leipzig.

In der aktuellen Form hängt die Qualifikation für die Champions League am seidenen Faden - traditionell das Signal für die Alarmglocken in Dortmund.

Patrick Kleinmann

Bilder zur Partie BV 09 Borussia Dortmund gegen TSG 1899 Hoffenheim