Bundesliga

Schreuder im Schleudergang: "Einiges war schwer zu ertragen"

Trainer der TSG 1899 Hoffenheim hat schon einiges erlebt

Schreuder im Schleudergang: "Einiges war schwer zu ertragen"

Alfred Schreuder ist Trainer der TSG 1899 Hoffenheim.

Ist der Nachfolger von Julian Nagelsmann bei der TSG 1899 Hoffenheim: Trainer Alfred Schreuder. imago images

Als Bundesliga-Cheftrainer war Alfred Schreuder vergangenen Sommer quasi von 0 auf 100 gestartet. Der Bundesliga-Novize, zuvor Co-Trainer bei Ajax Amsterdam (2018/19), trat in Sinsheim die Nachfolge von Julian Nagelsmann an. Keine leichte Aufgabe für den in Barneveld geborenen Niederländer, schließlich hatte sein zu RB Leipzig abgewanderter Vorgänger den Fußball der TSG zuvor auf ein neues Level gehievt.

Immerhin kannte Schreuder den Verein schon damals gut, was ihm den Einstieg sicherlich etwas erleichterte. Zwischen 2015 und 2017 hatte er bereits als Co-Trainer an der Seite von Huub Stevens und später eben auch an der Seite von Nagelsmann gearbeitet. Genau deswegen vertrauten die Macher ihm auch diesen Job an. Schreuder kenne die Strukturen und den Großteil des Teams, erklärte Hoffenheims Direktor Profifußball Alexander Rosen damals: "Außerdem hat er durch seine hervorragende Expertise sowie eine strategische, klare und kommunikative Art maßgeblich zum Erfolg der vergangenen Jahre beigetragen."

Schreuder und "der Hoffenheimer Weg"

Vorschusslorbeer, dem der 47-Jährige bislang immer wieder auch gerecht wurde - trotz seiner eigenen Feststellung, schon zum Auftakt mit Problemen konfrontiert gewesen zu sein. Im exklusiven kicker-Interview führte Schreuder diesbezüglich aus: "Es fing schon im Sommer an, als die TSG deutlich mehr wichtige Spieler verkaufte als sonst (Kerem Demirbay, Joelinton; Anm.d.Red.). Das machte den Start für mich anspruchsvoller. Das ist jedoch grundsätzlich notwendig und auch der Hoffenheimer Weg, es war nach den Erfolgen in den vergangenen Jahren aber natürlich herausfordernd und kompliziert." Dennoch glückte ihm mit seiner Mannschaft nach einem zunächst womöglich auch erwartbaren schwachen Bundesliga-Start (fünf Punkte aus sechs Spielen) ein 2:1 in der Münchner Allianz-Arena, womit zugleich eine Serie von fünf Dreiern am Stück folgte.

Alfred Schreuder ist Trainer der TSG 1899 Hoffenheim.

Jubelfaust: Zehn Saisonsiege hat Alfred Schreuder bislang als Verantwortlicher bei der TSG 1899 feiern dürfen. imago images

Trotzdem blieb vieles nicht einfach zu handeln, zumal ihm im Verlauf der Saison auch immer wieder Spieler wie Aushängeschild Andrej Kramaric oder Benjamin Hübner wegbrachen - und zudem Akteure wie Ishak Belfodil (Verletzungen inklusive schwerer Vorwürfe gegen den Klub) oder Ex-Kapitän Kevin Vogt (Leihe im Winter zu Werder Bremen) den aktuellen "Hoffenheimer Weg" nicht mehr mitgingen. "Ich kann zwischen dem Menschlichen und dem Sportlichen sehr gut differenzieren", so Schreuder explizit über den Fall Vogt, der zuvor zum Reservisten degradiert worden war. "Wir sind damit sehr professionell umgegangen und haben immer offen alles kommuniziert, auch mit dem Spieler persönlich. So war es konsequent, dass er wechselt, um wieder zu spielen. Denn Kevin Vogt ist mit seinen Qualitäten kein Spieler für die Bank."

