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Schwab: "Del Piero, Maldini, Zanetti. Das imponiert!"

Der Rapid-Kapitän über Vereinstreue und den Reiz Ausland

Schwab: "Del Piero, Maldini, Zanetti. Das imponiert!"

Rapids Kapitän Stefan Schwab

Verhandelt derzeit mit seinem Klub über eine Weiterbeschäftigung: Rapids Kapitän Stefan Schwab. imago images

Denn mittlerweile ist der 29-Jährige ohne Vertrag, aktuell laufen aber Gespräche mit den Hütteldorfern über eine Fortführung der Zusammenarbeit. Dabei haben die Leistungen des Mittelfeldmannes durchaus Interessenten auf den Plan gerufen, etwa aus der englischen Championship. Mit dem kicker sprach Schwab über die Herausforderungen durch Corona für den Fußball, seine Zukunft und Klub-Ikone Steffen Hofmann.

Herr Schwab, einerseits haben die Klubs momentan erschwerte Planungen und vielleicht weniger Gewissheit bei den Gehältern, andererseits dürften viele Vereine auf ablösefreie Profis spekulieren. Ist es in diesen Tagen gut oder schlecht, keinen gültigen Vertrag zu haben?

Für mich ist es einfach ungewohnt, erstmals in der Karriere habe ich keinen Vertrag. Es fühlt sich herausfordernd an.

Stefan Schwab

Schwierige Frage. In Österreich sind sich viele Menschen rund um den Fußball noch nicht wirklich bewusst über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Klubs. Speziell für Rapid als der Verein mit den meisten Zuschauern ist es dramatisch mit den Geisterspielen. Für mich ist es einfach ungewohnt, erstmals in der Karriere habe ich keinen Vertrag. Es fühlt sich herausfordernd an.

Sie sind 29, haben Rapid als Kapitän mit acht Toren und acht Vorlagen zur Vize-Meisterschaft geführt. Normalerweise macht man in dem Alter den letzten großen Vertrag ...

Es hat sich dahin entwickelt, weil die Kader immer jünger werden. Aber wer Qualität hat, hat viele Möglichkeiten, auch in meinem hohen Alter (grinst). Ich habe eine gute Saison hinter mir, bin topfit und traue mir schon noch einige Jahre auf hohem Niveau zu. Vielleicht denkt man eher ans Ende, wenn die Drei davorsteht (lacht).

Zuletzt gab es Gerüchte aus der zweiten Liga in England. Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus? Österreich, Ausland?

Vor Corona waren Rapid und ich weit in Sachen Verlängerung. Mir war für einen Verbleib wichtig, dass wir international spielen. Vor der Pandemie war das noch ziemlich offen, daher habe ich nicht unterschrieben. In der Krise gab es keine Gespräche mehr, aber es wurde signalisiert, mit mir weitermachen zu wollen. Jetzt sprechen wir wieder. Rapid ist der größte Verein in Österreich mit einer tollen Anhängerschaft. Im Grunde will ich mich gar nicht in ein neues Abenteuer stürzen. Aber: Als ablösefreier Spieler beschäftigt man sich auch mit anderen Dingen. Jetzt hoffe ich, dass unser Sohn gesund auf die Welt kommt und ich bis Ende Juli eine Entscheidung treffen kann.

Im Grunde will ich mich gar nicht in ein neues Abenteuer stürzen.

Stefan Schwab

Können Sie sich vorstellen, es wie die Klubikone Steffen Hofmann zu machen: Jahrelang bei Rapid zu bleiben und später im Klub zu arbeiten?

Steffen ist ein großartiger Kerl, ich habe ja noch mit ihm zusammengespielt. Er durfte hier Meister werden, dieser große Sprung ist mir hier leider noch nicht gelungen. Titel mit Rapid, das wäre schön. Salzburg macht halt leider einen unglaublichen Job. Als junger Kerl haben mir die Spieler sehr gefallen, die lange bei einem Verein waren. Ich habe da nach Italien geschaut: del Piero, Maldini, Zanetti. Das imponiert! Es muss ganz viel zusammenpassen, jetzt gibt es eben viele offene Fragen.

Teilweise sind die Verträge in Österreich noch bis 31. Mai datiert, was auf das Vor-Playoff-Format zurückzuführen ist. War es mal ein Thema, dass Profis ihre auslaufenden Papiere nicht für ein paar Wochen verlängern wollten, um die Saison nach der Corona-Pause zu Ende zu führen?

Mein Kontrakt ging auch nur bis 31. Mai, aber die Runde nicht zu beenden, stand nie zur Debatte. Das war auch in der Mannschaft nie ein Thema. Wir haben als Team klar gesagt, dass wir das gemeinsam zum Ende bringen. Bei uns waren alle solidarisch, Spieler und Verein.

Salzburg hatte am Ende zwölf Punkte Vorsprung. Schadet diese Dominanz dem Wettbewerb in Österreich?

Sie leisten gute Arbeit, haben eine Super-Mannschaft. Wenn du früher gefragt wurdest, wer deine besten Gegenspieler waren, hast du eher auf die Kontrahenten aus dem internationalen Wettbewerb oder in der Nationalmannschaft geschaut. Das musst du heute nicht mehr, in Salzburg spielten ein Sadio Mane oder ein Erling Haaland. Die bringen Top-Spieler raus. Ob es der Liga schadet? Für die Fans ist es nicht schön. Vom sportlichen Anspruch her schadet es nicht, weil Salzburg, genau wie wir, international für Punkte sorgt. Das Gesamtniveau der Liga stieg, andere Vereine mussten in Ausbildung und Strukturen investieren. Und durch das Playoff-System besteht mehr Hoffnung auf Spannung.

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