Bundesliga

Schmadtke: "Dann kann ich auch sehr laut und unangenehm werden"

Borussias Sportdirektor über No-Gos und seinen Vater Jörg

Schmadtke: "Dann kann ich auch sehr laut und unangenehm werden"

Es war Zeit für den nächsten Schritt: Nils Schmadtke.

Es war Zeit für den nächsten Schritt: Nils Schmadtke. IMAGO/Eibner

Schon zum zweiten Mal binnen weniger Wochen trifft Schmadtke auf seine ehemaligen Kollegen vom VfL Wolfsburg. Das erste Duell im Borussia-Park am 11. Bundesliga-Spieltag konnten die Fohlen mit 4:0 für sich entscheiden. "Als Erstes müssen wir uns klarmachen, dass das Spiel nicht mit einer 4:0-Führung beginnt. Wir müssen uns alles neu erarbeiten", mahnt Schmadtke vor dem Wiedersehen im DFB-Pokal-Achtelfinale am Dienstagabend.

Gleichwohl könne die Mannschaft einiges mitnehmen aus dem ersten Aufeinandertreffen, findet der Sportdirektor und sagt: "Gerade die Leistung gegen Wolfsburg zähle ich mit zu unseren komplettesten Vorstellungen in dieser Saison. Es waren sehr gute fußballerische Ansätze zu sehen, gepaart mit einer gemeinschaftlichen und intensiven Arbeit der Mannschaft gegen den Ball. Das wollen wir wieder auf den Platz bringen und in die nächste Runde einziehen."

"Alles Schritt für Schritt"

Gladachs Duelle mit Wolfsburg

Weiter als Wolfsburg wolle man aber nicht schauen, obwohl das Aus von zahlreichen Bundesligaklubs, darunter der FC Bayern und RB Leipzig, die Chance auf einen Pokal-Coup von Klubs wie Gladbach in der Saison sicherlich erhöht hat. "Alles Schritt für Schritt", sagt Schmadtke. "Unser nächstes Ziel heißt, Wolfsburg zu schlagen."

Bis zum Sommer leitete Schmadtke bei den Wölfen das Scouting. Als dann das Angebot aus Gladbach kam mit der Möglichkeit, auf die Führungsebene eines Klubs zu wechseln, schlug Schmadtke zu.

Als Jugend-Torwart hatte er einst in Borussias Nachwuchsinternat gelebt und später als Scout für die Fohlen gearbeitet. Nach den ersten Monaten im neuen Job fühlt sich Schmadtke bestätigt, dass die Zeit reif war für einen Wechsel auf die Managementebene.

"Die Arbeit macht mir riesigen Spaß. Es ist eben so, dass man als Chefscout oder Leiter einer Scoutingabteilung in manchen Konstellationen an Grenzen stößt. Ich glaube, dass aus diesem Grund bei vielen Scouts irgendwann der Wunsch entsteht, noch mehr direkten Einfluss auf die sportliche Ausrichtung nehmen zu können, sei es als Kaderplaner, Sportdirektor oder Ähnliches. Bei mir kam hinzu, dass ich gerne in der Kabine bin, gerne eng mit den Spielern zusammenarbeite. Diese Mischung aus Gründen hat mich bewogen zu sagen: Ja, ich will jetzt den Sprung auf die Führungsebene eines Klubs wagen. Und die Konstellation mit Borussia ist perfekt, weil ich mich dem Klub seit meiner Jugendzeit in Gladbach sehr verbunden fühle", sagt Schmadtke.

Bundeslig, 13. spieltag

Im kicker-Interview benennt der Sohn des langjährigen Bundesliga-Managers Jörg Schmadtke die Eckpfeiler seines Führungsstils. "Unehrlichkeit ist für mich ein absolutes No-Go. Unehrlichkeit, vor allem hinter dem Rücken - so etwas kann ich überhaupt nicht leiden. Respekt ist wichtig, Disziplin. Außerdem steht meine Tür für die Spieler immer offen. Ich finde es wichtig, dass ein gutes Vertrauensverhältnis existiert", erklärt Schmadtke, der als offener Mensch gilt.

"Meine rheinische Frohnatur schlägt häufiger durch, das ist richtig", sagt er, schränkt aber ein: "Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Offenheit ausgenutzt wird oder ich mit Dingen absolut nicht einverstanden bin, dann kann ich auch sehr laut und unangenehm werden."

Ich muss meinen eigenen Weg finden.

Nils Schmadtke

Von Vater Jörg habe er "sehr viel gelernt", erzählt Schmadtke im Interview. "Aber klar ist auch: Ich muss meinen eigenen Weg finden." Und Ähnlichkeiten zwischen Vater und Sohn seien da, zum Beispiel beim Thema Emotionalität. Schmadtke junior sagt: "In bestimmten Situationen können wir beide richtig hochkochen. Bei mir wird es kritisch, wenn ich uns ungerecht behandelt fühle oder wir im Spiel benachteiligt werden. Dann versuche ich mich in der Situation vor die Mannschaft zu stellen und kann dabei auch emotionaler werden." Jan Lustig

Das gesamte Schmadtke-Interview lesen Sie in der Printausgabe des kicker vom Montag (ab Sonntagabend als eMagazine abrufbar). Borussias Sportdirektor erklärt darin, wie viel Nähe und Distanz zu den Spielern in seiner Funktion wichtig ist, er spricht über den wichtigsten Ratschlag, den ihm sein Vater mitgegeben hat und warum auch bei ihm Gefahr droht, dass mal ein Kaugummi Richtung Gegner fliegen könnte.

Jan Lustig

Bilder zur Partie VfL Borussia Mönchengladbach gegen TSG 1899 Hoffenheim