Bundesliga

1. FC Köln: Benno Schmitz und das doppelte Sahnehäubchen

Kölns Rechtsverteidiger strebt nach Platz 6 und seinem Premierentreffer

Schmitz und das doppelte Sahnehäubchen

Wartet noch auf seinen ersten Treffer im deutschen Profifußball: Benno Schmitz.

Wartet noch auf seinen ersten Treffer im deutschen Profifußball: Benno Schmitz. IMAGO/RHR-Foto

In der 6. Minute bei der 0:1-Niederlage gegen Wolfsburg war es ganz knapp. Doch VfL-Keeper Pavao Pervan hatte den Schuss von Benno Schmitz noch an den Pfosten gelenkt. Und so muss der Kölner Abwehrspieler weiter auf sein erstes Tor im deutschen Profifußball warten. Er habe viele Nahrichten bekommen, das er ja ganz nah dran gewesen sei, erzählte der Rechtsverteidiger am Mittwoch und äußerte die Hoffnung: "Vielleicht klappt es nochmal. Es wäre schön. Ich habe doch schon eine kleine Serie mittlerweile."

Wie viele Spiele er schon auf sein Premierentreffer wartet? "Ein paar zu viele …", sagt er. Es sind 78 in der Bundesliga, 15 in der 2. Liga, sechs im DFB-Pokal. Doch es würde zu diesem Jahr von Benno Schmitz passen, wenn er am Samstag in Stuttgart auch diesen schwarzen Fleck löschen könnte.

Überzeugt von Baumgart

Es wäre nach der Qualifikation für den Europapokal das zweite Sahnehäubchen für Schmitz. Steht der 27-Jährige, der vor diese Saison von vielen Fans und Beobachtern noch als nicht bundesligatauglich eingestuft wurde, doch stellvertretend für den gleichsam wunderbaren wie wundersamen Aufstieg des 1. FC Köln. Wenn Schmitz über den Kölner Höhenflug sagt, "man hat es vielen Spielern vielleicht auch nicht so zugetraut. Deswegen ist es umso schöner", dann spricht er auch über sich selbst. Unter Trainer Steffen Baumart ist er regelrecht aufgeblüht, spielt selbstbewusst auf, hat fünf Treffer vorbereitet, was ihm den Spitznamen "der kölsche Cafu" einbrachte.

"Für mich war das Wichtige, dass ich von Anfang Vertrauen gespürt habe und verletzungsfrei geblieben bin, darüber Selbstvertrauen aufbauen konnte und wir Woche für Woche auf dem Platz alle performt haben", erklärt er seine Entwicklung. Alle seien von Anfang an von Baumgarts Spielidee überzeugt gewesen. Die schnellen Erfolge dienten als Bestätigung, dass des Trainers Ansatz funktionieren kann.

Ljubicic wohl bereit für Stuttgart

Und das tut er in beeindruckender Art und Weise. Jetzt kann der FC mit einem Sieg beim VfB sogar noch auf Platz 6 und damit direkt in die Gruppenphase der Europa League kommen. Vorausgesetzt, Union Berlin gewinnt sein Heimspiel gegen den VfL Bochum nicht. "Es besteht noch die theoretische Chance, dass wir Sechster werden, und nicht in die Play-offs für die Conference League müssen. Deshalb hauen wir nochmal alles raus", erklärt Schmitz, für den unabhängig vom Ausgang der Partie eines klar ist: "Danach kann jeder zufrieden zurückschauen auf das, was wir dieses Jahr erreicht haben."

Die Partie in Stuttgart wird zu einem ungleichen Duell, bei dem Mittelfeldspieler Dejan Ljubicic, der Dienstag und Mittwoch aus privaten Gründen beim Training fehlte, einsatzbereit sein soll. Der VfB muss im Existenzkampf in der Liga gewinnen, um noch eine Chance zu haben, die Relegation zu vermeiden. "Für Stuttgart geht es natürlich ums Überleben. Das haben wir letzte Saison selbst miterlebt. Das wird extrem schwierig für uns, das ist auch klar", weiß Schmitz. Der FC hingegen kann befreit aufspielen - wie schon seit Wochen.

Nichts zu verlieren

"Wir hatten schon die letzten fünf, sechs Spiele nichts mehr groß zu verlieren. Wir haben jede Woche Spaß gehabt, es hat uns auch Spaß gemacht. Deswegen haben wir die letzten Wochen auch genossen", beschreibt der Abwehrspieler die für einen Profi, erst recht für einen des 1. FC Köln, ungewohnte Ausgangslage.

Das sei auch gegen den VfL Wolfsburg, dem man unglücklich 0:1 unterlag, nicht anders gewesen. Zu verlieren hatte der FC aus der Sicht von Benno Schmitz am Samstag genauso wenig wie jetzt im Saisonfinale. "Wer hätte uns das zugetraut?", fragt Schmitz rhetorisch bezüglich der bereits gesicherten Teilnahme an eine Europapokal-Wettbewerb, "wenn man sieht, wo wir herkommen, sollte man mit Demut zurückschauen. Wir haben überhaupt nichts verloren. Jetzt können wir noch einmal etwas gewinnen." Und Benno Schmitz mit einem möglichen Premierentreffer sogar doppelt.

Stephan von Nocks

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