Groß aufgehalten habe ihn dieses Thema aber nicht, zumal "Kevin noch einen Vertrag über zwei Jahre hat und deshalb weiter ein Spieler der TSG ist". Ihn wurme es vielmehr, "wenn wichtige Spieler angeschlagen oder verletzt sind wie etwa Andrej Kramaric mehrmals in dieser Saison. Dann habe ich mehr Stress."

"Grundsätzlich darf man so nicht mit Menschen umgehen"

Rein sportlich kann der Coach der Hoffenheimer in jedem Fall mit der Momentaufnahme von 35 Punkten aus 25 Spielen zufrieden sein - zumal immer wieder auch aussagekräftige Erfolge wie ein 2:1 gegen Dortmund, ein klares 3:0 bei Abstiegskandidat Bremen oder ein 2:1 gegen Leverkusen glückten. Das internationale Geschäft ist trotz der vielen personellen Probleme über die bisherige Saison hinweg so derzeit nur zwei Zähler entfernt, obwohl seit fünf Spieltagen kein Dreier mehr gelungen ist und es zudem auffällig viele klare Heimniederlagen gegeben hat. "Einiges war schwer zu ertragen", lautet Schreuders Statement dazu.

Neben dem 0:3 gegen Freiburg, 0:3 gegen Gladbach, 2:4 gegen Augsburg und 1:5 gegen Mainz sticht dabei vor allem das 0:6 gegen Meister Bayern ins Auge - zumal hier im zweiten Abschnitt kaum mehr gespielt wurde wegen der Schmähungen gegen Gesellschafter Dietmar Hopp, was beinahe zu einem Abbruch führte. Während Schreuder das Spiel auch sportlich mit seiner Truppe aufarbeitete ("Das 0:6 entsprach dem Niveau beider Teams an diesem Tag"), musste er zugeben, so ein Spiel "noch nie erlebt" zu haben: "Das wollen wir nicht sehen im Fußball, das ist einfach nur schade. Aber ich hoffe, die Leute denken darüber nach nach der solidarischen Aktion der Bayern, damit der Spuk endlich ein Ende hat. Grundsätzlich darf man so nicht mit Menschen umgehen."

Schreuder und die Corona-Krise

Doch auch damit waren Schreuders turbulente erste Monate als Cheftrainer von 1899 noch nicht vorbei. Seine erste quasi wie im Schleudergang verfliegende Zeit voller sportlicher Höhepunkte, Tiefpunkte, Sorgen um Spieler und Hopp-Beleidigungen sollte noch ein weiteres Kapitel bekommen - die Bundesliga-Zwangspause wegen der Corona-Krise. Seit Mitte März ruht der Ball inzwischen, eine angedachte Fortsetzung in Form von Geisterspielen ist noch nicht beschlossene Sache.

Die TSG will immer einen einstelligen Tabellenplatz.

Alfred Schreuder

Seine ehrliche Einschätzung dazu: "Wie extrem sich die Pandemie in der ganzen Welt ausbreitet, habe ich auch nicht erwartet. Jetzt geht es um Menschenleben, da wird Fußball richtig klein." Dennoch hofft auch der Holländer, "dass wir in einigen Wochen wieder spielen dürfen. Ich denke, drei Wochen gemeinsames Training sind sicherlich notwendig nach der langen Pause, auch für die Gesundheit der Spieler. Wenn es am Ende nur zwei Wochen sein sollten, dann ist das eben so." In jedem Fall will Schreuder im Falle des Falles für neuen sportlichen Auftrieb sorgen: "Die TSG will immer einen einstelligen Tabellenplatz, aktuell sind wir Neunter. Aber auch nur zwei Punkte hinter Platz 6. Da ist noch einiges drin."

Das komplette Interview mit TSG-Coach Alfred Schreuder erschien in der kicker-Ausgabe direkt nach Ostern (Dienstag, 14. April 2020).

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mag/Michael Pfeifer

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