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FC 24: FUT-Packs-Verbot? Bremer Landtag gegen Lootboxen

Bundesweiter Vorstoß

Schluss mit FUT-Packs? Bremer Landtag will Lootboxen verbieten

Sind die FUT-Packs in Deutschland bald verboten?

Sind die FUT-Packs in Deutschland bald verboten? kicker eSport/EA SPORTS

Die Glücksspieldebatte ist fast so alt wie Lootboxen selbst. Doch nur selten haben politische Verantwortliche derart drastische Worte gewählt wie jüngst die Fraktionen von Die Linke, SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Bremer Landtag. Offensiv führen sie "die Befürchtung" ins Feld, "dass die Hemmschwelle bei Kindern und Jugendlichen gesenkt wird und sie so subtil an Glücksspiele herangeführt werden." Sie fordern daher ein deutschlandweites Lootbox-Verbot.

Der Landtag hat den Antrag angenommen. Er wird somit an den Bremer Senat weitergeleitet, der "sich auf Bundesebene dafür einsetzen" soll - genauer: im Bundesrat. Entsprechend einer inkludierten Forderung muss der Senat zudem nach sechs Monaten "über die Umsetzung berichten".

Angeprangert werden vor allem Inhalte, die "Spieler*innen konkrete Vorteile verschaffen und zu einem Ungleichgewicht zwischen den Spieler*innen führen". Denn: "Fast immer können diese Inhalte nur durch eine sogenannte Ingame-Währung gekauft werden, die vorher mit echter Währung gekauft werden muss."

Publisher achten "auf Profit, nicht auf das Spielerlebnis"

Ein großes Problem sieht der Zusammenschluss der Fraktionen im Wechselkurs dieser Transaktionen, der "undurchsichtig" sei und dazu führe, dass "Spieler*innen den Bezug zur echten Währung verlieren". Explizit genannt werden im Antrag die Lootboxen, als Beispiele dienen "FIFA Ultimate Team" und "Counter Strike: GO". Diese stünden "unter massiver Kritik", ihre Gegner seien allerdings "machtlos gegenüber den großen Publishern, deren Führungskräfte längst nicht mehr aus Spieleenthusiast*innen bestehen, sondern aus Manager*innen multinationaler Konzerne, die auf Profit und nicht auf das Spielerlebnis achten".

Bei einem Ausschluss von Packs, Waffenkisten & Co. wollen die Bremer Regierungsfraktionen es aber nicht belassen. Ihre Forderungen umfassen noch weitere Punkte: Über die "Pakete und Behälter", die Inhalte "nach dem Zufallsprinzip vergeben", hinaus sollen auch "Glücksrad- oder Spielautomatenwalzen-ähnliche Funktionen" verboten werden - immer unter der Prämisse, dass die Belohnungen kostenpflichtig sind.

Auch Stream und Influencer könnten betroffen sein

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Dasselbe gilt für "den Verkauf und Erwerb von virtuellen Währungen innerhalb von Computer- oder Videospielen, die ausschließlich zum Erwerb zusätzlicher Spielinhalte konzipiert sind und nicht in eine reale Währung umgetauscht werden können". Außerdem sollen Publisher dazu verpflichtet werden, die Wahrscheinlichkeiten für "die Vergabe von zufallsgenerierten Spielinhalten" kenntlich zu machen.

Auswirkungen könnte der Antrag auch für Streamer und Influencer haben: Die Übertragung von Videospielen, die den bereits genannten Punkten nicht nachkommen, soll ebenfalls verboten werden. Insofern sie auf "Streamingplattformen und Webseiten" stattfinden, "die sich an Nutzer*innen in Deutschland richten und/oder in Deutschland erreichbar sind". Es könnte also auch zur regionalen Sperrung von FC- und FUT-Inhalten auf Twitch und YouTube kommen. 

Gegenentwurf zur strengeren Regulierung abgelehnt

Der Antrag von Linken, SPD und Grünen wurde vom Bremer Landtag einem Gegenentwurf von CDU, FDP und Bündnis Deutschland vorgezogen. Dieser argumentierte, dass die deutsche Gaming-Branche die Lootboxen als Einnahmequelle benötige. Anstelle eines grundlegenden Verbots sah er strengere Regulierungen wie Ausgabe-Limits und Zwei-Faktor-Authentifizierungen für Zahlmethoden vor. Diese Forderungen werden jedoch nicht an den Bund getragen. 

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Die Lootbox-Thematik ist in der deutschen Politik schon länger angekommen, wurde bislang aber nur selten konsequent verfolgt. 2017 war ein Vorstoß letztlich an den Bundesländern gescheitert. Ein erstes Indiz auf die neuerliche Erfolgswahrscheinlichkeit könnte die USK-Einstufung von FC 24 darstellen. Im Gegensatz zu den FIFA-Vorgängern ist der aktuelle Titel nicht mehr ab 0, sondern ab 12 Jahren empfohlen - unter anderem wegen des "komplexen Monetarisierungssystems".  

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