2. Bundesliga

Schusters Transfer-Masche: "Auch mal blöde Fragen stellen"

Der Trainer von Überraschungsteam Kaiserslautern beim Redaktionsbesuch

Schusters Transfer-Masche: "Man stellt auch mal blöde Fragen"

Dirk Schuster

Dirk Schuster IMAGO/Jan Huebner

Während die Mitaufsteiger Magdeburg und Braunschweig bislang gegen den Abstieg spielen, stehen die Pfälzer im gehobenen Mittelfeld auf Platz 7 - mit Schlagdistanz zu Bundesliga-Anwärtern wie Düsseldorf, Heidenheim und Hannover. Beim Besuch der kicker-Südwest-Redaktion in Offenbach spricht Schuster über den starken Saisonstart, die Perspektiven der Roten Teufel, seine spezielle Taktik bei der Auswahl von Neuzugängen, seine wechselvolle Vita und sein Image als "Zweitliga-Trainer".

Wie sich seine Truppe in der 2. Liga bislang geschlagen hat, sei auch für ihn und sein Trainerteam "etwas überraschend", gibt Schuster zu, "weil wir quasi erst in der Sommerpause neu gekommen sind und die Mannschaft noch nicht genau kannten." Was er inzwischen feststellen durfte: "Das große Plus der Mannschaft, ist ihr Riesenherz. Zwei-Tore-Rückstände wie gegen Darmstadt und Magdeburg holst du nicht einfach so auf.

Auch in Heidenheim war es eine wahnsinnige Energieleistung, mit einem Mann weniger einen Rückstand aufzuholen." Ein ausdrückliches Kompliment spricht Schuster auch in diesem Zusammenhang seinem Vorgänger aus: "Die Jungs haben bewiesen, dass sie als gewachsene Mannschaft aus der 3. Liga kommen. Da hat Marco Antwerpen sehr gute Arbeit geleistet."

"Körperlichkeit ist eine Grundvoraussetzung für schönen Fußball."

Schuster selbst arbeitet derweil daran, die Mentalität seiner Profis weiter zu schärfen: "Wir fordern klar von den Spielern, alles, was sie selbst beeinflussen können, herauszuholen. Also: Komme ich heute nicht, komme ich morgen oder es ist mir vielleicht zu kalt oder der Gegenspieler tut mir weh - all das ist für uns nicht akzeptabel."

Allerdings sei es verkehrt, sein Team allein auf die kämpferische bzw. physische Komponente zu reduzieren. Zwar fordere er "die Arbeitermentalität definitiv zu 100 Prozent ein", so der ehemalige knallharte Abwehrspieler, forciere aber zugleich spielerische Lösungen: "Man kann Verteidiger gewesen sein und als Trainer trotzdem mutig nach vorne spielen lassen. Das versuchen wir auch." Dabei sei jedoch "Körperlichkeit eine Grundvoraussetzung, um letztlich dann in Ballbesitz sauberen und auch schönen Fußball zu spielen."

"Cola, Fanta - diese ganzen Zuckergetränke stehen bei uns auf dem Index."

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Laut seinem Trainer auf dem Weg zum kompletten Fußballer: Marlon Ritter. IMAGO/Lobeca

Für den passenden Mix stehe beispielsweise ein Spieler wie Marlon Ritter. "Er war früher ein bisschen das schlampige Genie. Mittlerweile kann er ein ekliger, nickliger Zweikämpfer sein, der die Jungs pusht. Wenn er das beibehält, ist er ein kompletter Fußballer." Zudem bezeichnet Schuster die Neuzugänge Erik Durm, Andreas Luthe, Philipp Klement, Aaron Opoku und Robin Bormuth wahlweise als "Glücksfall" und "für unsere Verhältnisse außergewöhnliche Spieler. Das war von unserer Seite ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz."

Aus dem Nähkästchen plaudert der einstige A-Nationalspieler schließlich, wie er seine Transferkandidaten auf Herz und Nieren - bzw. die richtige Berufseinstellung - prüft. "Man unterhält sich anderthalb Stunden und stellt auch mal ein paar blöde Fragen. Zum Beispiel: Willst du eine Cola trinken oder was darf ich dir anbieten?" Hintergrund: "Cola, Fanta - diese ganzen Zuckergetränke stehen bei uns auf dem Index. Was die Spieler zuhause machen, kann ich nicht beeinflussen. Aber wenn wir gemeinsam unterwegs sind, dürfen sie Wasser, Kaffee, Tee und Saftschorlen trinken."

Die Bundesliga ist für den bekennenden "Old-School-Trainer" nicht abgehakt

Welche Fehler Schuster rund um seinen Wechsel von Darmstadt 98 zum FC Augsburg im Nachhinein bereut, warum persönliche Fitness für sein Selbstbild als Trainer eine große Rolle spielt, weshalb die Bundesliga für ihn nicht abgehakt ist, warum er weiterhin "den guten alten Flipchart" schätzt und welchen Umgang er als bekennender "Old-school-Trainer" mit jungen Fußballlehrer-Kollegen pflegt, lesen Sie in der Printausgabe des kicker (Dienstag) oder hier im eMagazine.

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